Pioniere des Ölbooms Norwegische Taucher bekommen nach 40 Jahren Schadensersatz

In den siebziger Jahren machten Taucher die ersten Ölbohrungen für Norwegen möglich. Doch die Pioniere bekamen danach gesundheitliche Probleme: Sie waren zu schnell aufgetaucht. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat nun Norwegen zu Schadensersatz verurteilt.

Europäischer Gerichtshofs für Menschenrechte: Schadensersatz für Taucher
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Europäischer Gerichtshofs für Menschenrechte: Schadensersatz für Taucher


Straßburg - Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat den norwegischen Staat dazu verurteilt, ehemaligen Tauchern Schadensersatz zu zahlen, weil sie nicht ausreichend über die Gesundheitsrisiken ihres Einsatzes aufgeklärt wurden.

Die Männer gehörten zu einer großen Gruppe von Pioniertauchern, die nach dem Ölfund in der Nordsee in den siebziger Jahren stundenlang am Meeresboden arbeiteten. Hunderte von ihnen leiden bis heute an massiven gesundheitlichen Problemen. Fehlerhafte Berechnungen des Auftauchvorgangs seien die Ursache gewesen, teilten die Anwälte der sieben Kläger am Freitag mit.

Mit dem Urteil aus Straßburg geht für mehr als 200 ehemalige Tiefseetaucher ein jahrelanger juristischer Kampf zu Ende. "Wir haben über den Staat gesiegt", jubelte der Vorsitzende der Tauchergewerkschaft, Henning Haug. "Wir sind eine kleine Gruppe von Tauchern, die den Staat geschlagen hat. Wir sind sehr stolz und sehr glücklich."

Gewerkschaft hofft auf weitere Zahlungen

Als Norwegen 1969 erstmals auf Öl in der Nordsee stieß, verfügte das Land nicht über das nötige Know-how und engagierte externe Firmen, die bei der Erschließung der Ölquellen halfen. Zu der Zeit hielten die konkurrierenden Unternehmen ihre Dekompressionstabellen unter Verschluss. Wer seine Taucher schneller an die Wasseroberfläche bekam, konnte einen besseren Preis machen.

Der norwegische Staat als Auftraggeber hätte diese Tabellen überprüfen und sicherstellen müssen, dass die Taucher keinen Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind, urteilte der Gerichtshof. Er sei seiner Informationspflicht nicht nachgekommen. Jeder Taucher soll nun eine Ausgleichszahlung von 8000 Euro erhalten. Für die gesundheitlichen Schäden machte der Gerichtshof den norwegischen Staat aber nicht haftbar.

Die Regierung werde das Urteil akzeptieren und den 220 ehemaligen Tauchern, die noch am Leben sind, die Entschädigungssumme zahlen, sagte Arbeitsminister Robert Eriksson laut mehreren Medien. Der Staat habe eine moralische Verantwortung gegenüber den Nordseetauchern.

Eine juristische Verantwortung des Staates hatte das Parlament und zuletzt auch das oberste norwegische Gericht stets zurückgewiesen. Dennoch wurden jeweils bis zu 2,5 Millionen norwegische Kronen (300.000 Euro) an 260 Taucher gezahlt. Die Betroffenen hatten die Entschädigung allerdings als zu gering erachtet. Die Gewerkschaft hofft nun, Argumente für weitere Zahlungen in der Hand zu haben.

bim/dpa



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