Vier Tote in Einrichtung für behinderte Menschen Schwerverletzte Bewohnerin nach Not-OP auf dem Weg der Besserung

Vier Menschen wurden in einem Potsdamer Behindertenwohnheim getötet, eine Pflegemitarbeiterin wird verdächtigt. Der Zustand einer bei dem Angriff schwer verletzten Frau hat sich nun verbessert.
Blumen und Kerzen am Oberlinhaus: »Diese mentale Unterstützung ist für uns ungeheuer wichtig«

Blumen und Kerzen am Oberlinhaus: »Diese mentale Unterstützung ist für uns ungeheuer wichtig«

Foto: Martin Müller / imago images/Martin Müller

Zwei Tage nach der Gewalttat in einem Potsdamer Behindertenwohnheim mit vier Toten ist die schwer verletzte Bewohnerin nach Angaben des Vereins Oberlinhaus auf dem Weg der Besserung. »Sie ist notoperiert worden, und es geht bergauf«, sagte die Sprecherin des Oberlinhauses, Andrea Benke. »Das ist für uns alle eine gute Nachricht.« Immer noch stünden Mitarbeiter und Bewohner der Einrichtungen des Oberlinhauses unter Schock.

Als Tatverdächtige gilt eine 51 Jahre alte Pflegemitarbeiterin des Oberlinhauses, die am Donnerstag von einer Haftrichterin des Amtsgerichts Potsdam in eine psychiatrische Klinik in Brandenburg an der Havel eingewiesen worden war. Dort soll sie auf ihre Schuldfähigkeit untersucht werden. Die Begutachtung sei beauftragt worden, sagte der Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft, Sebastian Thiele. Die Frau soll vier Bewohner und Bewohnerinnen am Mittwochabend vorsätzlich getötet und eine Bewohnerin schwer verletzt haben. Die Opfer waren zwischen 31 und 56 Jahre alt.

Die langjährige Mitarbeiterin sei vor der Tat nicht auffällig geworden, sagte Oberlinhaus-Sprecherin Benke. »Alle Mitarbeiter nehmen regelmäßig an Supervisionen und Teamsitzungen teil«, so Benke. »Das ist zum Schutz unserer Klienten und Mitarbeiter unerlässlich.«

Mitarbeiter und Politiker nahmen an Gedenkandacht teil

An einer Gedenkandacht in der Oberlinkirche hätten am Donnerstagabend zahlreiche Mitarbeiter, Angehörige der Opfer und Bewohner des betroffenen Thusnelda-von-Saldern-Hauses teilgenommen, sagte Benke. »Soweit die Coronaregeln dies zuließen war die Kirche voll, einige Teilnehmer standen auch vor der Kirche.«

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne), Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) und der Landesbischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, waren ebenfalls dabei. Sie legten vor dem Wohnheim Blumen nieder und verharrten dort in einer Schweigeminute.

Wohltuend sei eine große Welle der Solidarität, die das Oberlinhaus von Verbänden und vielen Privatleuten aus ganz Europa erfahre, sagte Sprecherin Benke. »Diese mentale Unterstützung ist für uns ungeheuer wichtig.« Auch im Potsdamer Stadtteil Babelsberg, wo die Gewalttat geschah, ist die Anteilnahme weiter groß. Am Freitag legten viele Menschen vor dem Wohnheim Blumensträuße ab.

ptz/dpa
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