Reaktionen auf neue Variante B.1.1.529 Die Welt sucht Omikron

In immer mehr Ländern werden Fälle der neuen, hochansteckenden Coronavariante nachgewiesen: Südafrika wird von der Welt isoliert, viele Staaten verschärfen ihre Abwehrmaßnahmen. Die Ereignisse im Überblick.
Covid-Test in Lenasia, Südafrika (Archivfoto)

Covid-Test in Lenasia, Südafrika (Archivfoto)

Foto: Siphiwe Sibeko / REUTERS

Immer mehr Staaten weltweit reagieren auf die Ausbreitung der neuen Coronavirus-Variante B.1.1.529. Die als Omikron bezeichnete Mutation war am Donnerstag erstmals in Südafrika nachgewiesen worden, gilt als hochansteckend und verbreitet sich seither über den Globus.

Am Freitag hatte Belgien als erstes EU-Land eine Infektion mit Omikron bei einem Reisenden aus Afrika festgestellt. Danach wurde die Variante in den Niederlanden, Deutschland, Österreich, Italien und Tschechien nachgewiesen. Auch in Großbritannien gibt es erste Fälle, selbst nach Australien hat es das Virus schon geschafft.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte die nach dem griechischen Buchstaben Omikron benannte Variante als »besorgniserregend« ein, auch weil noch nicht klar ist, wie gut bisher zugelassene Impfstoffe gegen die Variante wirken. Die EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde ECDC hält das Risiko einer Ausbreitung in der EU für »hoch bis sehr hoch«, auch der US-Regierungsberater und Corona-Experte Anthony Fauci sagte, er wäre »nicht überrascht«, wenn Omikron bereits in den Vereinigten Staaten wäre.

In Großbritannien  wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums zwei miteinander in Verbindung stehende Omikron-Fälle entdeckt, bei denen es einen Zusammenhang mit einer Reise ins südliche Afrika gibt. Der britische Premierminister Boris Johnson kündigte generelle Verschärfungen der Einreisebedingungen an. Künftig müssen alle Einreisenden zwei Tage nach ihrer Ankunft in Großbritannien einen PCR-Test machen und sich bis zur Vorlage des Ergebnisses isolieren.

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Auch die Schweiz  verschärft ihre Regeln für Einreisen aus der EU und Afrika. Am heutigen Sonntag findet in dem Land eine Volksabstimmung über das Covid-19-Gesetz der Regierung  ab. Die Gegner mobilisieren vor allem gegen das bereits eingeführte Covid-19-Zertifikat, mit dem sich eine Coronaimpfung, Negativ-Testung oder Genesung nachweisen lässt. Dies soll durch die Volksabstimmung auf eine rechtssichere Grundlage gestellt werden. Seit September wird das Zertifikat unter anderem beim Besuch von Restaurants benötigt.

Die bislang drastischsten Maßnahmen gegen die Ausbreitung ergreift Israel . Am Samstagabend hatte die Regierung beschlossen, die Grenzen des Landes für Ausländer vollständig zu schließen. Die neuen Beschränkungen sollen an diesem Sonntagabend in Kraft treten. Derzeit ist demnach in Israel ein Omikron-Fall bestätigt, sieben weitere werden untersucht.

Bis auf Weiteres müssen alle Personen, die aus einem beliebigen Land nach Israel zurückkehren – darunter auch geimpfte Israelis – bei der Einreise drei Tage lang isoliert werden. Die Reisenden würden am Flughafen getestet, müssten sich dann am dritten Tag einem PCR-Test unterziehen und dürften die Isolation erst verlassen, wenn das Ergebnis negativ sei, hieß es weiter. Ungeimpfte Israelis müssten sieben Tage lang isoliert werden, sofern der Test negativ ausfalle. Alle Ausländer, die eine Einreiseerlaubnis nach Israel erhielten, müssten in einem staatlichen »Coronavirus-Hotel« unter Quarantäne gestellt werden.

Zuvor hatte die israelische Regierung bereits die Einreise aus Afrika weitgehend eingeschränkt. Zahlreiche afrikanische Staaten würden als »rote Länder« eingestuft. Die Länder in Nordafrika sind davon ausgenommen.

Strikte Maßnahmen ergreift auch Australien: Hier beschloss die Regierung, Flüge aus afrikanischen Ländern wie Südafrika, Namibia, Simbabwe oder Botswana für 14 Tage auszusetzen. Nicht-Australier, die sich in den vergangenen zwei Wochen in einem solchen Staat aufgehalten haben, dürfen nicht mehr nach Australien einreisen.

Corona-Lage in Deutschland

Auch Europa und die USA  bereiten sich auf den Umgang mit der Virusvariante vor. In den Niederlanden wurden 61 von rund 600 Flugpassagieren aus Südafrika positiv auf Corona getestet. Neben den positiven Ergebnissen habe es 531 negative Coronatests gegeben. Die positiv Getesteten wurden in einem Quarantänehotel nahe dem Flughafen untergebracht. »Die Omikron-Variante wurde wahrscheinlich unter den getesteten Personen gefunden«, gab das nationale Gesundheitsamt bekannt.

Die USA haben Südafrika indes für seine »Transparenz« gegenüber dem Rest der Welt seit der Entdeckung der Omikron-Variante gelobt. US-Außenminister Antony Blinken gratulierte »den südafrikanischen Wissenschaftlern zur schnellen Identifizierung der Omikron-Variante«. Er lobte »die südafrikanische Regierung für ihre Transparenz bei der Weitergabe dieser Informationen, die als Vorbild für die Welt dienen sollte«.

Die Reaktion der USA ist auch als Seitenhieb auf China  zu verstehen. Denn im Gegensatz zu den wohlwollenden Worten gegenüber Pretoria beschuldigt Washington Peking, zu lange mit der Weitergabe entscheidender Informationen über den ursprünglichen Covid-Ausbruch gewartet zu haben. Ein transparenteres Management hätte in den Augen der USA dazu beitragen können, die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

Infizierte weltweit

Südafrikas Regierung klagte hingegen über eine »Bestrafung« und schlechte Behandlung von südafrikanischen Reisenden. Die von vielen Ländern ausgestellten Reiseverbote für Südafrikaner liefen darauf hinaus, »Südafrika für seine fortschrittliche Genomsequenzierung und seine Fähigkeit zu bestrafen, neue Varianten schneller zu erkennen«, erklärte die Regierung am Samstag.

sbo/dpa