Tornado in Oklahoma Augenzeugen berichten von dem "Monster"

55.000 Menschen wohnen in der Stadt Moore. Viele von ihnen erlebten den verheerenden Tornado aus nächster Nähe: Polizisten, Kinobesucher, Hubschrauberpiloten, Grundschüler. Die Augenzeugenberichte.

Einwohner von Moore inmitten von Trümmern: "Es macht einen fertig"
REUTERS

Einwohner von Moore inmitten von Trümmern: "Es macht einen fertig"


Einwohner der Stadt Moore berichten von ihren Erlebnissen bei der Tornado-Katastrophe. Eine Zusammenstellung aus US-Zeitungen, Nachrichtenagenturen und TV-Sendern:

James Moody, Einwohner der Stadt Moore: "Ich war bei der Arbeit, als es losging. Die Firma hatte uns gesagt, wir sollten nach Hause fahren, aus Sicherheitsgründen. Als ich mit dem Auto unterwegs war, bekam ich schon eine SMS von meiner Frau: 'Alles ist weg'. Sie saß mit unseren drei Kindern im Schutzraum. Etwa eine halbe Meile von unserem Haus kam ich dann mit dem Wagen nicht weiter, die Straße war blockiert. Also bin ich gerannt. Zu Hause stand meine Frau dann auf der Zufahrt, mit den Kindern. Unser ganzer Kram ist weg. Aber wirklich wichtig ist, dass alle am Leben sind. Am Leben zu sein, ist unbezahlbar." (Fox News)

Sarah Jonson erlebte den Tornado im Krankenhaus: "Wir wussten, dass der Sturm kommt. Alle Krankenschwestern legten sich plötzlich auf den Boden. Also haben wir das auch gemacht." ("New York Times")

Melissa Burton: "Hier sieht es aus wie in einem Kriegsgebiet. Mein Ford-Pick-up ist weg, ich habe keine Ahnung, wo er sein könnte. Vielleicht zwei Straßen weiter. Als es losging, sind wir ins Badezimmer gerannt, mit Kissen und Bettdecken. Die Wand hinter der Dusche ist einfach so weggebrochen. Es war, als führe ein Güterzug durch unser Haus." ("Tulsa World")

Tammy, Linda und Terry Preston: "Als wir sahen, dass da Trümmerteile geflogen kommen, sind wir alle in den Wandschrank. Und wir wussten: Jetzt geht's los. Als es vorbei war, mussten die Jungs erst einmal die größten Trümmer beiseite räumen. Sonst wären wir gar nicht rausgekommen." ("The Oklahoman")

Eine Grundschülerin aus Moore: "Der Sturm ist gekommen. Und hat uns getroffen. Und alle haben gesagt: Nehmt die Köpfe runter! Nehmt die Köpfe runter! Aber einige Leute sind verletzt worden."("The Oklahoman")

Steve Wilkinson: "Ich möchte mich am liebsten hinsetzen und einfach nur heulen. Ich lebe schon viele Jahre in Oklahome und habe einige Tornados erlebt. Aber keiner war so heftig wie dieser." (CNN)

Jon Welsh, Helikopterpilot, machte während des Sturms Luftaufnahmen für einen der örtlichen Fernsehsender: "Wir waren starr vor Entsetzen. Die Wolke mit Trümmerteilen war zwei, zweieinhalb Meilen breit. Dieser Sturm fraß und zermalmte die Stadt." (KFOR)

Ricky Stover: "Als wir sahen, dass es losgeht, haben wir die Kellertür abgeschlossen. Draußen wurde es lauter und lauter - und plötzlich riss sich der Riegel los. Die Tür flog auf, und Glas und Trümmerteile knallten auf uns runter. Um ehrlich zu sein: Wir dachten, wir wären tot." (BBC)

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9  Bilder
Moore: Luftbilder der Tornado-Katastrophe
Julie Jones konnte sich im Auto vor dem Sturm retten: "Das war ein Monster. Es war riesig, dunkel und furchteinflößend - eine enorme Naturgewalt, die sich direkt auf dich zubewegt. Wir konnten im Rückspiegel sehen, wie der Tornado immer näher kam. Am schlimmsten war es aber, als wir später in unser Viertel zurückkehrten. Man fährt die Straße entlang und denkt: 'Dieser Mensch da hatte ein schönes Haus, und diese Person hat ihren Garten immer so hübsch gepflegt.' Und all das ist jetzt egal, denn all diese Gebäude sind zerstört. Das macht einen fertig." ("Los Angeles Times")

Melissa Newton: "Hier liegen überall Dachschindeln und Gipsplatten und Holz herum. Einige Häuser sind komplett verschwunden. Es ist erschütternd." (BBC)

James Dock war im Kino, als der Tornado Moore erreichte: "Wir standen in der Eingangshalle, als der Strom ausging. Die Leute haben sich mit ihren Handys Licht gemacht. Dann war da ein unfassbar lautes Grollen, und der Boden fing an zu beben. Später war uns gar nicht klar, wie schlimm die Lage ist - bis wir nach draußen gingen. Da war überall Schlamm und Schutt, ein Bowlingcenter war dem Erdboden gleichgemacht. Eine Notfallambulanz hatte es in zwei Teile zerrissen, aus den Trümmern ragte ein Auto." (Los Angeles Times)

Tiffany Thronesberry: "Ich bekam einen Anruf von meiner Mutter. Sie schrie: 'Hilfe! Hilfe! Ich kann nicht atmen. Mein Haus liegt auf mir drauf!'" (Associated Press)

Betsy Randolph, Polizistin: "Als ich nach Moore kam, sah ich viele Verletzte herumlaufen - blutüberströmte Menschen. Ich habe mir also die Handschuhe angezogen und mich an die Arbeit gemacht. Wir hoffen, dass es keine weiteren Todesopfer gibt - aber wir wissen, dass immer noch viele Leute verschüttet sind." ("The Oklahoman")

rls



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Marellon 21.05.2013
1. Bauweise
War ich in den USA, war ich immer erstaunt über die Bauweise: Lottrige Häuser, dünne Bälklein, kaum ein Gedanke an Brand oder Sturm, Wände, die zwar schwer genug sind, jemanden zu erschlagen, aber schon von einem Starkwind eingerissen werden. Können die Leute das nicht anders, ist es anders nicht möglich, wollen sie es nicht anders? Wer auf den Mond fliegen und Superwaffen herstellen kann, sollte doch auch Häuser bauen können, die nicht ständig weggeweht werden.
stefanschultze1 21.05.2013
2. Holzhuetten
Wenn man nur Holzhuetten baut und in der Tornado-Alley wohnt ist das aber auch kein Wunder dass, das Haus mal so eben weggeblasen wird. Schon mal was von Stahlbeton gehoert?
arvin 21.05.2013
3. schrecklich
Mein Gott wie schrecklich, ich war letztes Jahr in Stillwater Oklahoma das liegt nur ca. 60 km von Moore entfernt. Ich habe einen Tornado erlebt, es ist schon sehr furchteinflössend wenn man dort in so einem Schutzkeller wartet und hofft das er vorrüberzieht. Meine Gedanken sind bei den Menschen dort.
schensu 21.05.2013
4. @an die beiden Erstposter
Zitat von sysopREUTERS55.000 Menschen wohnen in der Stadt Moore. Viele von ihnen erlebten den verheerenden Tornado aus nächster Nähe: Polizisten, Kinobesucher, Hubschrauberpiloten, Grundschüler. Die Augenzeugenberichte. http://www.spiegel.de/panorama/oklahoma-augenzeugen-berichten-ueber-verheerenden-tornado-in-moore-a-900866.html
Ja auch ich bin der Auffassung, dass im Sinne der Dauerhaftigkeit einer Konstruktion die traditionelle mitteleuropäische Bauweise die bessere Wahl wäre. Allerdings wäre die Schadensquote bei Zugkräften > 3 to auch mit unserer Bauweise erheblich. Kein bei uns übliches Dach hätte dem standgehalten! Die amerikanische Pappedeckelbauweise ist wohl mit deren Mentalität zu erklären, nicht zu viel in einen Standort zu investieren sondern mobil zu bleiben. Diese modifizierten Hütten lassen sich ausführungsabhängig sogar auf nem Tieflader der Arbeitssuche hinterher transportieren. Wenn es allerdings um die Sicherheit von Leib und Leben meiner Familie ginge, würde ich in solchen Risikogebieten nie und nimmer die traditionelle amerikanische Hütte als Bleibe wählen. Das ist dritte Welt!
owila 21.05.2013
5. Sturmischer
Es ist genau so wenig ein Hexenwerk " Surmsicher" wie "Erdbebensicher" zu bauen. Die Leute haben noch nicht einmal eine Krankenversicherung oder Unfallversicherung... sie tun mir leid, die Opfer .. und fuck off mit dem " american dream "
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