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Gestorben Nino Cerruti, 91

aus DER SPIEGEL 4/2022
Foto:

Clemens Niehaus / Geisler / ddp

Eigentlich wollte er Journalist werden, doch sein Studium brach der Italiener ab, um die von seinem Großvater 1881 gegründete Textilfabrik zu übernehmen. Nino Cerruti kam 1930 in Biella im Piemont zur Welt und stieg gemeinsam mit seinen Brüdern ins mittelstän­dische Familienunternehmen ein, als sein Vater 1950 starb. Dank seines Gespürs, eines lässig-eleganten Stils, der Liebe zum Detail und hochwertiger Stoffe wurde die Marke Cerruti 1881 zum Impulsgeber in der Männer­mode. Mit Cerruti kaufte man nicht einfach nur lu­xuriöse Kleidung, man gab ein Statement ab. 1967 eröffnete Cerruti in Paris seine erste Boutique. Einige der besten italienischen Modedesigner begannen bei ihm ihre Karriere, darunter Giorgio Armani und Stefano Pilati. Mitte der Siebzigerjahre fing Cerruti an, Frauenmode zu entwerfen, und trieb die Expansion des Unternehmens voran – Parfüms, Lederwaren, Sport­bekleidung. Er folgte auch dem Ruf nach Hollywood und war als Kostümdesigner für die glamourösen Looks von Julia Roberts und Richard Gere in »Pretty Woman« verantwortlich sowie für die kühlen An­züge in »American Psycho«. In einer Szene des Films gibt der Hauptdarsteller rot verschmierte Laken in die Reinigung und sagt den berühmten Satz: »Cerruti kann man nicht bleichen. Kommt nicht infrage.« Mitte der Neunzigerjahre begann der Modeschöpfer, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen, bis er 2002 endgültig ausstieg. Nino Cerruti starb am 15. Januar in Vercelli, Piemont.

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