Unwetter in Deutschland Feuerwehrleute sterben bei Einsätzen – Damm der Steinbachtalsperre droht zu brechen

Tief »Bernd« sorgt mit Starkregen weiter für Chaos in Deutschland: Zwei Retter starben im Sauerland, die Wassermassen belasten mehrere Talsperren. Am Donnerstag sollen sich die Unwetter verlagern.
Rettungseinsatz in Altenheim in Hagen: Die Lage bleibt vielerorts extrem angespannt

Rettungseinsatz in Altenheim in Hagen: Die Lage bleibt vielerorts extrem angespannt

Foto: Dieter Menne / dpa

Unwetter mit Starkregen haben in zahlreichen Regionen Deutschlands zu Ausnahmezuständen und Feuerwehreinsätzen geführt.

Zu tragischen Zwischenfällen kam es im Sauerland. In Altena war ein Mann ins Wasser geraten, den herbeigerufene Feuerwehrleute retteten. Beim Einsteigen ins Einsatzfahrzeug sei ein Feuerwehrmann dann selbst ins Wasser gefallen und abgetrieben worden. Der 46-Jährige konnte nur noch tot geborgen werden. Ein 52-jähriger Feuerwehrmann kollabierte später während eines Einsatzes nahe dem Kraftwerk Elverlingsen. Die Polizei ging von einem internistischen Notfall aus.

Während sich die Lage an manchen Orten am Mittwoch zunächst beruhigte, war vor allem Nordrhein-Westfalen noch schwer betroffen, insbesondere etwa die Landeshauptstadt Düsseldorf, Wuppertal und Hagen im Ruhrgebiet.

In Wuppertal warnte die Stadt vor Überschwemmungen, nachdem die Wupper-Talsperre überlief. Es sei Sirenenalarm ausgelöst worden. »Personen sollten sich in der Nacht nicht in der Nähe der Wupper, insbesondere nicht in Muldenlagen aufhalten«, hieß es in einer Mitteilung. Warnfahrzeuge fuhren durch die betroffenen Gebiete und informierten per Lautsprecherdurchsage die Anwohner: »Es besteht akute Lebensgefahr!« In einer Sporthalle wurde eine Notunterkunft eingerichtet.

Einsatzkräfte der Feuerwehr können das Wasser mittlerweile jedoch kontrolliert ablaufen lassen, teilte ein Sprecher der Leitstelle Oberbergischer Kreis am frühen Donnerstagmorgen mit. Wie ein Sprecher der Polizei mitteilte, wurden einige Straßen auf der Talachse entlang der Wupper gesperrt. Anwohner wurden demnach aufgefordert, sich nicht in Kellergeschossen aufzuhalten, sondern sich in höher gelegene Wohnungen zu begeben. Trotz der angekündigten Flutwelle sei die Unwetterlage in der Stadt aber noch überschaubar, teilte der Sprecher weiter mit. »Die Situation bleibt angespannt. Die Wupper hat im Stadtgebiet einen extrem hohen Pegel, der weiter steigen kann. Der Überlauf der Talsperre(n) ist noch nicht durch«, twitterte die Stadt.

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Die Feuerwehr wies auf Twitter vorzeitig darauf hin, den Trinkwasserverbrauch vorsorglich einzuschränken. Durch einen Stromausfall sei auch die Wasserversorgung betroffen.

NRW-Innenminister Herbert Reul sprach von einer »außerordentlich schwierigen Lage« in einigen Regionen des Landes. »Die weitere Entwicklung ist derzeit nicht mit Sicherheit absehbar«, sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur dpa.

Damm der Steinbachtalsperre droht zu brechen – A61 gesperrt

In Euskirchen droht der Damm der Steinbachtalsperre aufgrund des Unwetters zu brechen. Daher sei am Donnerstag die Autobahn 61 zwischen Bliesheim und Meckenheim voll gesperrt worden, teilte die Polizei mit. Zuvor war die A61 bereits gesperrt worden, weil die Autobahn von Wasser überflutet worden sei. Zur Beobachtung des Damms seien das Technische Hilfswerk (THW) und die Polizei vor Ort. Der Verkehr wird auf die A565 umgeleitet.

Feuerwehreinsatz in Düsseldorf

Feuerwehreinsatz in Düsseldorf

Foto: David Young / dpa

Die Stadt Düsseldorf forderte wegen einer drohenden Überschwemmung die Anwohner im Stadtteil Grafenberg zum Verlassen ihrer Wohnungen auf. Besonders betroffen vom steigenden Hochwasser der Nördlichen Düssel seien etwa 350 Gebäude der Ostparksiedlung, teilte die Stadt mit.

Im Starkregen stürzte am Mittwoch das Flachdach eines Einzelhandelsgeschäfts in einem Einkaufszentrum in Würselen bei Aachen ein. Eine verletzte Person habe sich selbst retten können, teilte die Stadt mit. »Vermutlich hat das Dach den Wassermassen (...) nicht standgehalten.« Der Bereich sei mit Rettungshunden abgesucht worden, es wurden jedoch keine weiteren Menschen in dem Gebäude entdeckt.

Krisenstab tagt in Hagen – Altenheim wird evakuiert

Ein Altenheim mit 76 Bewohnern in Hagen wurde wegen einströmender Wassermassen evakuiert. »Das Seniorenheim ist sehr stark betroffen und unbewohnbar geworden«, sagte ein Stadtsprecher. Eltern wurden gebeten, ihre Kinder nicht in die Kita zu schicken und auch die Ferienbetreuung an den Grundschulen nicht zu nutzen.

Eine verschüttete Person sei leicht verletzt gerettet worden. Mehrere Fahrer seien aus ihren von Wassermassen eingeschlossenen Autos befreit worden. Es gab mindestens 200 Einsatzorte. Einige Ortsteile waren zum Teil nicht mehr zu erreichen. »Die Leute sind verzweifelt«, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Hagen.

Unwetterschäden in Hagen

Unwetterschäden in Hagen

Foto: Christopher Neundorf / imago images/Kirchner-Media

An diesem Donnerstag will Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nach Hagen kommen. Er wolle sich ein Bild von der besonders betroffenen Region machen, teilte die Staatskanzlei mit.

Die Deutsche Bahn riet allen Bahnreisenden, Nordrhein-Westfalen weiträumig zu umfahren. »Bitte verschieben Sie Reisen von und nach NRW nach Möglichkeit auf die kommenden Tage«, hieß es in einer Mitteilung. Am Mittwoch wurde auf zahlreichen Bahnlinien der Betrieb eingestellt. Die Bahn berichtete unter anderem von Verspätungen und Ausfällen von Zügen zwischen Köln und Düsseldorf sowie zwischen Köln und Wuppertal. Die Strecken zwischen Köln und Koblenz waren auf beiden Seiten des Rheins nicht befahrbar. ICE-Züge zwischen Frankfurt und Brüssel fuhren nur zwischen Frankfurt und Köln.

Auch in anderen Teilen des Bundeslandes wurden Bäche zu reißenden Strömen. Es kam zu Erdrutschen, Straßen wurden überspült, Keller liefen voll, der Bahn- und Straßenverkehr war gestört. Eine Mitarbeiterin eines Seniorenheims in Mettmann nahe Düsseldorf wurde von einem umstürzenden Baum schwer verletzt und wäre beinahe ertrunken. Ein Helfer konnte den Kopf der Frau über Wasser halten, bis Feuerwehrleute die eingeklemmte Frau befreit hatten.

Hochwasser in Köln-Müngersdorf

Hochwasser in Köln-Müngersdorf

Foto: Gladys Chai von der Laage / imago images/Chai von der Laage

Die Feuerwehr in Köln meldete 180 unwetterbedingte Einsätze. Am Abend wurde in Köln die Autobahn A1 zwischen dem Kreuz Köln-West und Köln-Bocklemünd in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Grund war laut Autobahngesellschaft Rheinland ein überfluteter Tunnel, aus dem die Pumpen das Wasser nicht schnell genug abpumpen konnten. Überflutete Fahrbahnen oder Unwetterschäden meldete der WDR am Abend etwa auf den Autobahnen 43, 44, 59, 61 und 553. Gegen 22.00 Uhr staute sich der Verkehr landesweit auf insgesamt 60 Kilometern.

Auto in einer gefluteten Bahnunterführung in Köln

Auto in einer gefluteten Bahnunterführung in Köln

Foto: Marius Becker / dpa

In Düsseldorf rückte die Feuerwehr zu rund 330 Einsätzen aus. Auch die Tiefgarage des Rheinmetall-Konzerns war betroffen – dort stand das Wasser 40 Zentimeter hoch. Um Kunstwerke im Wert von rund fünf Millionen Euro in einer Galerie zu schützen, waren Feuerwehrleute stundenlang im Einsatz. In Erkrath nahe der Landeshauptstadt mussten etwa hundert Bewohner eine Unterkunft für Geflüchtete verlassen. An zahlreichen Flüssen in Nordrhein-Westfalen wurden Hochwasser-Warnwerte überschritten.

Katastrophenfall in Vulkaneifel ausgerufen – Schulen dicht

Im rheinland-pfälzischen Kreis Vulkaneifel wurde der Katastrophenfall ausgerufen. »Die Lage ist sehr ernst, wir haben viele überschwemmte Straßen und Ortschaften, die nicht mehr erreichbar sind«, sagte Landrätin Julia Gieseking (SPD) am Mittwochabend in Daun. Die Schulen im Kreis sollen am Donnerstag geschlossen bleiben.

Tief »Bernd« bringt Regen über Eifel und Hunsrück, die Hochwassergefahr steigt

Tief »Bernd« bringt Regen über Eifel und Hunsrück, die Hochwassergefahr steigt

Foto: Thomas Frey / dpa

Im sächsischen Erzgebirgskreis wurde ein 53-Jähriger von einer Sturzflut mitgerissen und bis Mittwochnachmittag immer noch vermisst. Der Mann hatte am Dienstagabend wegen des stark gestiegenen Pegels des Dorfbachs versucht, sein Grundstück vor den Wassermassen zu schützen. Dabei wurde er nach Angaben von Anwohnern mitgerissen.

Regenfälle sollen im Westen nachlassen

Laut DWD-Prognosen lassen die Regenfälle durch das Tiefdruckgebiet »Bernd« am Donnerstag im Westen nach und ziehen vermehrt in den Südwesten und Süden. Allerdings seien die Wassermengen in der Fläche nicht mehr so ausgeprägt, wie sie am Mittwoch im Westen erwartet wurden. Unwetterartige Starkregenfälle könnten aber lokal nicht ausgeschlossen werden.

mjm/jok/ptz/dpa
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