Star des norwegischen Sommers Walrossweibchen Freya eingeschläfert

Sie tauchte fern ihres natürlichen Lebensraums im Oslofjord auf, kletterte auf Boote, verzückte Touristen. Nun wurde Walross Freya getötet – die große Aufmerksamkeit wurde ihr zum Verhängnis.
Walross Freya sonnte sich gern auf Booten im Oslofjord

Walross Freya sonnte sich gern auf Booten im Oslofjord

Foto: TOR ERIK SCHRDER / AFP

Der Star dieses Sommers ist tot: In den vergangenen Wochen hatte ein Walrossweibchen im Oslofjord in Norwegen residiert, seinen mehr als 600 Kilogramm schweren Körper immer wieder auf ankernde Boote gehievt und diese zum Teil versenkt. Am Sonntagmorgen ließen norwegische Behörden das Tier nun einschläfern – aus Sicherheitsgründen, wie die Fischereidirektion mitteilte.

Zuvor hatte Freya, wie das Walross liebevoll genannt wurde, das mediale Sommerloch gefüllt, eine willkommene Abwechslung zu all den düsteren Kriegsnachrichten. Zahlreiche Schaulustige kamen, um Freya zu sehen, denn normalerweise leben Walrosse weiter nördlich in arktischen Gewässern.

Freya versucht, ein Boot zu kapern

Freya versucht, ein Boot zu kapern

Foto: Trond Reidar Teigen / dpa

Tötung war »die letzte Option«

Die Behörden hatten Schaulustige, Touristen und Anwohner wiederholt gewarnt, Abstand zu halten. Die Fischereidirektion störte sich vor allem daran, dass Menschen zu Freya ins Wasser gehüpft und ihr auch am Ufer sehr nahe gekommen waren, um Fotos zu machen.

»Wir haben alle möglichen Optionen abgewogen«, sagte der Leiter der Fischereidirektion, Frank Bakke-Jensen, der Mitteilung zufolge. So sei etwa eine Verlegung des Tiers diskutiert worden. Allerdings seien die Risiken für eine solche Aktion zu groß gewesen.

Freya war der Liebling Norwegens im Sommer 2022

Freya war der Liebling Norwegens im Sommer 2022

Foto: Tor Erik Schrøder / AP

Man könne verstehen, wenn die Öffentlichkeit nun bestürzt sei, sagte Bakke-Jensen weiter. Aber obwohl der Tierschutz ein hohes Gut sei, müsse das Leben und die Sicherheit von Menschen vorgehen.

Noch im Juli hatten die Behörden die Einschläferung unbedingt vermeiden wollen. »Walrosse sind wilde, geschützte und auf der Roten Liste stehende Tiere. Das bedeutet, dass die Tötung die letzte Option ist«, hieß es damals in einer Mitteilung.

Das traurige Ende von Sommerlochtieren

Es ist nicht das einzige traurige Ende eines Sommerlochtiers. Diese beherrschten auch in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig die Schlagzeilen: Da gab es etwa entlaufene Wildtiere wie das Zwergflusspferd Elsbeth (1990), den Kaiman Sammy (1994), das Känguru Manni (1998), den Killerwels Kuno (2001) – oder die Kuh Yvonne (2011), die auf dem Weg zum Schlachthof erfolgreich türmte.

Die wenigsten Sommerlochtiere blieben jedoch dauerhaft in Freiheit. Känguru Manni etwa wurde auf der Flucht tödlich von einem Zug erfasst. Und der in Bayern zum »Problembären« erhobene Bruno wurde 2006 erschossen.

Ebenfalls unglücklich, wenn auch längst nicht so dramatisch, endete 2006 die Geschichte von Trauerschwan Petra. Das Tier hatte sich auf dem Münsteraner Aasee offenbar unsterblich in ein Tretboot in Schwanenform verliebt und war dem XXL-Plastikschwan stets treu gefolgt – doch die Liebe blieb unerwidert.

dpa/cgu
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