Orkantief "Andrea" Frau stirbt bei Verkehrsunfall

Dächer wurden abgedeckt, Bäume umgeknickt: Mit starken Böen zieht Orkantief "Andrea" über Deutschland hinweg. In Oberfranken ist eine Frau bei einem Unfall ums Leben gekommen, der vermutlich durch den Sturm ausgelöst wurde. Für die nordfriesische Küste gilt eine Sturmflutwarnung.

Unfallort bei bei Weißenstadt in Oberfranken: Vermutlich durch heftige Böe ausgelöst
DPA

Unfallort bei bei Weißenstadt in Oberfranken: Vermutlich durch heftige Böe ausgelöst


Reken - Heftiger Wind, peitschender Regen, teilweise auch Schnee: Orkan "Andrea" fegt über Deutschland hinweg. An vielen Orten knickten Bäume um und behinderten den Verkehr.

Im oberfränkischen Weißenstadt kam eine 43-jährige Autofahrerin bei einem Frontalzusammenstoß ums Leben, der laut Polizei vermutlich durch das Wetter ausgelöst wurde: Ein anderes Auto sei von einer Sturmböe in den Gegenverkehr gedrückt worden. In Krefeld prallte eine 57-jährige Autofahrerin gegen einen Baum und kam ums Leben. Ob dabei das Unwetter eine Rolle spielte, ist noch unklar.

In Regensburg und Thannhausen wurden Dächer eines Möbelhauses und eines Supermarktes weggeweht. Im Münsterland fuhr ein Regionalzug gegen einen entwurzelten Baum und entgleiste. Der Zug ist laut Bundespolizei mit etwa Tempo 70 in der Morgendämmerung bei Reken gegen den Baum geprallt, der Schaden beträgt rund 100.000 Euro. Verletzt wurde niemand.

Auf der Autobahn 45 zwischen Südkreuz Gießen und Gambacher Kreuz erfasste eine kräftige Windböe die Containerdachabdeckung eines Lastwagens. Das mehrere Hundert Kilogramm schwere Teil blieb an einer elektronischen Schilderbrücke hängen und fiel auf einen nachfolgenden Sattelzug - beide Lkw-Fahrer blieben unverletzt. Der Gesamtschaden liegt bei rund 100.000 Euro.

In Sachsen und Sachsen-Anhalt kam es aufgrund des Sturms zu Stromausfällen. Zeitweise waren fast 10.000 Haushalte ohne Strom. In der Gemeinde Wald im Allgäu ist der etwa 60 Meter hohe Glockenturm einer Kirche in Brand geraten. Ursache für den Brand war nach Einschätzung der Polizei möglicherweise ein Blitzeinschlag.

In Hessen riss "Andrea" Bäume aus, warf einen Container von einem Schiff auf dem Rhein und kippte einen Lastwagen um. Verletzte gab es aber nicht. In Frankfurt wurden rund 20 Beerdigungen abgesagt - die Gefahr, dass Trauernde durch Bäume oder Äste verletzt werden, sei zu groß, teilte das das Grünflächenamt mit. Auch in der Pfalz wurden vereinzelt Friedhöfe gesperrt.

In Köln wurde die "Hochwassermarke eins" erreicht. "Es gibt erste Einschränkungen für die Schifffahrt", sagte der Leiter der Hochwasserschutzzentrale Reinhard Vogt. Auch auf Mosel und Saar wurde wegen des Hochwassers der Schiffsverkehr streckenweise eingestellt.

Für die Nordfriesische Küste und das Elbegebiet mit Hamburg warnte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) vor einer nächtlichen Sturmflut. Die Polizei in Hamburg forderte die Bürger auf, die niedrig gelegenen Bereiche des Hafens und des Elbufers zu räumen. Für Freitag besteht nach Angaben der Behörde auch für die deutsche Ostseeküste die Gefahr einer Sturmflut. (Einen Überblick zu den aktuellen Unwetterwarnungen finden Sie hier).

Deutschlandweit wurden laut DWD Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern pro Stunde gemessen. Über die Zugspitze fegten die Böen mit 176 Kilometern pro Stunde hinweg.

Das Tief soll in der Nacht zum Freitag aus Deutschland abziehen. "Bis zum Abend ist der Spuk in den meisten Teilen Deutschlands vorbei", sagte Meteorologe Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Dennoch bleibt es auch in den kommenden Tagen regnerisch und stürmisch. Zudem werden Schneefälle vorausgesagt. In den Höhenlagen Bayerns sollen bis zum Samstag 30 bis 50 Zentimeter Schnee fallen.

hut/dapd/dpa



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