New Orleans Rotes Kreuz muss draußen bleiben

Das Rote Kreuz ist in New Orleans unerwünscht. Die Behörden haben der Hilfsorganisation nach deren Angaben untersagt, die überflutete Stadt zu betreten. Die Helfer, so die eigenwillige Logik, würden die Evakuierung behindern.


Hamburg - Am Morgen hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) die letzten beiden von sieben Experten für Katastrophenlogistik nach Baton Rouge (US-Bundesstaat Louisiana) entsandt. Sie sollen - gemeinsam mit etwa 80 Mitarbeitern internationaler Rot-Kreuz-Organisationen - die Schwesterorganisation in den USA bei der Versorgung der Opfer des Hurrikans mit Unterkunft, Wasser und Nahrungsmitteln unterstützen.

Nach New Orleans, wo "Katrina" den größten Schaden angerichtet hat, dürfen die Helfer jedoch nicht. Wie das Amerikanische Rote Kreuz auf seiner Homepage in der Sektion "Häufig gestellte Fragen" schreibt, kontrollierten die Nationalgarden den Zugang zu der Stadt. Gegen deren Willen könne man nicht nach New Orleans. Die Behörden lehnen demnach aber Rot-Kreuz-Helfer in New Orleans ab, weil sie alle Energie auf die Evakuierung der Menschen von New Orleans verwenden wollen. Die Anwesenheit des Roten Kreuzes könne, so die Befürchtung, könnte sogar Flüchtlinge veranlassen, wieder in die Stadt zurückzukehren.

Tausende aus New Orleans geflüchtete Einwohner versuchten heute bereits, in ihre Stadt zurückzukehren. Auf der einzigen befahrbaren Straße in die Stadt, bildete sich ein rund 40 Kilometer langer Stau. Ein Bezirkschef hatte zuvor erklärt, dass die vor dem Sturm geflüchteten Einwohner zwischen 6 Uhr und 18 Uhr Ortszeit den Zustand ihrer Häuser inspizieren und Habseligkeiten aus der überschwemmten Stadt holen könnten.

Der stellvertretende Polizeichef von New Orleans, Warren Riley, kritisierte die Entscheidung der Kommune und kündigte an, die Polizei werde niemanden mehr in die Stadt zurückkehren lassen. Alle verbliebenen Bewohner rief er dazu auf, die Stadt zu verlassen. Er warnte vor dem Ausbruch von Seuchen und anderen Krankheiten durch verschmutztes Wasser und verwesende Leichen. Seine Beamten hätten die Vollmacht, die Menschen notfalls auch zwangsweise zu evakuieren.

Derzeit harren nur noch wenige tausend Menschen in der zu großen Teilen überschwemmten Stadt New Orleans aus. Weniger als 10.000 Menschen seien noch in der Stadt, sagte der Leiter der Rettungsarbeiten, US-General Russel Honoré, dem ABC-Fernsehen. In der Stadt lebten vor der Katastrophe rund eine halbe Million, im Großraum 1,4 Millionen Menschen.



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