New Orleans Bush verwahrt sich gegen Rassismus-Vorwürfe

Den Vorwurf, die Hautfarbe der Menschen habe bei den Rettungsmaßnahmen in New Orleans eine Rolle gespielt, findet George W. Bush "einfach absurd". Bei seinem Besuch in New Orleans gelobte der US-Präsident, aus den Fehlern beim Krisenmanagement zu lernen.


Bush in New Orleans (mit Gouverneurin Kathleen Blanco und Bürgermeister Ray Nagin: "Lektionen gelernt"
REUTERS

Bush in New Orleans (mit Gouverneurin Kathleen Blanco und Bürgermeister Ray Nagin: "Lektionen gelernt"

New Orleans - "Der Sturm hat nicht diskriminiert und das gleiche gilt für die Rettungsarbeiten", erklärte der US-Präsident vor Journalisten. "Die Rettungsarbeiten waren umfassend." Mitten in den Aufräumarbeiten werde schon jetzt überlegt, wie die Stadt und der Staat wiederaufgebaut werden könnten. Der Präsident wandte sich auch gegen die Einschätzung, die Streitkräfte seien zu stark im Irak eingebunden, um mit der Zerstörung an der Golfküste fertig zu werden.

Bush betonte, die möglichen Fehler bei der Hilfe für das Katastrophengebiet würden gründlich analysiert. "Wir alle wollen unsere Lektionen lernen." Der Kongress werde genau prüfen, "was hier gut und was nicht gut lief", sagte Bush.

Bush verschaffte sich heute zum ersten Mal einen persönlichen Eindruck von der Zerstörung in New Orleans. Zwei Wochen nach dem Durchzug des Hurrikans "Katrina" fuhr er in einem Militärkonvoi durch die Straßen der Stadt, die er bislang nur überflogen hatte. Zuvor hatte Bush in der vergangenen Woche Mississippi und den Flughafen von New Orleans besucht. Dabei war er jedoch nicht ins Stadtzentrum gefahren. Bush traf gestern auf dem vor New Orleans ankernden Kriegsschiff "USS Iwo Jima" ein, das als Kommandozentrale bei der Koordinierung der Hilfsleistungen dient.

Die Situation in New Orleans entspannte sich derweil: Jeden Tag seien Verbesserungen zu beobachten, sagte Vizeadmiral Thad Allen, der die Leitung der Hilfseinsätze der Katastrophenschutzbehörde übernommen hatte, dem Fernsehsender NBC. Die Pegel gingen merklich zurück, trotzdem waren noch immer 50 Prozent des Stadtgebiets überschwemmt. Heute sollen Flugzeuge Pestizide versprühen, um Moskitos zu töten und so die Übertragung von Krankheiten zu verhindern.

Am Louis-Armstrong-Flughafen sollen morgen wieder Passagierflugzeuge starten und landen. Der Frachtverkehr wurde bereits gestern wieder aufgenommen. Behörden aus fünf US-Staaten meldeten bis gestern insgesamt 429 Tote, davon 214 in Mississippi und 197 in Louisiana.

In Schweden startete ein Flugzeug mit drei Mobilfunkanlagen für New Orleans. Die Anlagen seien eine Spende des schwedischen Mobilfunkkonzerns LM Ericsson und sollten die Kommunikation im Katastrophengebiet erleichtern, sagte ein Sprecher der schwedischen Rettungsbehörden. Die Nato stellte weitere Schiffe und Flugzeuge für Hilfseinsätze zur Verfügung. Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer erklärte in Brüssel, die ersten vier Boeing 707 sollten heute in Richtung USA starten.

Jennifer Loven, AP



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.