Neue Lavaströme Ätna spuckt mit Überschallgeschwindigkeit

Stunden der Angst erlebten die Anwohner des Ätna am Dienstag. Der Vulkan verstärkte seine Aktivität, und die Lava wälzte jedes Hindernis auf ihrem Weg ins Tal platt.


Seit zwei Wochen spuckt der Ätna nun schon ununterbrochen Lava
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Seit zwei Wochen spuckt der Ätna nun schon ununterbrochen Lava

Catania - Die Endstation der Seilbahn sei komplett vernichtet, berichtete das italienische Fernsehen. Auf dem Weg zur Talstation mit der Schutzhütte Sapienza, Souvenirläden und Büros walzte die Feuerflut zwei von drei Schutzdämmen nieder. Danach wurde der Strom wieder langsamer. "Stunden der Angst", beschrieb ein Fernsehreporter die Situation.

"Es herrscht höchste Gefahr", sagte Zivilschutzchef Franco Barberi. Helfer spritzen kaltes Wasser auf die Lavafront, um ein Vordringen zu den Gebäuden zu verhindern. Baggerführer versuchten bis zuletzt, dem Strom Einhalt zu gebieten.

Aus einer neuen Öffnung in 2550 Meter Höhe schießen Gesteinsbrocken mit einer Geschwindigkeit zwischen 350 und 450 Metern pro Sekunde hervor. Damit werde die Schallgeschwindigkeit übertroffen, sagte der Vulkanologe Stefano Gresta. Es gebe kein Anzeichen für ein Nachlassen der Aktivität.

Ein Feuerwehrmann kühlt die Lava nahe der Touristen-Information mit Wasser
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Ein Feuerwehrmann kühlt die Lava nahe der Touristen-Information mit Wasser

Der Ätna tobt seit zwei Wochen. Menschen kamen bislang nicht zu Schaden. Allerdings walzten gewaltige Lavaströme mehrere einzeln stehende Häuser nieder. In höheren Lagen sind Restaurants von gigantischen schwarzen Lavabergen umschlossen.

Der japanische Experte und Ätna-Kenner Naoyuki Fujii bezeichnete den aktuelle Ausbruch des sizilianischen Vulkans als weitaus stärker und gefährlicher als den vor zehn Jahren. Insbesondere fürchte er um den Erhalt der Schutzhütte Sapienza, weil dort wichtige Erhebungen zur Aktivität des Vulkans gemacht würden. "Dann säßen die Experten und der Zivilschutz im Dunkeln."



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