Nordpol-Frau Verschollen im ewigen Eis

Sie will die erste Frau sein, die den Nordpol im Alleingang erreicht. Und um dieses Ziel zu erlangen, ist Dominick Arduin bereit, einiges zu opfern. Obwohl sie erst im vergangenen Jahr bei einem gescheiterten Versuch durch Erfrierungen mehrere Zehen verlor, ist die Französin am Freitag erneut aufgebrochen. Doch seitdem fehlt von Arduin jede Spur.

Von Markus Brügge


Arduin auf ihrer Webseite: "Vielleicht werde ich verrückt"

Arduin auf ihrer Webseite: "Vielleicht werde ich verrückt"

Hamburg - "Wir haben seit Freitag nichts mehr von ihr gehört", sagt Pasi Pikkupeura, der Arduins Webseite betreut. Noch an diesem Tag hatte es dort hoffnungsfroh geheißen, die Französin sei erfolgreich gestartet und habe die ersten acht Kilometer auf dem Weg zum Pol hinter sich. Arduin war in einem Kajak ins Eismeer aufgebrochen. Kurz darauf riss der Kontakt zu ihr ab.

Die 43-Jährige hatte zuvor in einem Funkspruch durchgegeben, sie wolle ihr Ortungsgerät einschalten, doch Daten empfing ihr Team nicht. Eine Hubschraubersuche nach der Französin, die seit 15 Jahren in Lappland lebt, musste heute wegen der einbrechenden Dunkelheit eingestellt werden.

Wie riskant der Kampf im ewigen Eis ist, zeigt das Schicksal von Frédéric Chamard-Boudet. Er und Arduin waren zusammen gestartet, wollten aber getrennt den Pol erreichen. Schon am Freitag hatte die Französin ihrem Team gemeldet, sie habe den Kontakt zu ihrem Landsmann verloren.

Chamard-Boudet wollte die ersten Tage seiner Expedition auf Skiern absolvieren, war aber gestern auf dünnem Eis eingebrochen und nur knapp dem Tod entronnen. Nachdem er vier Minuten bei einer Lufttemperatur von etwa minus 40 Grad im Wasser verbracht hatte, erlitt der Franzose Erfrierungen an Händen und Füßen. Ihm gelang es, sein Team zu informieren, ein Helikopter rettete den entkräfteten Franzosen aus der Eiswüste.

Dominick Arduin hatte auf ihrer Homepage www.arctic-dominick.com berichtet, wie sehr sie sich auf die erneute Nordpol-Eroberung freue. Obwohl sie 2003 gescheitert sei und schwere Erfrierungen erlitten habe, nachdem sie ins Wasser fiel, sei schon der erste Versuch "die unglaublichste Erfahrung meines Lebens gewesen".

An anderer Stelle schreibt Arduin, ob sie ihr Ziel diesmal erreiche, sei vor allem eine Frage des Kopfes: "Es ist zu 30 Prozent eine Sache des Körpers - aber zu 70 Prozent eine Sache meines Geistes."

Diese Gefahr erschien der Abenteurerin mindestens ebenso groß wie brüchiges Eis, Polarbären oder Erfrierungen. "Vielleicht werde ich in der Einsamkeit verrückt und verliere die Kontrolle", heißt es in einem Tagebucheintrag von Arduin.



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