Nicaragua Seltener bengalischer Tiger in Zoo geboren

Außergewöhnlicher Nachwuchs in Nicaragua: In einem Tierpark der Stadt Masaya ist ein bengalischer Tiger zur Welt gekommen. Die Pfleger hoffen, das Baby trotz Flaschenernährung durchzubekommen.
Tigerbaby wird mit der Flasche gefüttert: Außergewöhnliche Geburt in Nicaragua

Tigerbaby wird mit der Flasche gefüttert: Außergewöhnliche Geburt in Nicaragua

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INTI OCON / AFP

Der staatliche Zoo im nicaraguanischen Masaya hat gute Nachrichten zu verkünden: Am Wochenende kam hier ein Raubtierbaby zur Welt – ein bengalischer Tiger. Diese Unterart der Tiger steht auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN und gilt als vom Aussterben bedroht.

Das Tigerjunge wird seit seiner Geburt mit Milch aus der Flasche gefüttert, weil die Mutter nicht in der Lage ist, ihren Nachwuchs ausreichend zu versorgen, wie Zoodirektor Eduardo Sacasa mitteilte. Das noch namenlose weibliche Tigerbaby erhalte eine spezielle Milch für Katzen.

Das drei Tage alte Tigermädchen wird im Zoo von Masaya gefüttert

Das drei Tage alte Tigermädchen wird im Zoo von Masaya gefüttert

Foto: INTI OCON / AFP

»Wir kümmern uns um sie, damit sie überlebt«, sagte Sacasa. Das »sehr süße« Tigerbaby mache eine »schwierige Zeit« durch und erhalte kein Kolostrum zur Bildung der natürlichen Abwehrkräfte – dabei handelt es sich um besonders nährstoffreiche Milch, die Säugetiere kurz nach der Geburt für ihren Nachwuchs produzieren.

Für den Zoo ist es bereits der vierte Tigernachwuchs: Mutter Dalila hatte im Dezember ein weißes Tigerbaby zur Welt gebracht, das jedoch zwei Wochen später aufgrund von Atemproblemen starb. Zwei weitere Tigerweibchen in dem Zoo brachten ebenfalls Junge zur Welt.

Stark gefährdete Art

Der Bengaltiger (Panthera tigris tigris) lebt vor allem in Indien, aber auch in Nepal, Bhutan und Bangladesch. Der WWF schätzt die Zahl der weltweit lebenden Tiere auf weniger als 2633. Deshalb steht der bengalische Tiger als stark gefährdet auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN und ist vom Aussterben bedroht.

Neugeborenes Tigerbaby mit Pflegerin: »Schwierige Zeit«

Neugeborenes Tigerbaby mit Pflegerin: »Schwierige Zeit«

Foto: INTI OCON / AFP

Hauptgründe dafür sind die zunehmende Rodung seiner natürlichen Lebensräume in Asien und die Jagd auf Tiger. Nachdem die Zahl der Großkatzen in Indien in den Siebzigerjahren auf gerade mal 1800 Tiere gesunken war, hatte Staatschefin Indira Gandhi die bengalischen Tiger unter Schutz gestellt und das landesweite Tigerprojekt ins Leben gerufen. Mittlerweile gibt es in Indien 37 Tigerschutzgebiete in 17 Bundesstaaten. Die Folge: Die Zahl der Tiere nimmt wieder zu.

Weltnaturschutzunion tagt in Marseille

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) startet am kommenden Freitag ihren Kongress in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille. Dort werden Nichtregierungsorganisationen, Indigene sowie Regierungsvertreter – unterstützt von einem Netzwerk aus rund 16.000 Wissenschaftlern – neun Tage lang über Vorschläge zum Schutz von Tier- und Pflanzenarten beraten.

Vor Beginn der Veranstaltung mahnte die Organisation, dass sich das Artensterben ebenso wie Klimawandel, Umweltverschmutzung und von Wildtieren überspringende Krankheiten zu einer existenziellen Bedrohung für den Menschen entwickelt hätten. Diese Probleme könnten nicht »isoliert verstanden und bekämpft werden«, hieß es.

Die Kongressteilnehmer stellen die Weichen für wichtige Uno-Gipfel zu Arten- und Klimaschutz und Ernährungssicherheit. Bereits in der Vergangenheit hatte die Weltnaturschutzunion maßgebliche internationale Artenschutzabkommen vorbereitet.

In den vergangenen Jahren hat die IUCN knapp 135.000 Arten für ihre Rote Liste untersucht. Fast 28 Prozent von ihnen sind heute vom Aussterben bedroht. Die weltweiten Großkatzenbestände sind um rund 90 Prozent geschrumpft. In freier Wildbahn leben nur noch etwa 20.000 Löwen, 7000 Geparden, 4000 Tiger und ein paar Dutzend Amurleoparden.

ala/dpa
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