Oberster Glaubenshüter Ratzingers brisantes Erbe

Nachdem Benedikt XVI. alle Führungskräfte seines Vorgängers im Amt bestätigt hat, bleibt einer der wichtigsten Posten noch unbesetzt: der an der Spitze der mächtigen Glaubenskongregation. Der Neue wird sich laut "La Repubblica" mit brisanten Dokumenten befassen müssen, die Vorgänger Kardinal Ratzinger hinterließ.


Papst Benedikt XVI.: Bericht über brisante Dokumente auf dem alten Schreibtisch
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Papst Benedikt XVI.: Bericht über brisante Dokumente auf dem alten Schreibtisch

Rom - Ratzinger habe vor seiner Wahl an einem Papier über wiederverheiratete Katholiken gearbeitet, schreibt "La Repubblica". Nach einer "schuldlosen" Scheidung sollten Wiederverheiratete zu den Sakramenten zugelassen werden, berichtet die Zeitung. Eine entsprechende Änderung in der katholischen Glaubenslehre wäre aus theologischer, besonders aus pastoraler Sicht eine Sensation. Laut "La Repubblica" haben sich viele Bischöfe und Kardinäle gegen das Dokument widersetzt, aber Ratzinger soll sich dafür stark gemacht haben.

Außerdem habe der oberste Glaubenshüter der katholischen Kirche das Pensionsalter für Bischöfe auf 80 Jahre anheben wollen, heißt es in dem Bericht. Derzeit ist im Kirchenrecht geregelt, dass Bischöfe bei Vollendung des 75. Lebensjahres dem Papst ihren Rücktritt anbieten müssen. Der Pontifex kann den Rücktritt - wie in Ratzingers Fall - ablehnen.

Dem Bericht zufolge hat Ratzinger seinem Nachfolger außerdem zwei Dokumente zu ökumenischen Fragen hinterlassen. Das eine befasse sich mit der Ausübung des Petrusdienstes, also des Papst-Amtes. Das andere behandle die göttliche Abstammung von Jesus Christus und soll als Grundlage für alle christlichen Konfessionen dienen.

Wer künftig an Ratzingers altem Schreibtisch Platz nimmt, ist noch unklar. Immer wieder fällt der Name des österreichischen Kardinals Christoph Schönborn. Im Gespräch sind "La Repubblica" zufolge auch US-Kardinal Francis George aus Chicago, der Erzbischof von Chieti-Vasto, Bruno Forte, und der Genoveser Kardinal Tarcisio Bertone.



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