Unwetter in Deutschland Sturmschäden nach schweren Gewittern

Geflutete Unterführungen, entwurzelte Bäume, verspätete Züge: Die Unwetter am Sonntag sorgten mancherorts für Chaos. Zeugen berichten auch von Tornados - was der Wetterdienst nicht bestätigt.

Frank Rumpenhorst / DPA

Am Sonntag haben heftige Unwetter in der Mitte und im Süden Deutschlands getobt. Besonders schwer getroffen wurden der hessische Kreis Offenbach und der Landkreis Aschaffenburg in Unterfranken.

In Bayern führten die starken Gewitter am Sonntagabend zu Dauereinsätzen von Feuerwehr und Rettungsdiensten. Im Landkreis Aschaffenburg wurden laut einem Polizeisprecher 96 Einsätze gezählt.

Sturmböen und Starkregen entwurzelten zahlreiche Bäume und überfluteten Keller und Straßen. Ein Kamin stürzte wegen des starken Windes ein. In einigen Gemeinden fiel zeitweise der Strom aus. Die Autobahn 45 war bis Mitternacht voll gesperrt, weil Bäume auf der Straße lagen und Wasser die Autobahn teilweise überflutet hatte.

In Hessen zeigte sich ein ähnliches Bild: Der Schaden des Unwetters mit Starkregen und Sturm sei immens, sagte ein Polizeisprecher. Im Fernverkehr mussten sich Bahnreisende auf Verspätungen und Ausfälle einstellen. Bei Roth in der Region Nürnberg saßen 400 Reisende am Sonntagabend über Stunden in einem ICE fest, der auf dem Weg von Hamburg nach München war. Umgestürzte Bäume hatten die Oberleitung beschädigt.

Auch am Frankfurter Flughafen kam es zu Verspätungen und Ausfällen: Um Personal und Reisende zu schützen, sei die Abfertigung auf dem Vorfeld vorübergehend eingestellt worden, sagte eine Sprecherin des Betreibers.

Rund um Offenbach seien mehrere Menschen verletzt worden. Ab 18 Uhr sei die Feuerwehr zu mehr als tausend Einsätzen gerufen worden, teilten die Rettungsdienste mit. Sie sprachen von einer "Schneise der Verwüstung". Im hessischem Ginsheim-Gustavsburg fiel ein Baum auf einen Mann in seinem Zelt. Im Mainzer Stadtteil Ebersheim wurden zwei Menschen unter einem Baum eingeklemmt.

In Sachsen-Anhalt konnte eine Straße erst nach einiger Zeit geräumt werden, weil der örtlichen Feuerwehr kürzlich Kettensägen und andere Ausrüstungsgegenstände gestohlen worden waren, berichtete die "Mitteldeutsche Zeitung".

An mehreren Orten kam es zudem zu angeblichen Tornadosichtungen: Zwischen Langen und Seligenstadt wollen Zeugen der Polizei zufolge einen Tornado gesehen haben, auch im brandenburgischen Klaistow soll ein Wirbelsturm gesichtet worden sein.

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Hessen und Bayern: Stürmische Zeiten

Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdiensts (DWD), kann bislang keine Bestätigung für einen Tornado geben. "Die Leute sehen die Schäden und denken: 'Oh, das muss ein Tornado gewesen sein'", sagte Friedrich.

Wahrscheinlicher sei eine sogenannte Fallböe. Dabei trifft Luft mit hohem Tempo auf dem Boden auf. In Tälern und Häuserschluchten können Düseneffekte entstehen. Fallböen können ebenfalls starke Schäden anrichten, es fehlt aber der rotierende Luftwirbel des Tornados.

muk/dpa

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