Oktoberfest eröffnet Ansturm der trinkfesten Wahlkämpfer

Schon lang vor dem ersten Anstich waren Festzelte völlig überfüllt: Das Oktoberfest, am Samstag vom Münchner Oberbürgermeister eröffnet, leidet bisher nicht gerade an Gästemangel. Normalität wird auf der Wiesn aber wohl erst nach der Bundestagswahl einkehren.


Achtung, hier Bier: Eine Bedienung mit Trillerpfeife bahnt sich ihren Weg durch eine Menge von Schaulustigen
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Achtung, hier Bier: Eine Bedienung mit Trillerpfeife bahnt sich ihren Weg durch eine Menge von Schaulustigen

München - Nur einen Tag vor der Bundestagswahl hat Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) das 169. Oktoberfest mit dem traditionellen Ausruf "O'zapft is" eröffnet. Ude, der vier Schläge für den Anstich des Bierfasses benötigte, überreichte die erste Maß gemäß dem seit Jahrzehnten geltenden Brauch an Bayerns Ministerpräsident, den Unionskanzlerkandidaten Edmund Stoiber (CSU). "Auf eine friedliche Wiesn", prostete das Münchener Stadtoberhaupt den über 6000 Gästen im Schottenhamel-Festzelt zu.

Einen Tag vor der Bundestagswahl waren mehrere prominente Bundespolitiker zum Anstich gekommen, darunter auch CDU-Chefin Angela Merkel, Grünen-Chefin Claudia Roth und Bundesinnenminister Otto Schily (SPD). Stoiber gab sich zuversichtlich, den Anstich im kommenden Jahr als Bundeskanzler begleiten zu können. "Wir werden morgen die stärkste Fraktion sein", kündigte er an.

Fertig aufgebaut: Mehr als ein Jahr nach den Terror-Anschlägen in Amerika soll das Oktoberfest zu alter Form zurückfinden
DDP

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Die Stadt München rechnet in diesem Jahr mit bis zu sieben Millionen Besuchern auf dem 16 Tage dauernden größten Volksfest der Welt. Die größeren Bierzelte sind bereits vollständig ausgebucht. Wie in den Vorjahren müssen die Besucher auch heuer tiefer für den Liter Bier in die Tasche greifen. Zwischen 6,30 Euro und 6,80 Euro kostet die Maß - etwa 30 Cent mehr als im Vorjahr. Wegen der Debatte um Preissteigerungen im Zuge der Euro-Einführung geht das Fremdenverkehrsamt davon aus, dass sich die Besucher beim Konsum zurückhalten werden.

2001 hatten die Anschläge auf das World Trade Center die Wiesn überschattet. Schlechtes Wetter sorgte zudem dafür, dass die Besucherzahl bei 5,5 Millionen verharrte - so wenig wie zuletzt 1992. Aus Rücksicht auf die Opfer in New York hatte die Stadt 2001 auf den Anstich und den Einzug der Wiesn-Wirte verzichtet, sogar eine komplette Absage war erwogen worden.

Einzug der Wiesnwirte: Die Festkutsche der Hofbräu-Brauerei. Im vergangenen Jahr war der Festzug abgesagt worden
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Einzug der Wiesnwirte: Die Festkutsche der Hofbräu-Brauerei. Im vergangenen Jahr war der Festzug abgesagt worden

Trotz fehlender Hinweise auf geplante Anschläge hat die Stadt die Sicherheitsmaßnahmen auf dem diesjährigen Oktoberfest weitgehend auf dem deutlich erhöhten Niveau von 2001 belassen. Insgesamt sind nach Angaben der Münchener Polizei gut 200 Beamte auf der "Wiesn-Wache" im Einsatz. Acht Video-Kameras - vier mehr als im Vorjahr - wurden installiert. Für etwaige Bombendrohungen sind Spürhunde und Sprengstoffspezialisten vor Ort. "Wir haben eine abstrakte Gefährdungslage, aber es liegen keine Hinweise auf Anschläge vor", hieß es bei der Polizei im Vorfeld. "Hundertprozentige Sicherheit gibt es aber nicht."



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