Notre-Dame Deutschland könnte Eichenholz für Wiederaufbau liefern

Eine deutsche Expertin hat die Verwüstung in Notre-Dame inspiziert: "Grauenhaft" sehe es im Innern der Kathedrale aus, Pfeiler seien "bröselig wie Zucker". Es gibt Ideen, wie sich Deutschland beim Wiederaufbau beteiligen könnte.

Bei dem Brand wurde das Holzdach der Pariser Kathedrale fast vollständig zerstört
Ludovic Marin/AFP

Bei dem Brand wurde das Holzdach der Pariser Kathedrale fast vollständig zerstört


Für den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame kommt ein Hilfsangebot aus Berlin: Deutschland könne beispielsweise Eichenholz für den ausgebrannten Dachstuhl zur Verfügung stellen, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) nach einem Treffen mit Frankreichs Kulturminister Franck Riester.

"Bei uns in Deutschland, allein in meinem Ministerium, sind mittlerweile mehr als 900 sehr konkrete Angebote zur Mithilfe eingegangen", sagte Grütters in Paris. Angebote gebe es von Unternehmen, Privatleuten oder Experten.

"Wir möchten nicht als Besserwisser auftreten", so Grütters. "Wir glauben auch, dass es keine finanzielle Unterstützung braucht - das ist ja hier offensichtlich geleistet worden." Die Universität Bamberg habe vor einigen Jahren große Teile der Kathedrale gescannt: "Die Daten stehen unmittelbar zur Verfügung", sagte Grütters. Konkrete Vereinbarungen mit der französischen Seite gebe es aber noch nicht.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU)
Christoph Soeder/DPA

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU)

Bei dem Besuch wurde Skepsis am Plan von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron deutlich, die Kathedrale innerhalb von fünf Jahren wiederaufzubauen: "Ich werde nicht dem französischen Staatspräsidenten widersprechen. Das tut man nicht", meinte die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner. Die deutsche Koordinatorin für Hilfe beim Wiederaufbau wies aber darauf hin, dass erst eine Schadensanalyse vorliege müsse, bevor man überhaupt Aussagen zu Kosten und Dauer des Wiederaufbaus treffen könne. "Alles andere ist pure Fantasie."

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Es komme auch darauf an, was man unter "fertig" verstehe, sagte sie. In fünf Jahren könne man etwa mit einer Zwischendecke den Innenraum wieder nutzbar machen. Schock-Werner ist Architektin und Kunsthistorikerin. Sie war von 1999 bis 2012 Dombaumeisterin in Köln.

"Innen sieht es natürlich grauenhaft aus", sagte Schock-Werner nach dem Besuch der Pariser Kathedrale. Zwei Stützpfeiler im Inneren seien völlig ausgeglüht, ihre Schale "bröselig wie Zucker". Und weiter: "Der Architekt gibt zu, dass sie nicht wissen, ob die Gewölbe, die noch oben sind, wirklich da oben bleiben." Davon, ob man die Gewölbe erneuern müsse, hänge auch maßgeblich die Dauer des Wiederaufbaus ab.

sen/dpa

insgesamt 59 Beiträge
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shiral 02.05.2019
1. Schnapsidee
Frankreich besitzt selbst große, staatliche Eichenwälder!
CouscousGauthier 02.05.2019
2. Keine Schnapsidee
Es wurde schon mehrmals berichtet, dass es in Frankreich keine ausreichend grossen Bäume mehr gibt, wie sie für die enorme Spannweite der Sparren des Dachstuhls für Notre Dame benötigt werden. Es war die Rede von 1300 benötigten Bäumen.
marinero7 02.05.2019
3. Das ist Freundschaft!
Das ist doch eine wunderbare Zusammenarbeit. Wir helfen Frankreich beim Wiederaufbau von Notre Dame und Frankreich hilft dafür Berlin bei der Fertigstellung des BER. Mal sehen, was eher fertig wird.
Psychotic 02.05.2019
4.
Eichenholz für den Dachstuhl erneut zu verwenden zeugt nur von fehlender Sachkenntnis, heute gibts weitaus bessere Materialien die zudem auch noch nicht wie Zunder brennen, wie eben Eichenholz gerade wenn es älter und damit trockener wird.
chrismuc2011 02.05.2019
5.
@#1: Sie müssen groß und lang sein. Und sie müssen eine gewisse Dichte haben. Zudem müssen Sie jahrelang gelagert worden sein um genug getrocknet zu sein. @#3: Sehr gute Idee! Und da die Franzosen so schnell sind, können Sie danach noch bei Stuttgart 21 aushelfen.
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