Organspende Patient zu früh für tot erklärt

Ein Fall aus den USA nährt die Furcht vieler Menschen, sich als Organspender registrieren zu lassen - in Deutschland haben nur zwölf Prozent einen Spenderausweis. Im kalifornischen Fresno erklärten Ärzte einen Mann jetzt verfrüht für hirntot, weil sie seine Organe brauchten.


Fresno - "Sie haben wie die Geier darauf gewartet, dass einer stirbt, damit sie an seine Organe ran können." Fassungslos berichtet die 26-jährige Melanie Sanchez in der "Los Angeles Times" vom Schicksal ihres Vaters John Forster.

Der 47-Jährige war am 18. Februar mit einem Hirnschlag in ein Krankenhaus im kalifornischen Fresno eingeliefert worden. Die Diagnose war denkbar schlecht: Der Automechaniker hatte eine sogenannte pontine Blutung im Hirnstamm erlitten, Hoffnung auf eine Verbesserung seines Zustands bestand keine.

Ärzte bei einer Transplantation: Nur zwölf Prozent aller Deutschen haben einen Organspende-Ausweis
DPA

Ärzte bei einer Transplantation: Nur zwölf Prozent aller Deutschen haben einen Organspende-Ausweis

Forsters Familie stimmte zu, ihn als Organspender registrieren zu lassen. Seine Tochter Melanie erhielt daraufhin "mindestens zwei Mal am Tag" Anrufe der Organspende-Organisation. "Wir brauchen die Organe innerhalb einer bestimmten Zeit. Ihr Vater könnte jemand anderem das Leben retten. Wie geht's ihm heute? Besser oder schlechter?"

Am 21. Februar schien Forsters Leben zu Ende. Ein Arzt erklärte ihn für hirntot. Stunden später stimmte ein zweiter Mediziner, ein Notfall-Arzt, zu, nachdem er mit einer Lampe einen Pupillen-Reflextest gemacht hatte.

Das Krankenhaus schreibt nicht vor, wie lange eine Untersuchung zu dauern hat oder welche Tests ein Arzt anordnen muss, um den Hirntod festzustellen.

Nach kalifornischem Recht war Forster damit tot.

Seine Tochter wollte das so nicht hinnehmen, verlangte eine dritte Meinung. Der zweite Arzt war, so ihr Empfinden, deutlich in Eile gewesen: "Er kam rein, warf meinem Vater die Papiere auf die Beine und sagte: 'Wir haben zwei Unterschriften. Jetzt ist Schluss.'"

Eine Krankenschwester hatte Forster ebenfalls untersucht, stellte dabei einen starken Würge- und Hustenreflex fest. Außerdem bewegte Forster seinen Kopf - Beobachtungen, die nicht zur Diagnose "hirntot" passen.

Ein Neurochirurg stellte schließlich fest, dass Forster nicht hirntot war und unterstützte die Forderung der Tochter, den Kranken nicht von den lebenserhaltenden Apparaten zu nehmen.

Forster starb acht Tage später.

Laut "L. A. Times" untersuchen Ermittler in Kalifornien einen weiteren Fall: Ein Transplantationschirurg soll den Tod eines 26-Jährigen mit Schmerzmitteln beschleunigt haben, um dessen Organe entnehmen zu können.

Die Geschäftsführerin der Organspende-Organisation "California Transplant Donor Network", Phyllis Weber, hat sich mittlerweile bei John Forsters Tochter entschuldigt. Es tue ihr leid, wenn sich Melanie Sanchez unter Druck gesetzt gefühlt habe. Dies sei nicht Usus in ihrem Unternehmen: "Wir geben den Familien viel Zeit."

pad



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