Frankreich Senat stimmt Gesetz zum Wiederaufbau von Notre-Dame zu

Der französische Senat hat in erster Lesung dem Gesetzentwurf zum Wiederaufbau von Notre-Dame zugestimmt. Der Plan, die Kathedrale innerhalb von nur fünf Jahren wiederaufzubauen, ist umstritten.

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Die bei einem Brand schwer beschädigte Kathedrale Notre-Dame in Paris soll zügig restauriert werden. Ein entsprechendes Gesetz wurde in der Nacht zum Dienstag vom französischen Senat verabschiedet.

Der Abstimmung sei eine längere Debatte vorausgegangen, berichteten französische Medien.

Mitte Mai hatte die Nationalversammlung das Gesetz für einen raschen Wiederaufbau der Kathedrale gebilligt. Der Gesetzentwurf sieht Ausnahmen unter anderem beim Denkmal- und Umweltschutz und bei Verfahren öffentlicher Ausschreibungen vor. Die Ausnahmeregelungen sind umstritten.

Notre-Dame war bei einem verheerenden Großbrand im April schwer beschädigt worden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versprach, Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren wiederaufzubauen.

Die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner hatte Notre-Dame nach dem Brand inspiziert und Skepsis an Macrons Plan geäußert. Es müsse erst eine Schadensanalyse vorliegen, bevor man Aussagen zu Kosten und Dauer des Wiederaufbaus treffen könne. "Alles andere ist pure Fantasie."

Auch der Wiener Dombaumeister Wolfgang Zehetner meldete Zweifel an: "Ich halte das für sehr ambitioniert", sagte er SPIEGEL ONLINE. Es sei schwer vorstellbar, dass in dieser Zeit wirklich alle Schäden behoben werden könnten. "Dafür wird man eher Jahrzehnte brauchen - vor allem, wenn man Notre-Dame originalgetreu wiederaufbauen will."

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Wiederaufbau von Notre-Dame: "Bitte keine Plastik-Wasserspeier"

ala/dpa

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stoffi 28.05.2019
1. Ich denke
Notre Dame wird somit wieder eher fertig sein, als der Berliner Flughafen einsatzfähig ist
StefanieTolop 28.05.2019
2. Trickreich aber unanständig
Dieses Gesetz erschlägt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Wegen der geänderten (Europarecht widersprechenden) Ausschreibungsbedingungen können jetzt ausschließlich französische Firmen beauftragt werden. Die Ausnahmen vom Denkmalschutz garantieren, dass sich profilierungssüchtige Politiker und Architekten an Notre Dame austoben und an ihr vergehen können. Auch der Zeitplan von fünf Jahren bedeutet natürlich, dass das originalgetreu nicht geht. Also wird sich irgendein Politiker (Macron) mit irgendwelchen ihm nahestehenden Architekten dort verewigen. Traurig!
tanne2000 28.05.2019
3. Manchmal bietet eine Katastrophe auch eine Chance
Ich finde es gut, dass es auch Ideen gibt, die Katastrophe als Chance zu sehen und aus Notre Dame mehr zu machen als es war - siehe dazu https://www.trendsderzukunft.de/architektur-so-koennte-notre-dame-nach-dem-wiederaufbau-aussehen/
wanniii 28.05.2019
4. Schade,
daß sogar mit einer Kathedrale politischer Spielball betrieben wird. Eigentlich hätte sich Macron um die französische Gesellschaft im allgemeinen kümmern sollen, sich schon vor langer Zeit selbst mit den Gelbwesten zusammensetzen sollen und sich viele innenpolitischen und gesellschaftlichen Probleme vorknöpfen können. Die Eurowahlen sind nur eine der vielen Zeichen, daß sich der französische Prädsident mehr und mehr vom gemeinen Volk abwendet und sich eher den reichen Spendereliten Frankreich´s verpflichtet fühlt.... Warum können sich die reichen Katholiken unter Aufsicht des Papstes sich ihre Kathedrale nicht selbst innerhalb bestehender Gesetze aufbauen? Da Notre-Dame schon seit 1260 dort steht, wieviel machen da ein paar Jahre mehr für den Wiederaufbau aus? Politiker sind schon seltsam! Deren vornehmliche Aufgabe ist es wohl, an der Verewigung des eigenen Namens zu arbeiten statt die Grundlage für eine freie und gerechte Gesellschaft zu schaffen! Immerhin wird's die Spender von Notre Dame freuen...
Otziotzi 28.05.2019
5. Wer soll die Arbeiten erledigen?
Wie viele Steinmetze, Gerüstbauer, Zimmerleute, Tischler, Schreiner, Restaurateure etc. stehen für diese Zeit zur Verfügung? Wie viele Leute beherrschen diese Arbeitstechniken? Wie viele andere Aufträge können in der Zeit von denen dann nicht bearbeitet werden? Ich würde erstmal die Ausschreibungen machen, die Zusagen abwarten und mich dann zeitlich immer noch nicht so genau festlegen. So wird das jedenfalls nix. Geldscheine bauen keine Gebäude.
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