Orkan "Xaver" Hamburg übersteht weitere Sturmflut

Hamburg hat am Morgen die zweithöchste Flut seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt, am Abend rollte die nächste schwere Sturmflut heran. Straßen im Hafenbereich wurden gesperrt, so hoch wie zuvor stieg das Wasser jedoch nicht - die Behörden gaben Entwarnung.

DPA

Hamburg - Orkan "Xaver" zieht langsam ab und verliert an Kraft. Doch noch sind nicht alle Gefahren gebannt. Die zweite schwere Sturmflut des Tages hat Hamburg am Abend erreicht. Am frühen Morgen war die Stadt von der zweithöchsten Flut seit Beginn der Aufzeichnungen 1825 heimgesucht worden.

Am Abend gegen 18 Uhr wurde im Hafen ein Wasserstand von rund drei Metern über dem mittleren Hochwasser (5,10 Meter über Normal Null) erreicht. Die Flut war damit rund einen Meter niedriger aufgelaufen als am Morgen.

Aufgrund des dennoch hohen Wasserstandes seien Teile des Hafens bereits seit 14 Uhr gesperrt und geräumt worden, teilte die Innenbehörde mit: "Verlassen Sie die gefährdeten Gebiete entlang der Elbe und entfernen Sie Ihre Fahrzeuge aus diesen Bereichen. Verkehrsteilnehmer werden gebeten, das Hochwasser abzuwarten bzw. Hamburg weiträumig zu umfahren!"

Am Abend waren noch einige Straßen im Hafenbereich gesperrt, für das Morgenhochwasser am Samstag rechnete die Innenbehörde nicht mehr mit besonderen Maßnahmen. Die Stadt gab Entwarnung: "Es besteht für die Bevölkerung keine Gefahr mehr", hieß es laut amtlicher Mitteilung.

Meist harmlose Einsätze

Der Scheitel der ersten schweren Sturmflut hatte Hamburg gegen 6.15 Uhr mit einem Wasserstand von 3,98 Meter über dem Mittleren Hochwasser erreicht (6,09 Meter über Normal Null). Nur die Flut von 1976 war noch höher. Bei der verheerenden Flut 1962 hatte der Pegel in Hamburg einen ähnlichen Wert wie diesmal. Damals waren die Deiche aber noch deutlich niedriger und weniger stabil.

Insgesamt fiel "Xaver" glimpflicher aus als befürchtet. Bei den meisten Sturm-Einsätzen im Norden handelte es sich den Angaben der Behörden zufolge um harmlosere Ereignisse wie umgestürzte Bäume oder lose Verkehrsschilder. Es gab aber auch Schäden an Dächern und Gebäuden, teils fuhren Autos in umgeknickte Bäume. Mehrere Menschen wurden leicht verletzt.

Der Flug- und Zugverkehr war vielerorts gestört, umgeknickte Bäume behinderten auch den Verkehr auf den Straßen. "Xaver" deckte Dächer ab und drückte Fensterscheiben ein. Die Auswirkungen blieben aber geringer als bei Orkan "Christian" vor etwa sechs Wochen. Am Freitagmittag war laut Deutschem Wetterdienst "das Schlimmste überstanden". Für das Wochenende gab es Entwarnung: Es soll ruhiger und wärmer werden.

Orkan trifft Bahnverkehr hart

In Polen starben drei Menschen, als ein Baum auf ihr Auto fiel. In Südschweden wurde ein Jäger von einem umstürzenden Baum erschlagen. In Mittelschweden wurde eine ältere Frau tot im Schnee gefunden. Für zwei Seemänner, die am Donnerstagmorgen vor der schwedischen Küste über Bord gegangen waren, gab es keine Hoffnung mehr. Die Suche wurde aufgegeben. In Großbritannien und Skandinavien waren bereits am Donnerstag drei Tote bestätigt worden. In Nord- und Mitteleuropa waren zeitweise Hunderttausende Haushalte ohne Strom, die meisten in Polen.

Bei Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern starb eine 82-Jährige beim Unfall eines Rettungswagens - inwieweit starke Sturmböen ursächlich waren, ist unklar. Auf schneeglatter Straße geriet im österreichischen Maishofen ein Reisebus auf die Gegenfahrbahn und kollidierte dort mit einem Lastwagen. Ein weiterer Transporter sei aufgefahren, ein Lastwagenfahrer gestorben, teilte die Polizei mit. Möglicherweise spielten auch Böen eines Ausläufers von Sturmtief "Xaver" bei dem Unfall eine Rolle.

Der Orkan traf auch den Bahnverkehr hart. Auf den Strecken nördlich von Hamburg fuhr am Freitag zunächst fast kein Zug mehr. Im Fernverkehr waren am Morgen auch die Linien Hamburg-Hannover und Berlin-Hamburg mehrere Stunden gesperrt, weil Bäume umgeknickt auf Schienen lagen. Auf den Flughäfen etwa von Hamburg, Hannover oder Bremen wurden etliche Flüge gestrichen.

Die Inseln und Halligen vor Schleswig-Holsteins Küste waren vom Festland vorübergehend nicht mehr zu erreichen. Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck zeigte sich nach der Sturmnacht jedoch erleichtert. "Heute Nacht hat Deutschland den Atem angehalten und auf unsere Deiche geschaut - sie haben standgehalten."

In Berlin riss der Sturm den 13 Meter hohen Weihnachtsbaum vor Schloss Bellevue um, dem Amtssitz von Bundespräsident Joachim Gauck. In deutschen Mittelgebirgen wie Harz, Rhön oder Erzgebirge oder auch den Alpen gab es Neuschnee, weitere Schneefälle werden erwartet.

wit/dpa/AFP

insgesamt 2 Beiträge
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JaguarCat 06.12.2013
1. Gratulation an die Küstenschützer!
Das Wasser läuft so hoch auf wie bei der "verheerenden Flut 1962", und außer, dass der Hafen zweimal für einige Stunden geschlossen werden muss, passiert nichts. Gratulation an die Küstenschützer! Jag
Pfeiffer mit drei F 06.12.2013
2.
Ein großes Lob an alle Verantwortlichen und tatkräftigen Menschen, die aus dieser Sturmflut ein "Sturmflütchen" gemacht haben! Klasse!
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