Ölpest in Galizien Internationale Hilfsarmada

Spanische, französische und niederländische Spezialschiffe kämpfen gegen das Öl vor der galicischen Küste. Ab Dienstag soll sie auch das deutsche Schiff die "Neuwerk" unterstützen. Derweil breitet sich die Ölpest immer weiter aus.


La Coruña - Nachdem die Stürme nordwestlich der iberischen Halbinsel nachgelassen haben, gehen Spezialschiffe aus Spanien, Frankreich und den Niederlanden 150 km vor der Küste weiter intensiv gegen das Öl vor. Auch an Land halten die Aufräumarbeiten an. Bisher konnten dort erst 1200 Tonnen Schweröl beseitigt werden - insgesamt sind mindestens 11.000 Tonnen Öl aus dem Tanker ausgetreten.

Die internationalen Aufräumkräfte erhalten in Kürze Verstärkung - auch aus Deutschland. Am Dienstagmorgen wird sie das deutsche Spezialschiff "Neuwerk" im Kampf gegen das Öl unterstützen. "Wir werden direkt zum Einsatzgebiet 70 Seemeilen (ca. 130 km, A.d.R.) südwestlich von Cap Finisterre fahren", so Leszek Szymanski, der Koordinator an Bord. Dort wird die "Neuwerk" Öl aufsammeln und dieses entweder an einen Tanker weiter geben oder in einen Hafen bringen. Wie lange der Einsatz dauert, kann der Koordinator noch nicht einschätzen: "Allein hätten wir das garantiert in drei bis vier Wochen geschafft. Gott sei dank sind wir nicht allein."

Nach wie vor ist unklar, ob weiteres Öl aus der "Prestige" ausläuft. Auch Szymanski konnte keine Prognose abgeben: "Im Optimalfall geht nichts hoch, wenn wir Pech haben, geht alles hoch." Wie viel von den 77.000 Tonnen Schweröl, die mit der "Prestige" gesunken waren, tatsächlich noch aus dem Rumpf des Schiffes austreten kann, hänge vom Zustand des Tankers ab, so Szymanski weiter.

Ölpest dehnt sich weiter aus

Vieles scheint jedoch darauf hin zu deuten, dass der gesunkene Tanker weiter Ladung verliert: Der galicische Fischereiminister Enrique López Veiga sagte, auf dem Atlantik habe man neue Ölflecken gesichtet. Diese seien zwar klein, dafür aber zahlreich. Die galicische Zeitung "La Voz de Galicia" meldete in ihrer Montagsausgabe, dass ein neuer Ölteppich die Küste schon in dieser Woche erreichen könnte. Die galicischen Behörden weiteten das Fischfangverbot mittlerweile auf einen Küstenstreifen von 500 km aus.

Die Ölpest dehnt sich weiter in nordöstliche Richtung aus. Damit könnte die Atlantik-Küste Südgaliziens sowie Portugals verschont bleiben. Die spanische Tageszeitung "El País" meldete, dass Ölflecken von der "Prestige" bereits 450 km vor der französischen Küste gesichtet worden seien.

Politische Konsequenzen

Der spanische Ministerpräsident José-María Aznar traf unterdessen mit EU-Kommissions-Präsident Romano Prodi zusammen. Die beiden berieten über den Kampf gegen die Ölpest: Städte und Gemeinden an der galicischen Küsten forderten die Europäische Union auf, alle verfügbaren Mittel zur Bekämpfung der Katastrophe bereit zu stellen.

Auch die deutsche Regierung beschäftigt sich mit den Ursachen der Katastrophe vor der spanischen Nordwestküste. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) will bei der EU-Verkehrsministerkonferenz in der kommenden Woche ein baldiges Verbot so genannte Einhüllen-Tanker fordern. Die bislang festgeschriebene Übergangszeit ist Stolpe zu lange: "Bis 2015 kann nicht mit diesen unsicheren einwandigen Tankern herum gekarrt werden", so der Bundesverkehrsminister. Fristen von über zehn Jahren seien unzumutbar.



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