Fischsterben in der Oder Ölsperren sollen Kadaverausbreitung begrenzen

Große Mengen verendeter Fische werden aus der Oder gefischt, Barrikaden auf dem Fluss sollen verhindern, dass die Kadaver ins Stettiner Haff gelangen. Toxikologen fahnden weiter nach der Ursache der Umweltkatastrophe.
Tote Fische an der Oder bei Kostrzyn

Tote Fische an der Oder bei Kostrzyn

Foto: Dominika Zarzycka / NurPhoto / IMAGO

Die Untersuchungen des Oderwassers auf giftige Substanzen nach dem Massenfischsterben sind noch nicht abgeschlossen. »Es kann noch mehrere Tage dauern, bis wir alle Stoffe, die wir für möglich halten, dann auch durchgecheckt haben«, sagte Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) im RBB-Inforadio. »Das Landeslabor ist da eifrig dabei.« Hinweise aus Polen, dass der hochgiftige Stoff Mesitylen in die Oder gelangt sei, hätten sich für Brandenburg nicht bestätigt, sagte Vogel.

Derweil sollen Ölsperren im Stettiner Haff eine größere Ausbreitung von Fischkadavern verhindern. Das haben die Umweltminister Polens und Deutschlands sowie der Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern vereinbart, wie ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums sagte. Das Treffen, an dem MV-Umweltminister Till Backhaus (SPD) teilnahm, hatte am Sonntagabend im polnischen Stettin (Szczecin) stattgefunden. Bisher seien im deutschen Teil des Haffs, in das die Oder mündet – es ist mit rund 900 Quadratkilometern etwa doppelt so groß wie der Bodensee –, keine toten Fische aus der Oder angeschwemmt worden.

In Brandenburg wurden in den letzten Tagen größere Mengen Fischkadaver aus dem Fluss geholt. Es wird befürchtet, dass diese nun die Ostsee erreichen. Polnische Behörden hatten nach Regierungsangaben bereits Ende Juli erste Hinweise darauf bekommen, dass in dem Fluss viele verendete Süßwasserfische treiben.

Offenbar keine Schwermetalle und kein Quecksilber in den Fischen

Inzwischen gebe es Breitbanduntersuchungen des Wassers. »Und was die Fische betrifft, da geht es in erster Linie darum herauszufinden, ob in ihnen Schwermetalle gefunden wurden«, sagte Brandenburgs Umweltminister Vogel. »Von polnischer Seite wird signalisiert, dass sie keine Schwermetalle und insbesondere auch kein Quecksilber in den Fischen gefunden haben, was ja auch beruhigt.«

Die Polen fahndeten jetzt nach 300 Stoffen. »Sie haben angegeben, dass sie jetzt auch gezielt nach Insektiziden im Wasser und in den Fischen suchen«, sagte Vogel. »Von unserer Seite wird natürlich auch vom Landeslabor und von anderen beteiligten Laboren untersucht, was auch nur zu untersuchen ist.«

Nach Einschätzung des Umweltministers gibt es mehr als nur eine Ursache  für das Fischsterben. Die Dürre und die geringe Wasserführung hätten ziemlich sicher einen Anteil daran. Tatsächlich sei das gesamte Ökosystem der Oder geschädigt. »Deswegen denken wir, dass wir auch nicht eine Katastrophe haben, die innerhalb von einem halben Jahr durch Wiederbesiedlung mit Fischen gelöst werden kann.«

Vertrauensverlust bei der Bevölkerung droht

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) befürchtet einen Vertrauensverlust in der Bevölkerung, sollten die Hintergründe des Fischsterbens an der Oder nicht geklärt werden. Sie habe bei dem Treffen mit ihrer polnischen Amtskollegin am Sonntag in Stettin gefordert, wirklich alles dafür zu tun, aufzuklären, wer der Verursacher sei, sagte Lemke im ARD-»Morgenmagazin«.

Alle Entscheidungsträger seien jetzt in der Verantwortung, diesen Verursacher zu identifizieren. »Es gäbe einen massiven Vertrauensverlust vor allem in der polnischen Bevölkerung, aber wahrscheinlich auch bei uns, wenn das nicht gelänge.«

mgo/dpa
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