Feuerwehr zum Großeinsatz Notre-Dame vor völliger Zerstörung gerettet

Am frühen Montagabend brach in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ein Brand aus, 400 Feuerwehrleute bekämpften die Flammen. Lange war unklar, ob das Gebäude zu retten ist - dann gab die Einsatzleitung Entwarnung.

Rauch im Altarraum der Kathedrale Notre-Dame
Philippe Wojazer/ DPA

Rauch im Altarraum der Kathedrale Notre-Dame


Über Stunden schlugen am Montagabend Flammen lichterloh aus dem Dachstuhl der weltberühmte Kathedrale Notre-Dame. Der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs brach zusammen. Aus den beiden großen Türmen der Kathedrale drang schwarzer Rauch. Mit etwa 400 Einsatzkräften war die Feuerwehr im Einsatz. Am späten Abend zeigte sie sich dann zuversichtlich, dass die Kathedrale nicht völlig zerstört werden wird.

Zwar wurden den Angaben zufolge zwei Drittel des Daches zerstört. Die Einsatzkräfte gingen aber davon aus, dass beide Türme des Pariser Wahrzeichens gerettet seien, sagte Feuerwehrkommandant Jean-Claude Gallet. Die gotische Kirche könne "in ihrer Gesamtheit erhalten" werden. Jetzt beginne die Phase der Abkühlung.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, das Schlimmste sei verhindert worden, denn die Fassade und die beiden Haupttürme seien nicht zusammengestürzt. Der Kampf gegen das Feuer sei aber noch nicht vollständig gewonnen. Er versicherte: "Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen."

Video: Kathedrale in Flammen

Bertrand GUAY/ AFP

Über Twitter teilte der französische Zivilschutz mit, dass man alles tue, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Auf Flugzeuge, die Wasser auf das Gebäude abwerfen, verzichte man aber. Dies könne zum Einsturz des gesamten Gebäudes führen.

Damit bezogen sich die Einsatzkräfte auf einen Tweet des US-Präsidenten Donald Trump. Dieser hatte vorgeschlagen, Löschflugzeuge einzusetzen (mehr über Reaktionen zu dem Brand lesen Sie hier).

Dornenkrone aus brennender Kathedrale gerettet

Unterdessen läuft die Rettung der Kunstwerke im Inneren der Kathedrale weiter. Unter anderem wurde eine der wichtigsten Reliquien der katholischen Kirche gerettet. Es handele sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte Patrick Chauvet, Direktor der Kathedrale. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht.

Die Sicherstellung der Kunstwerke geschehe laut Feuerwehrkommandant Gallet unter erschwerten Bedingungen. Gegenstände würden herunterfallen, die Feuerwehr arbeite im dichten Rauch. Bislang sei ein Feuerwehrmann bei dem Einsatz verletzt worden.

Der Vatikan reagierte bestürzt auf den Brand. "Der Heilige Stuhl hat die Nachricht des entsetzlichen Brandes, der die Kathedrale von Notre-Dame, Symbol der Christenheit in Frankreich und der Welt, verwüstet hat, mit Schock und Trauer aufgenommen", sagte Papst-Sprecher Alessandro Gisotti.

Laut der Feuerwehr brach der Brand gegen 18.50 Uhr auf dem Dachboden der Kathedrale aus und breitete sich rasend schnell aus. Die Fassade der Kirche wurde zur Zeit aufwendig gereinigt. Der Brand könnte nach Einschätzung der Feuerwehr mit den Arbeiten zusammenhängen. Das Feuer schien von den Baugerüsten auszugehen, die auf dem Dach installiert waren.

Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt zu dem Brand. Es gehe dabei um eine "unbewusste Zerstörung" durch Feuer, sagte ein Sprecher. Von möglicher Brandstiftung war keine Rede.

Fotostrecke

21  Bilder
Paris: Notre-Dame brennt

Notre-Dame ist eine der Pariser Top-Touristenattraktionen und wird jährlich von fast 13 Millionen von Menschen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Île de la Cité, einer Insel in der Seine. Die Geschichte der Kirche reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung. Mehr zur Geschichte der Notre-Dame erfahren Sie hier. Und wie sich am Dienstag die Zeitungen im In- und Ausland dem Brand widmen, können Sie hier nachlesen.

sen/AP/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Dogbert 16.04.2019
1. Der Vatikan ist bestürzt
zu Recht, sehr traurig was hier passiert ist. Mal sehen wieviel von den Milliarden des Vatikanvermögens zum Wiederaufbau verwendet werden. Oder ob, wie üblich, die katholische Kirche sich auch hier wieder mal lieber auf weltliche Geldgeber verlässt.
schiessl7783 16.04.2019
2. Trump kann alles
Immer wieder erstaunlich in welchem Gebieten der Werte Herr Trump Experte ist. Am Wochenende war er noch Marketingexperte mit wertvollen Tips für Boeing und am Montag ist er Großbrandexperte mit super Tips für Paris! Wäre echt gut, Wenn er Experte für das Amt wäre, Was er bekleidet anstatt überall gscheit daher zu reden bei Sachen die ihn nix angehen...
hileute 16.04.2019
3. Ein Glück
dass sie nicht völlig zusammengestürzt ist. Nichts desto trotz wird sie nie wieder so sein wie sie war, da kann auch durch jahrelanges wiederherstellen nichts dran geändert werden. Es muss ja erstmal ermittelt werden ob die Steine und anderen Baustoffe die vor 800 Jahren verwendet wurden überhaupt noch so verwendet werden können. Außerdem muss man hoffen dass überhaupt genaue Pläne existieren, wo alle verzierungselenente etc drauf abgebildet sind. Und was noch steht ist ja durch Rauch und Hitze auch hinüber. man muss also im Prinzip alles neu machen, die Statik ist das einzige was da wirklich noch da ist. Letztendlich, und jetzt alle Franzosen bitte weghören, ist das geliebte Gebäude für immer zerstört, wird durch Wiederaufbau nicht annähernd so wie es war zu ersetzen sein.
mwroer 16.04.2019
4.
Zitat von Dogbertzu Recht, sehr traurig was hier passiert ist. Mal sehen wieviel von den Milliarden des Vatikanvermögens zum Wiederaufbau verwendet werden. Oder ob, wie üblich, die katholische Kirche sich auch hier wieder mal lieber auf weltliche Geldgeber verlässt.
Die Kathedrale von Notre Dame zu Paris gehört dem französischen Staat - nicht der Kirche. Die katholische Kirche ist im Prinzip nur Mieter und hat das exklusive Recht das Gebäude für religiöse Zwecke zu benutzen. Die Erzdiozöse Paris bezahlt die Angestellten dort, ist verantwortlich für Sicherheit, Heizung, Reinigung etc und vor allem dafür dass die Kirche jedem, gratis, offen steht. Dafür kriegt sie kein Geld vom Staat. Mal sehen ob, wie üblich, die meisten erwarten dass sowas am besten noch entschieden wird während es brennt oder ob es die deutschen Foristen diesmal schaffen ggf eine Woche zu warten bis sich Häme und Vorwürfe über irgendwen ergießen. Auch wenn das schwer zu verstehen ist: Der Schatzmeister des Vatikan kann sich nicht einfach hinstellen und sagen 'Jau, wir zahlen'. Die bisherigen Spender können dass weil es ihr Privatvermögen ist. Macron kann das weil Notre Dame zu Paris sowieso dem französischen Staat gehört und der bezahlen *muss*.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.