Ab 8. Juni In NRW dürfen Kinder deutlich früher in ihre Kitas als geplant

Eigentlich sollten in Nordrhein-Westfalen die Kitas erst im September für alle Kinder öffnen. Nun hat das Familienministerium bekannt gegeben: Es soll schon in drei Wochen losgehen.
Kitakinder in NRW dürfen schon ab 8. Juni wieder in die Einrichtungen

Kitakinder in NRW dürfen schon ab 8. Juni wieder in die Einrichtungen

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

In Nordrhein-Westfalen dürfen alle Kinder deutlich früher wieder in ihre Kitas gehen als ursprünglich geplant. Von der Notbetreuung will das Land schon am 8. Juni in den sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb wechseln, wie das Familienministerium des Landes am Mittwoch mitteilte. Familienminister Joachim Stamp (FDP) hatte die Rückkehr aller Kinder bisher erst für September in Aussicht gestellt.

"Ich weiß, dass viele Familien in den letzten Wochen an die Grenze ihrer Belastbarkeit gekommen sind und vielen Kindern ohne frühkindliche Bildung täglich Chancen genommen werden", teilte Stamp nun mit. "Es war mein fester Vorsatz, allen Kindern schnellstmöglich wieder ein Betreuungsangebot zu ermöglichen, sofern das verantwortbar ist."

In Deutschland sind Kitas und Schulen seit Mitte März wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Es gab nur eine Notbetreuung. In nordrhein-westfälischen Kitas durften nur Kinder von Eltern aus sogenannten systemrelevanten Berufen in die Kitas kommen. Vor einer Woche wurde diese Notbetreuung für andere ausgewählte Gruppen erweitert. Die Mehrheit musste aber noch zu Hause bleiben.

Er sei froh, so Stamp, dass angesichts des rückläufigen Infektionsgeschehens die Kitas in NRW früher wieder für alle Kinder öffnen könnten. Allerdings: Von einem ganz normalen Alltag kann auch ab Juni noch nicht die Rede sein. Es dürfen zwar alle Kinder wieder in ihre Einrichtungen gehen, jedoch in einem reduzierten Betreuungsumfang von 35, 25 und 15 Stunden pro Woche statt 45, 35, 25.

"Ich appelliere an die Solidarität aller Eltern"

Der eingeschränkte Regelbetrieb ab dem 8. Juni soll auch für Kinder gelten, deren Eltern in der bisherigen Notbetreuung im Einzelfall eine umfangreichere Betreuung in Anspruch nehmen konnten. Wer etwa einen systemrelevanten Beruf hat und sein Kind bisher etwa täglich acht Stunden in die Kita gebracht hat, muss demnach ab Juni damit rechnen, dass die Betreuungszeit eingeschränkt wird.

NRW-Familienminister Joachim Stamp

NRW-Familienminister Joachim Stamp

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Federico Gambarini/ dpa

Stamp sagte dazu: "Ich appelliere an die Solidarität aller Eltern. Der Übergang in diese neue Phase des eingeschränkten Regelbetriebs wird eine große Herausforderung." Nicht alles werde reibungslos verlaufen. Die Bereitschaft zu Zugeständnissen sei von allen Seiten notwendig. Sein Ministerium hat für den eingeschränkten Regelbetrieb folgende Eckpfeiler festgelegt.

  • Es gibt nur feste Gruppen, keine offenen Konzepte.

  • In jeder Gruppe wird mindestens eine Fachkraft eingesetzt.

  • Die Gruppen sind weiterhin räumlich voneinander getrennt.

  • Alle Kontakte müssen nachvollziehbar sein, die Hygienekonzepte eingehalten werden.

Das Familienministerium will den Prozess der weiteren Kita-Öffnung in einer ausgewählten Kommune wissenschaftlich begleiten. Dabei sollen regelmäßig wöchentlich mehrere tausend Kinder und Fachkräfte in Kitas getestet und die Ergebnisse ausgewertet werden. In einem weiteren Monitoring soll untersucht werden, inwieweit Maßnahmen zu Hygiene und Arbeitsschutz greifen.

Minister liefert fünf Millionen Masken

Stamp will den Jugendämtern zur Wiedereröffnung der Kitas zwei Millionen FFP-2-Masken und drei Millionen OP-Masken zukommen lassen, die sie an die Erzieherinnen und Erzieher verteilen können. Zudem ist ein finanzieller Zuschuss für die Träger geplant, damit diese die außergewöhnlichen zusätzlichen Belastungen auffangen können.

Geplant ist außerdem ein "Personal-Gewinnungsprogramm", mit dem Hilfskräfte für die Kitas rekrutiert werden sollen, die die pädagogischen Fachkräfte vor Ort entlasten. Den Angaben zufolge geht es dabei um Tätigkeiten wie Kindern beim Händewaschen oder Schuhe an- und ausziehen helfen.

Die Phase des eingeschränkten Regelbetriebs ist in Nordrhein-Westfalen zunächst bis zum 31. August 2020 vorgesehen. Mitte August will das Ministerium entschieden, wie es danach weitergehen soll.

Jedes Bundesland macht es anders

Die Familienminister von Bund und Ländern hatten sich Ende April auf einen vierstufigen Plan zur schrittweisen Öffnung der Kitas verständigt. Das konkreten vorgehen erfolgt aber in Eigenregie der Länder. Die Rückkehr der Kinder in ihre Kitas ist damit aktuell in jedem Bundesland anders geregelt.

Sachsen hat seine Kitas bereits für alle Kinder geöffnet und will mit festen Gruppen Neuinfektionen verhindern. In Baden-Württemberg gilt auch ein eingeschränkter Regelbetrieb, allerdings dürfen maximal 50 Prozent der Kinder, die die Kita sonst besuchen, gleichzeitig betreut werden.

In Mecklenburg-Vorpommern sollen Kitas ab dem 25. Mai wieder für alle öffnen, in Sachsen-Anhalt ist der 2. Juni geplant. Niedersachsen will Schritt für Schritt weiter aufmachen, als Datum für die Rückkehr zum Regelbetrieb ist der 1. August festgelegt. (Eine Übersicht finden Sie hier.)

In den vergangenen Tagen hatte eine Debatte über schnellere Öffnungen von Kitas und Schulen an Fahrt aufgenommen, bestärkt von einer gemeinsamen Stellungnahme von vier medizinischen Fachverbänden, die eine umgehende, uneingeschränkte Öffnung verlangt hatten. FDP und Grüne forderten mehr Tempo.

Das Deutsche Kinderhilfswerk sprach von "einem schweren und vor dem Hintergrund aktueller fachlicher Erkenntnisse unverhältnismäßigen Eingriff in die Lebenswelt von Kindern, in ihre Grundrechte und ihre psychosoziale Entwicklung".

fok/dpa
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