Olympia im Ramadan Nüchtern zum Sieg

Schwitzen, ohne zu trinken? Kalorien verbrauchen, ohne welche zu sich genommen zu haben? Im Olympia-Blog "Helden des Tages" werden Leistungen geehrt, die es niemals in die Rekordbücher schaffen. Diesmal: Olympioniken, die fasten - und trotzdem Medaillen jagen.

Der algerische 3000-Meter-Hindernisläufer Khaled Belabbas (rechts): Fasten muss sein
Getty Images

Der algerische 3000-Meter-Hindernisläufer Khaled Belabbas (rechts): Fasten muss sein

Von


Keine Energieriegel, keine isotonischen Getränke, nicht einmal Wasser ist erlaubt bis Sonnenuntergang. Das Wort "Ramadan" ist arabisch und bedeutet "brennende Hitze und Trockenheit". Die breitet sich nämlich beim Fasten im Magen aus. Im Zusammenhang mit Olympia ist das ziemlich unpraktisch. Doch dieses Jahr kollidiert der muslimische Fastenmonat mit den Olympischen Sommerspielen in London. 3000 muslimische Athleten müssten demnach von 3.30 Uhr bis 21.00 Uhr Hunger und Durst unterdrücken.

So hatten zwei marokkanische Fußballer aus religiösem Grund ein ganz weltliches Problem bei der Dopingkontrolle. Sie konnten keine Urinprobe abgeben, weil sie den ganzen Tag nichts getrunken hatten. Von nichts kommt eben nichts. Ärzte kritisieren den Verzicht und warnen vor einer Dehydrierung fastender Sportler.

Deshalb hat der ägyptische Gewichtheber Abeer Ramadan beschlossen, das Fasten zumindest an Wettkampftagen auszusetzen. "Der Mufti sagt, man habe das Recht, dies zu tun", sagte der Athlet. Tatsächlich ist es im Islam erlaubt, unter bestimmten Umständen nicht zu fasten. Für die Profisportler gibt es im Koran sogar einen Kompromiss-Vorschlag: "Und (...) wer sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage fasten."

Schneller, höher, weiter - dank Ramadan?

Das kommt für den algerischen 3000-Meter-Hindernisläufer Khaled Belabbas nicht in Frage, er hält das Fasten trotz sportlicher Beeinträchtigungen durch. Auch der palästinensische Judoka Maher Abu Rheileh will von der Ausnahme nichts wissen. "Fasten verhindert keine gute Leistung", sagt der Sportler, "die Kraft kommt aus anderer Quelle." Dies bestreiten Mediziner nicht einmal: Der Vorsitzende der IOC-Ernährungs-Gruppe Ronald Maughan weiß von Athleten, die während des Ramadan sogar bessere Leistungen erzielen: Die spirituelle Disziplin sporne besonders an.

Auch der britische Ruderer Mohamed "Moe" Sbihi will sein gutes Verhältnis zu Allah durch einen Medaillenwunsch nichts auf's Spiel setzen. Er hat einen Ausweg aus seinem Dilemma gefunden: Er fastet nicht, spendet aber Geld für ein Kinderheim in Marokko. Zur Sicherheit hat sich der 2,03 Meter große Sbihi diese Idee von oben absegnen lassen: "Islam-Theologen meinten, das sei mit dem Glauben vereinbar." Und vielleicht sogar mit einer Medaille.

Damit muslimische Athleten abends ihr Fasten brechen können, ist die IOC-Mensa 24 Stunden geöffnet. Trotzdem stößt die zeitliche Überschneidung von einem sportlichen und einem islamischen Großereignis auch auf Unmut. "Sie (das IOC-Komitee) hätten diese Olympischen Spiele auch nicht an Weihnachten organisiert", kritisierte Massoud Shadjareh, der Vorsitzende der Islamischen Menschenrechtskommission in London.

Im Fußball spielt der Ramadan eine große Rolle, weil viele Profispieler Muslime sind. Deshalb hat das Medical Research Center der FIFA jüngst eine Studie zum Thema Fußball und Ramadan gestartet mit dem Ziel, fastenden Sportlern für das Training "praktische Tipps zu geben". Wahre Helden schaffen das schon.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, für muslimische Fußballer werde es bei der Fußball-WM 2022 in Katar besonders schwierig. Tatsächlich endet der Ramadan in dem Jahr bereits von Beginn der WM. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Mit Material von sid



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.