Frostschutz Mit Hubschraubern, Kerzen und Strohfeuern gegen die Kälte

In Baden-Württemberg hat ein Obstbauer auf besondere Weise versucht, seine Bäume vor dem Frost zu schützen. Er entzündete Hunderte Kerzen in der Obstplantage. In Weinbergen kommen Hubschrauber zum Einsatz - oder Strohfeuer.

DPA

Die Lichterpracht hat etwas Weihnachtliches - mitten im April. Doch für das festliche Glühen ist kein verfrühter Festtagsschmuck verantwortlich. Bei Norsingen in Baden-Württemberg hat sich Obstbauer Joel Siegel mit riesigen Wachskerzen gegen drohende Frostschäden an seinen Bäumen gewehrt.

Durch die Wärme der mehr als 200 Kerzen wolle er bei minus einem Grad die Blüten der Pfirsich- und Birnbäume schützen, sagte Siegel. Bis zu drei Grad Wärme würden so in seiner Obstbaumanlage im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald erzeugt. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sollten die Temperaturen im Rheintal sogar bis minus vier Grad heruntergehen.

In anderen Obstanbaugebieten werden die Bäume mit Wasser beregnet. Es bildet sich ein dicker Eispanzer, auch dieser kann die Blüten schützen. Siegel hat die Technik in den letzten Jahren schon öfter angewandt. Ob seine festliche Beleuchtung die Obstbäume vor Schaden bewahrt hat, ist nicht bekannt.

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Origineller Frostschutz: Kerzenschein, Hubschrauber, Strohfeuer

Angesichts größerer Verluste bei der Weinlese im vergangenen Jahr hat auch das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium zu besonderen Maßnahmen gegriffen. Hubschrauber wurden zum Schutz junger Reben vor Frost eingesetzt. Wie Agrarminister Peter Hauk (CDU) in Obersulm sagte, sollen so kalte und warme Luft ausgetauscht werden.

Sogenannte Inversionswetterlagen, bei denen die oberen Luftschichten wärmer sind als die unteren, können im Weinbau erhebliche Frostschäden verursachen.

"Wir können die Temperatur um bis zu vier Grad erhöhen", sagte Hauk. Die zweistündigen Flüge in 15 Metern Höhe seien aber nur bei leichtem Bodenfrost sinnvoll. Zunächst sind demnach zwei Tage für den Test auf rund hundert Hektar Land geplant. Die Einsätze am Donnerstag und Freitag kosten insgesamt rund 40.000 Euro, das Land beteiligt sich zur Hälfte daran. Für den Rest kommen die Winzer auf, über deren Weinbaugebiete geflogen wird.

Auf dem sächsischen Staatsweingut Schloss Wackerbarth zünden Winzer hingegen Feuer in den Weinbergen an, um die Knospen der Weinreben gegen Frost zu schützen. "Viel Rauch, wenig Flammen, das ist das Beste", sagte Teamleiter Roy Paul. Der Rauch, der durch die Weinberge ziehe, könne die Temperatur über dem Boden um ein bis zwei Grad steigen lassen. "Die können entscheidend sein, wenn die Knospe schon aufgegangen ist", so Paul.

Unter anderem entfachten die Weinbauern in einer besonders empfindlichen Lage in Priestewitz im Landkreis Meißen bis in die frühen Morgenstunden Dutzende kleine Holz- sowie größere Strohfeuer. Auch noch in der Nacht zum Freitag sollen insgesamt rund 200 Weinbergsfeuer auf einer Fläche von rund 19 Hektar angezündet werden. "Wir sind vorsichtig optimistisch, dass wir die Bestände damit retten können", sagte der Sprecher von Schloss Wackerbarth, Martin Junge.

cnn/dpa



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