Streit über Plakat mit Nackter "Patschertes Skihaserl"

Wir schreiben das Jahr 2018. Für ein Ski-Weltcup-Rennen am Semmering wirbt Österreichs Verband mit - einer nackten Frau. Dafür gibt es vehemente Kritik. Doch die Poster sollen hängen bleiben.


In Österreich gibt es Streit um ein Werbeplakat für den Ski-Weltcup am Semmering. Auf dem von einem Künstler gestalteten Poster ist als zentrales Motiv eine nackte Frau auf Skiern zu sehen - dazu aufgespießte Tierköpfe und ein Mond, der zwischen die Beine der Frau blickt.

In den sozialen Medien gab es teils heftige Reaktionen auf das Werk von Christian Ludwig Attersee: "Sexistisch", "peinlich" und "geschmacklos" lauteten einige Kommentare.

Der Österreichische Skiverband (ÖSV) verteidigte das Plakat, das die zwei Damen-Rennen am 28. und 29. Dezember bewerben soll. Ein ÖSV-Sprecher sagte, dass die Poster trotz der Kritik hängen bleiben, außer der international angesehene Künstler selbst entscheide sich dagegen.

Werbeplakat für alpinen Ski-Weltcup in Semmering
DPA/SPORTLAND NÖ/APA

Werbeplakat für alpinen Ski-Weltcup in Semmering

In einem Brief an den österreichischen Werberat und Johanna Mikl-Leitner, die Regierungschefin des Bundeslands Niederösterreich, bedauerte der Verband, wenn "die Befindlichkeit von Betrachtern in irgendeiner Weise" verletzt worden sei. Auch Attersee äußert sich laut "Kurier" in dem Papier: "Kraft, Eigenständigkeit und das Selbstbewusstsein der Frauen" würden positiv gezeigt." Das Bild stelle die Sportlerin "in voller Aktion" dar, die Nacktheit schenke ihr "Vertrauen in ihre Umwelt".

In der Alpenrepublik gibt es seit einiger Zeit Enthüllungen über sexuelle Übergriffe im alpinen Skirennsport. Ehemalige Rennfahrerinnen hatten öffentlich gemacht, in der Vergangenheit teils von Trainern belästigt und gar vergewaltigt worden zu sein.

Nicola Werdenigg, die die Debatte angestoßen hatte, kritisierte das Plakat dem "Kurier"-Bericht zufolge als sexistisch. Hinzu komme, dass die Frau in einer Pose gezeigt werde, die sie als "patschertes Skihaserl" erscheinen lasse. "Athletinnen sind nicht verknüpft mit solchen Motiven darstellbar. Ich würde es begrüßen, wenn der Verband das Plakat zurückzieht."

wit/dpa

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insgesamt 51 Beiträge
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mitch72 18.12.2018
1. Na gut
Ob der Mond jetzt "zwischen" die Beine der Athletin blickt, ist definitiv Ansichtssache. Das nun aber jede Nacktheit im Rahmen irgendwelcher sexistischer Debatten betrachtet wird, zeigt uns, dass es den meisten Leuten - die diese Diskussionen anstossen - nicht um die Sache sondern um sich selbst geht. Wenn ich an die Bilder von Willi Sitte denke, der ja in der DDR ein recht grosser Maler war, da würde man heute vor Diskussion nichts anderes machen können. Ich finde das Bild recht ansehlich.
Taugur 18.12.2018
2. Irre Debatte
Das ist doch kein Skirennen in Saudi Arabien, oder? Wem's nicht gefällt - schauts nicht an Wem's die politisch falsche Aussage ist - geht nicht zum Rennen Aber lasst die einen malen was sie wollen und die anderen werben wie sie es für richtig halten. Das geht keinen was an! An die Moralisten: Kümmert Euch um Eure eigene Werbung für eure eigenen Veranstaltungen. An die Skiläuferinnen die sich zum "Sexobjekt" degradiert sehen: Lauft halt nicht mit, keiner zwingt Euch an den Rennen teilzunehmen. Macht Eure eigenen Rennen, Euren eigenen Skiverband mit Eurer eigenen Werbung.
FocusTurnier 18.12.2018
3. Es geht auch anders
In Düsseldorf darf die amtierende Hallenweltmeisterin im Stabhochsprung nicht mehr auf einem Werbeplakat gezeigt werden, das sie in der Kleidung zeigt, in dem sie zu ihren Wettkämpfen antritt: Dabei sei zu viel nackte Haut zu sehen, und das sei "sexistisch". Deshalb werden die Plakate jetzt abgehängt.In derWestdeutschen Zeitungerfährt man: "Der Leichtathletik-Manager betont, dass die Springerin auf dem Foto in ihrer ganz normalen Sportkleidung zu sehen sei, "die Trikots haben heute nicht mehr Stoff". Dass daneben der Spruch "Finale oho" stehe, sei auch rein sachlich zu begründen. Osenberg: "Zum ersten Mal ist unser Meeting in Düsseldorf das Finale der IAAF World Indoor Tour, das ist eine besondere Ehre." Zur Seite springt ihm FDP-Ratsfrau Monika Lehmhaus, die sich politisch besonders in den Bereichen Sport- und Stadtmarketing engagiert: "Ich finde dieses Motiv null anzüglich. Es ist einfach das tolle Bild des durchtrainierten Körpers einer Athletin." Entscheidend sei für sie, dass die Gezeigte diesem Bildmotiv auf Werbeplakaten zugestimmt habe." https://www.wz.de/nrw/duesseldorf/sexismus-duesseldorf-haengt-werbeplakate-fuer-leichathletik-event-ab_aid-34742443 In derBILDkann man dazu lesen: "Die städtische Tochter D-Live entwarf die Werbung für die hochkarätige Sportveranstaltung im Februar in der Landeshauptstadt. D-Live Prokurist Martin Ammermann zu BILD: "Die Motive wurden im Team, das zur Hälfte aus Frauen und Männern besteht, besprochen, wenn es dabei Irritationen über das Motiv gegeben hätte, hätten wir es nicht genommen." D-Live will das umstrittene Motiv jetzt austauschen. Statt Stabhochspringerin Sandi Morris wird dann Kugelstoßer TomᚠStanek auf den 16 Großflächenplakatwänden zu sehen sein." https://www.bild.de/regional/duesseldorf/duesseldorf-aktuell/sexismus-vorwurf-stadt-tauscht-plakate-fuer-leichtathletik-wm-aus-58677938.bild.html Das Bild einer erfolgreichen Frau wird auf Plakaten gegen das eines Mannes ausgetauscht. Sieht so inzwischen ein feministischer Triumph aus?
selfrandom 18.12.2018
4. absolut unterirdisches Plakat
Hier geht es nicht um Kunst sondern um ein Werbeplakat für einen Ski Wettbewerb der Damen. Das Plakat geht überhaupt nicht. Es degradiert die Sportlerinnen zu sexuellen Wesen deren sportliches Können völlig unerheblich ist. Hauptsache schön anzusehen. Bei einem Herren Wettbewerb wäre so ein Plakat U denkbar aber das hier wird von den Herren beklatscht. Und DAS macht es zu Sexismus!! Und "gründet euren eigenen Verein" ist echt das dümmste Argument schlechthin
chaosimall 18.12.2018
5. Unglaublich,
das das hier auch noch verteidigt wird. Bin ein Mann, schaue gerne reale nackte Frauen an, bin aber gegen erniedrigenden Sexismus. Und um genau den geht es hier. Heutzutage weiß jeder was er mit solchen Bildern provoziert, daher halte ich das für eine gezielte Provokation. Besonders vor dem Hintergrund der Missbrauchsskandale eine Unverschämtheit. Plakat zurückziehen und Entschuldigungen aussprechen.
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