Norwegen Feuerwehr bekommt Waldbrände nicht unter Kontrolle

Seit fünf Tagen toben in Norwegen die schlimmsten Waldbrände, die das Land seit 1945 erlebt hat. Die Regierung hat Nachbarstaaten und die EU um Hilfe gebeten. Vorerst wollen es die örtlichen Einsatzkräfte aber allein weiter versuchen - und hoffen auf das Wetter.


Oslo - Die Wettervorhersage versprach Regen für das Wochenende, was die Lage entspannen könnte. Allerdings besteht auch die Gefahr von Gewittern, und das könnte alles noch verschlimmern: So ausgedörrt ist der Wald im Bezirk Froland in der Nähe der Stadt Arendal an Norwegens Südostküste nach einem ungewöhnlich heißen und trockenen Frühjahr, dass jeder Blitzeinschlag neue Feuer entfachen könnte.

Seit fünf Tagen mühen sich die Einsatzkräfte bisher vergeblich, die Feuer unter Kontrolle zu bekommen, die nahe Arendal toben. Während Feuerwehr-Sprecher am Samstag zeitweise von einer "klaren Verbesserung" der Lage sprachen, warnten am Nachmittage Einsatzkräfte vor neuer Unsicherheit und akuten Gefahren durch das Umschlagen des Windes. "Die Lage ist weiter sehr gefährlich", sagte Stein Borgersen, Oberstleutnant des Heimatschutzes "Heimevernet", der Nachrichtenagentur NTB.

Am Freitag hatte die norwegische Zeitung "Aftenposten" berichtet, dass rund 30 Feuerwehrleute ihre Ausrüstung zurücklassen und um ihr Leben rennen mussten, als die Flammen drohten, sie einzuschließen. Bisher gab es keine Opfer oder Verletzten, neben rund 4000 Hektar Wald, die bis Freitag vernichtet waren, wurden nur einige Ferienhäuser zerstört.

Die Feuer an Norwegens Südostküste erstrecken sich über eine Gesamtlänge von rund 50 Kilometer. Starke Winde und extreme Trockenheit hatten für die Ausbreitung der Flammen gesorgt, die Rauchschwaden waren noch bis Dänemark gezogen. Nach Angaben der Behörden in Oslo kämpften bis Freitag mehr als 150 Feuerwehrleute, unterstützt von bis zu 16 Hubschraubern und mehreren hundert Helfern gegen die Flammen. Freitagnachmittag wurden mehrere Hundert weitere Feuerwehrleute und sieben weitere Hubschrauber mobilisiert.

Norwegens Justizminister Knut Storberget hatte auch die Nachbarländer Schweden, Dänemark sowie die Europäische Union um Hilfe bei der Brandbekämpfung gebeten. Einige europäische Länder hätten angeboten, Löschflugzeuge zu schicken, sagte der Justizminister. Die örtlichen Einsatzleiter wollten davon aber vorerst keinen Gebrauch machen.

Schon jetzt schlimme Schadensbilanz

Die Waldbrände zerstörten die Vegetation in einem Gebiet von der Größe von rund 3000 Fußballfeldern. Viele Ferienhäuser mussten evakuiert werden. 15 bis 20 seien niedergebrannt, hieß es. Angaben über Verletzte gab es zunächst nicht.

Storberget und Landwirtschaftsminister Terje Riis-Johansen flogen über das betroffene Gebiet. Der Justizminister meinte anschließend: "So etwas habe ich noch nicht gesehen."

In der Region waren in der Hitzewelle dieses Frühlings bereits zahlreiche Feuer aufgeflammt, die von den Brandbekämpfern kaum noch in den Griff zu bekommen waren. Das Nachbarland Schweden wird nach Angaben Storbergets keine Hilfe schicken können, weil auch dort nach langer Trockenheit immer wieder Waldbrände ausbrechen.

Auch die für die Dauer des Wochenendes erwarteten Nieselregen werden die Lage nicht maßgeblich ändern. "Um dieses Feuer zu löschen", sagte Ove Frigstad von der regionalen Feuerwehr im betroffenen Gebiet der "Aftenposten", "müsste es schon richtig schütten".

pat/dpa



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