Olympiasieger zu Energiesparmaßnahmen »Die Kinder werden darunter leiden«

Wegen der Gaskrise senken Schwimmbäder ihre Wassertemperatur. Olympiasieger Florian Wellbrock ist aus gutem Grund kein Fan dieser Maßnahmen.
Florian Wellbrock beim Training in Leipzig

Florian Wellbrock beim Training in Leipzig

Foto: Ronny Hartmann# / AFP

Die »Boomer« unter den Lesern werden sich noch daran erinnern. Schulsport in den Siebziger- oder Achtzigerjahren in Deutschland: Bibbernde Kinder mit blauen Lippen, die in einer Schlage aufgereiht im Schwimmbad vor dem Einer ausharren. Badeanzüge, die kalt auf der Haut kleben, das Wasser gefühlte 15, die Außentemperatur vielleicht 14 Grad kalt. Es gab Schüler, denen auf diese Art das Schwimmen verleidet wurde.

Der erfolgreiche Schwimmsportler Florian Wellbrock knüpft wohl an solche Erfahrungen an, wenn er die energiesparende Senkung der Wassertemperaturen in Schwimmbädern kritisiert.

Inflation und steigende Energiepreise haben die Planer ins Grübeln gebracht, überall soll gespart werden. Schon zwei Grad kühleres Wasser in Hallenbädern kann Experten zufolge eine Energieersparnis von 25 Prozent bringen. Viele Bäder haben die Temperaturen bereits gesenkt und ihre Saunen geschlossen.

Der vierfache Schwimmweltmeister Wellbrock befürchtet allerdings unschöne Nebenwirkungen der Maßnahme.

»Macht den Körper anfälliger für Krankheiten«

»Wie will man da einem Fünf- oder Sechsjährigen beibringen, dass der jetzt ins kalte Wasser gehen muss und Spaß dabei haben soll, schwimmen zu lernen? Das ist aus meiner Sicht nicht möglich«, sagte der 24-Jährige im Interview mit der »Sport Bild«: »Die Kinder werden darunter leiden. Das ist ein echtes Problem.«

Für Wellbrock, der bei der anstehenden EM in Rom ab diesem Donnerstag wieder auf Medaillenjagd geht, ist kälteres Wasser demnach ein Hindernis. »Der Körper kühlt dann aus und versucht, sich irgendwie von innen warmzuhalten. Das zieht unnötig Energie, die mir dann für das Training fehlt.« In Magdeburg, wo er trainiert, hat das Wasser im Becken demnach 26,5 bis 28 Grad.

Trotz seiner geringen Erfahrung mit Freiluftbecken rechnet Ausnahmeschwimmer Wellbrock nicht mit Problemen bei den Europameisterschaften in Rom. Dort werden die Athletinnen und Athleten im Stadio del Nuoto im Foro Italico unter freiem Himmel antreten. In dem als sehr schnell bekannten 50-Meter-Becken stellte Paul Biedermann bei den Weltmeisterschaften 2009 seine bis heute gültigen Weltrekorde über 200 und 400 Meter Freistil auf.

Wellbrock ist nach eigenen Angaben erst einmal bei einem Wettkampf in einem Freiluftbecken geschwommen. Er macht sich aber keine Sorgen: »Generell ist es so, dass in den südlichen Ländern Hitze vorherrscht, auch Wind kann dazukommen, der das Wasser unruhig macht. Das gibt's in den klimatisierten Hallen nicht«, sagte der 24-Jährige der Nachrichtenagentur dpa. »Mich stört das als Freiwasserschwimmer aber weniger. Ich kann mich relativ schnell auf die unterschiedlichsten Gegebenheiten einstellen und mache mir deswegen keine Sorgen.« Das vor der EM angesetzte Trainingslager unter freiem Himmel auf Mallorca verpasste der Olympiasieger im Freiwasserschwimmen von Tokio 2021 wegen einer Coronainfektion.

ala/dpa
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