»Needle Spiking« Nadelattacken in Spanien gemeldet

Immer öfter attackieren Unbekannte junge Frauen beim Feiern mit Nadeln oder Spritzen. Fälle von »Needle Spiking« waren zuletzt in Frankreich und Deutschland bekannt geworden. Nun auch in Spanien.
Nachtklub auf Ibiza (Archivbild): »Das löst soziale Besorgnis aus«

Nachtklub auf Ibiza (Archivbild): »Das löst soziale Besorgnis aus«

Foto: David Ramos / Getty Images

Dutzende junge Frauen sind in Spanien in den vergangenen Wochen beim Feiern mit Nadeln oder Spritzen verletzt worden. Die Angriffe geschehen vorwiegend auf Musikfestivals sowie in Bars und Tanzklubs. Seit Anfang Juli habe es mindestens 50 Anzeigen gegeben, berichtete am Mittwoch die Zeitung »El Mundo « unter Berufung auf Behörden. Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein, weil viele der attackierten Frauen keine Anzeige erstatten, unter anderem weil sie den Piks und die Folgen – wie etwa Übelkeit und Schwindel – erst später bemerkten, hieß es. Festnahmen habe es bisher nicht gegeben.

Betroffen sind zahlreiche Regionen – darunter auch die Balearen mit der bei Deutschen beliebten Urlaubsinsel Mallorca. Die Polizeieinheit Guardia Civil teilte dort am Mittwoch mit, man ermittle in sechs Fällen. Vier hätten sich auf Mallorca und zwei sich auf Ibiza ereignet.

Die Nadelattacken geben Rätsel auf. Die gestochenen Menschen klagen zwar über gesundheitliche Beschwerden wie Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Die naheliegende Vermutung aber, dass die Täter ihre Opfer unter Drogen setzen, um sie auszurauben oder sexuell übergriffig zu werden, sei bisher in keinem der angezeigten Fälle bestätigt worden, berichteten Medien unter Berufung auf die Polizei. Toxine seien bei den Blutproben bisher in fast allen Fällen nicht gefunden worden. Über die Motive der Täter ist daher bisher nichts bekannt.

Attacken mit Nadeln oder Spritzen auf Festivals und in Klubs hatte es zunächst in Großbritannien gegeben. Ab Anfang des Sommers wurden dann auch in Frankreich Hunderte Fälle gemeldet. Auch in Deutschland wurden bereits einige Nadelattacken (Needle Spiking)  verzeichnet. Wie groß die Gefahr wirklich ist, ist unklar. Vor diesem Hintergrund appelliert etwa der sonst eher verschwiegene berühmte Berliner Technoklub Berghain inzwischen auf seiner Website  an Klubbesuchende, aufeinander achtzugeben.

»Die Leute bleiben schon fast lieber zu Hause«

Lourdes Sosa, Bewohnerin von Mallorca

In Spanien sei es derweil ein ganz neues Phänomen, schrieben Medien unter Berufung auf Polizeisprecher. Die ersten Anzeigen nach »Pinchazos«, wie die Attacken in Spanien heißen, habe es am Rande der Stierhatz von Pamplona im Juli gegeben. Inzwischen seien Katalonien und das Baskenland am schlimmsten betroffen. In diesen beiden, aber auch in anderen Regionen nahm die Polizei Ermittlungen auf.

»Das löst soziale Besorgnis aus, zumal die Möglichkeit von sexueller Gewalt gegen Frauen besteht, auch wenn das im Moment noch nicht bestätigt ist«, sagte die katalanische Ministerin für Gleichberechtigung, Tània Verge. Die junge Mallorquinerin Lourdes Sosa räumte gegenüber der Zeitung »Última Hora « ein, die Angst gehe um. »Die Leute bleiben schon fast lieber zu Hause unter Freunden.«

Wie einst die Horrorclowns

Das Needle Spiking erinnert an das Phänomen der Horrorclowns im Herbst 2016 – damals erschreckten maskierte Gruselclowns Passanten . Kriminalpsychologen machten seinerzeit eine »sadistische Motivation« hinter der Aktion aus.

sol/dpa
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