NS-Kriegsverbrecher Priebke wird an geheimem Ort beigesetzt

Deutschland und Italien wollen ihn nicht, auch Argentinien weigert sich, den Leichnam des NS-Kriegsverbrechers Priebke zu bestatten. Nun scheint eine Lösung in Sicht: Der ehemalige SS-Offiziers soll an einem unbekannten Ort beerdigt werden.

NS-Kriegsverbrecher Priebke (1996): Grabstätte soll geheim bleiben
AP

NS-Kriegsverbrecher Priebke (1996): Grabstätte soll geheim bleiben


Rom - Gut eine Woche nach dem Tod des NS-Kriegsverbrechers Erich Priebke ist im Streit um seine Beisetzung offenbar eine Lösung gefunden worden. Sein Anwalt Paolo Giachini sagte am Samstag in Rom, er habe darüber eine Einigung mit den Behörden erzielt. Der ehemalige SS-Offizier soll an einem geheimen Ort bestattet werden.

Priebke war am 11. Oktober im Alter von 100 Jahren in Rom gestorben. Anschließend gab es Streit, wo seine letzte Ruhestätte sein sollte. Die Stadt Rom lehnte die Beisetzung des NS-Verbrechers ab, aus Sorge, das Grab könne zu einer Pilgerstätte für Rechtsradikale werden. Auch Brandenburg, wo Priebkes Geburtsort Hennigsdorf liegt, wollte den Leichnam nicht bestatten. Eine offizielle Anfrage dazu gab es aber nach Angaben der Bundesregierung vom Freitag nicht.

Priebkes Leichnam liegt weiter auf einem Militärflughafen bei Rom. Zuvor war eine geplante Trauerfeier für Priebke bei der erzkonservativen Pius-Bruderschaft nach heftigen Protesten abgesagt worden. Laut Anwalt Giachini sei eine Trauerzeremonie im engsten Familienkreis geplant.

Ort der Beisetzung unbekannt

Über den Ort der Beisetzung gibt es weiter Spekulationen. Anwalt Giachini sagte lediglich, dass sie "selbstverständlich" nicht in Rom oder in der italienischen Hauptstadtregion stattfinden werde, nachdem die Behörden dies abgelehnt hätten. Wo Priebke beerdigt werden solle, werde nach Angaben des Anwalts "zwischen Deutschland und Italien" geklärt, meldete die Nachrichtenagentur Ansa.

Priebke selbst hatte sich eine Beisetzung neben dem Grab seiner Frau in Argentinien gewünscht, doch auch das südamerikanische Land lehnte dies ab. Priebke war 1944 an einem der schlimmsten Nazi-Massaker des Zweiten Weltkriegs bei Rom beteiligt, bei dem 335 Zivilisten getötet wurden.

Der ehemalige SS-Offizier hatte nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu seiner Entdeckung 1994 unbehelligt in der argentinischen Stadt Bariloche gelebt. Ein Militär-Berufungsgericht in Rom verurteilte Priebke 1998 zu lebenslanger Haft. Die Strafe verbüßte er im Hausarrest bei seinem Anwalt Giachini.

sun/dpa/AFP

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