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Seit 1962 in Betrieb: Das Atomkraftwerk Indian Point

Foto: Stephen Chernin/ Getty Images

Kontaminiertes Wasser Zwischenfall in New Yorker Atomkraftwerk

Im Grundwasser bei einem Atomkraftwerk in der Nähe von New York City ist dramatisch erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Der Gouverneur schlägt Alarm, der Betreiber wiegelt ab.

Bei Grundwassermessungen in der Nähe des Atomkraftwerks Indian Point seien "alarmierend hohe" Strahlungswerte festgestellt worden, erklärte der Gouverneur des US-Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, am Samstag. Offenbar sei mit dem radioaktiven Wasserstoffisotop Tritium kontaminiertes Wasser aus dem Kraftwerk ausgetreten. Der Gouverneur ordnete eine sofortige Untersuchung an.

Indian Point steht seit Jahrzehnten in der Kritik. Mit dem Bau des Kraftwerks wurde 1955 begonnen, der erste Reaktor ging 1962 ans Netz. Seit Jahren macht es vor allem mit Störfällen von sich reden. Aus dem 1973 in Dienst gestellten Reaktor 2 beispielsweise entwichen 2009 rund 400.000 Liter Kühlwasser. Als Ursache wurde damals festgestellt, dass die Rohre in den 36 Jahren nach der Inbetriebnahme nicht mehr kontrolliert worden waren und schlicht durchgerostet  waren.

Gouverneur Cuomo setzt sich seit Jahren für eine Abschaltung des Kraftwerks ein und sparte auch jetzt nicht an Kritik: "Dies ist weder das erste Mal, dass aus Indian Point radioaktives Wasser entweicht, noch ist es das erste Mal, dass Indian Point signifikante Fehler bei Wartung und Betrieb offenbart. Dieser Zwischenfall zeigt ein weiteres Mal, dass Indian Point nicht weiter auf eine Art betrieben werden darf, die die öffentliche Gesundheit und die Umwelt gefährdet."

Sechs Prozent der Amerikaner leben in der Umgebung

Dass Indian Point trotz aller Kritik, trotz der veralteten Technik und trotz seines Gefahrenpotenzials weiter am Netz bleiben darf, dürfte damit zusammenhängen, dass es für die Stadt New York derzeit ein unverzichtbarer Energielieferant ist. Mehr als ein Viertel des von New York City benötigten Stroms wird in dem alten AKW produziert.

Vor diesem Hintergrund wird gerne ausgeblendet, dass das Atomkraftwerk nur 40 Kilometer von New York City entfernt ist. Gouverneur Cuomo zufolge leben sechs Prozent der US-Bevölkerung in einem Umkreis von 80 Kilometern vom Kraftwerk .

Bei den aktuellen Grundwassermessungen wurden nun Werte von bis zu acht Millionen Picocurie pro Liter festgestellt. Das entspricht eine Steigerung um fast 65.000 Prozent gegenüber früheren Messungen an derselben Stelle, bei denen 12.300 Picocurie gemessen wurden. Die US-Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) hat für Trinkwasser einen Maximalwert von 20.000 Picocurie bei Kontamination mit Tritium festgelegt.

Zu der Kontamination sei es gekommen, als Arbeiter bei Wartungsarbeiten hochgradig radioaktives Wasser umpumpen wollten und ein Abfluss überlief, erklärte Neil Sheehan, Sprecher der US-Atombehörde NRC. Eine für solche Fälle vorgesehene Absaugpumpe war außer Betrieb.

Das kontaminierte Wasser werde langsam in den Hudson River diffundieren, an dessen Ufer das Kraftwerk steht, sagte Neil Sheehan weiter. Normalerweise würde es dann mitten im Fluss derart verdünnt werden, dass kaum noch Radioaktivität messbar sei. "Wir glauben, dass es für die Öffentlichkeit keinen Grund zur Sorge gibt", sagte Sheehan.

Dieser Diktion schloss sich Jerry Nappi, Sprecher der Entergy Group, an: Tritium im Boden sei nicht mit den Standards seiner Firma vereinbar, sagte er. Auch habe der Vorfall keine Konsequenzen bezüglich Gesundheit oder Sicherheit. "Es gibt keine Beeinflussung von Trinkwasser, weder auf dem Betriebsgelände, noch in dessen Umgebung."

mak
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