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"Niklas": Orkan tobt über Deutschland

Foto: © Fabrizio Bensch / Reuters/ REUTERS

Sturmschäden Orkan "Niklas" wütet über Deutschland - drei Tote

In vielen Regionen Deutschlands hat der Orkan "Niklas" Schäden angerichtet. Die Haupthalle des Münchner Hauptbahnhofs musste geräumt werden. In Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz kamen drei Menschen ums Leben.

Mit Orkan "Niklas" zieht einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre über Deutschland hinweg. In Sachsen-Anhalt wurde während des Sturms ein Mann getötet. Der Hausbesitzer aus Groß Santersleben wurde vor seiner Haustür unter einer umstürzenden Betonmauer begraben, wie ein Polizeisprecher sagte.

Ersten Zeugenaussagen zufolge habe der Mann bemerkt, dass die Mauer wegen des Sturms zu schwanken begonnen habe. Daraufhin soll er versucht haben, sich gegen die Mauer zu stemmen, die jedoch einstürzte. Der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Die Angehörigen wurden von Notfallseelsorgern betreut.

In Rheinland-Pfalz wurden zwei Menschen von einem umstürzenden Baum erschlagen. Laut Polizei fiel der Baum auf einer Landstraße bei Montabaur im Westerwald auf ein Dienstfahrzeug der Straßenmeisterei. Rettungskräfte konnten die beiden Männer nur noch tot aus dem Wrack bergen.

Im Allgäu wurden zwei Menschen verletzt - einer von herabfliegenden Ästen, der zweite, als ein Baum auf sein Auto krachte. Auch im übrigen Bayern gab es Verletzte durch herumfliegende Äste. Bei Pegnitz in Oberfranken fuhr ein mit 140 Passagieren besetzter Regionalexpress auf im Gleis liegende Baumstämme. Der Lokführer und ein weiterer Bahnmitarbeiter wurden leicht verletzt.

Nahe Garmisch-Partenkirchen wurden zwei Kajakfahrer während des Sturms von einem umstürzenden Baum getroffen und verletzt, einer von ihnen schwer. Nach Polizeiangaben war eine Gruppe von fünf Kajakfahrern trotz des heftigen Unwetters auf dem Fluss Loisach unterwegs, als ein Baum von einer Orkanböe umgeknickt wurde und ins Wasser fiel. Genau in dem Moment passierten die Kajakfahrer die Stelle.

Gefahr droht auch in München: Die Haupthalle des Hauptbahnhofs musste am Nachmittag wegen Orkanschäden geräumt werden. Dachfenster hätten sich durch den Sturm verschoben und drohten herabzustürzen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Es finde kein Zugverkehr mehr statt.

Wegen des Sturmtiefs stellte die Deutsche Bahn in Bayern den Fernverkehr komplett ein. Zudem komme es im Regionalverkehr zu massiven Einschränkungen, teilte die Bahn mit. Mehrere Verbindungen seien wegen umgestürzter Bäume vorübergehend gesperrt. Im gesamten Regionalverkehr gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen. Die Münchner S-Bahn verkehrt derzeit nur noch auf zwei Linien.

Zuvor hatte die Bahn bereits den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen vorübergehend gestoppt. Auch viele Fernzüge im bevölkerungsreichsten Bundesland fielen aus. Tausende Reisende und Pendler saßen fest. Am Abend will die Bahn den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen schrittweise wieder anlaufen lassen. "Wir hoffen, dass wir mit Betriebsbeginn am Mittwoch wieder im Takt sind", sagte eine Sprecherin des Unternehmens.

Im Raum Hannover legte "Niklas" ebenfalls die S-Bahn lahm. Auf der Strecke zwischen Hannover und Bremen kam es wegen einer Oberleitungsstörung bei Nienburg zu erheblichen Verspätungen. Die Bahn richtete einen Ersatzverkehr ein. Am späten Nachmittag stellte die Bahn den Regionalverkehr aus Sicherheitsgründen komplett ein.

Reisenden wird empfohlen, sich hier im Internet  über Beeinträchtigungen zu informieren oder hier zu prüfen , ob der Zug pünktlich ist.

Polizei und Feuerwehr waren im Dauereinsatz, um umgestürzte Bäume von Autobahnen und Bundesstraßen zu räumen. Im Frankfurter Bahnhofsviertel stürzte ein 15 Meter hohes Baugerüst auf vier parkende Autos, verletzt wurde niemand, wie die Feuerwehr mitteilte.

Auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland knickte "Niklas" Bäume und Strommasten um. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd sagte: "Kaum ist der eine Baum aufgeräumt, stürzt der nächste um." Bei Hagen in Nordrhein-Westfalen riss der Sturm ein Baugerüst von der Lennetalbrücke (A45) ab. Zwei Arbeiter, die in 20 Metern Höhe mit Schweißarbeiten beschäftigt waren, fielen in die Tiefe und verletzten sich schwer.

Vielerorts beschädigte der Orkan Häuser, der Wind riss Stromleitungen herunter. Dramatisch sah es zeitweise auf der Autobahnbrücke der A29 bei Oldenburg in Niedersachsen aus. Es bestand die Gefahr, dass ein umgewehter Anhänger von einer 26 Meter hohen Brücke in die Hunte stürzt. Helfer konnten das Gespann rechtzeitig bergen.

"Im nördlichen Nordrhein-Westfalen wurden die Unwetterwarnungen aufgehoben", sagte Meteorologe Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst (DWD). "Von Westen her lässt das Ganze nach." "Der Orkan soll in der Nacht über den Nord-Osten Deutschlands abziehen. Auch am Mittwoch werde es windig bis stürmisch - "das Gröbste ist dann aber vorbei", sagte Kirchhübel.

wit/dpa
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