Orkantief "Emma" Horrorlandung in Hamburg - Airbus-Piloten fliegen schon wieder

Es war ein alptraumhafter Anflug auf Hamburg, den die Piloten Oliver A. und Maxi J. bei schwerstem Sturm meisterten. Zwei Tage nach dem Beinahe-Crash ist die Crew nun wieder im Dienst. Gleichzeitig hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung Ermittlungen eingeleitet.

Hamburg - Nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers sind Oliver A., 39, und Maxi J., 24, inzwischen wieder "ganz normal auf Mittelstreckenflügen in Europa unterwegs". Die Besatzung habe den Vorfall sehr gefasst aufgenommen. Pilot A. wolle sich aber nicht öffentlich zu seinem gelungenen Manöver äußern. Der Mann arbeitet seit 17 Jahren bei der Lufthansa, seit sechs Jahren ist er Kapitän.

Der 39-Jährige hatte am Samstag auf dem Hamburger Flughafen seinen Airbus-Jet "Suhl" in letzter Sekunde abgefangen und durchgestartet, als eine Windböe das Flugzeug kurz vor der Landung erfasste, einen Flügel auf die Piste drückte. "Er hat meisterlich umgesetzt, was er zuvor Hunderte Male im Simulator geübt hat", sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow.

Die Fluggesellschaft habe darüber hinaus keine Zweifel, dass die Freigabe der Landebahn durch die Deutsche Flugsicherung korrekt war, betonte Jachnow. Zusätzliche Böen im Anflug könne niemand vorhersehen. Es seien sich aber alle einig gewesen, dass das Manöver anspruchsvoll würde. Die Besatzung habe hochprofessionell gehandelt.

Gleichwohl ermittelt nun die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Es werde geprüft, warum der gesamte Flugbetrieb auf dem Hamburg Airport bis zum Zeitpunkt der Havarie auf der Landebahn 2-3 und nicht auf der günstigeren Rollbahn 3-3 abgewickelt worden sei, sagte BFU-Experte Lothar Müller.

Über die Rollbahn 2-3 seien zum Zeitpunkt des Anflugs der Maschine schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometern gefegt. Bei einem Winkel von 70 Grad zum landenden Flugzeug hätten damit schon fast sogenannte Cross-Winde geherrscht. "Die 3-3 wäre unter solchen Bedingungen schon besser gewesen", sagte Müller.

Die Worte des Mannes, der 137 Menschen das Leben rettete, könnten hingegen nüchterner kaum sein. Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber übermittelte heute Morgen SPIEGEL ONLINE die Aussage seines Kollegen Oliver A.: "Der Anflug war anspruchsvoll aufgrund des Windes. Beim Aufsetzen drückte eine Böe die linke Tragfläche Richtung Boden. Wir leiteten sofort das Durchstarten ein - ein Verfahren, das in der Ausbildung oft trainiert wird. Dadurch konnten wir Herren der Lage bleiben. Der zweite Landeanflug verlief dann ereignislos."

Der Horrorflug ereignete sich am Samstagnachmittag, kurz vor 14 Uhr: Die aus München kommende Lufthansa-Maschine versuchte in Hamburg zur Landung anzusetzen - Orkantief "Emma" über der Hansestadt tobte. Örtlich traten Windböen auf, deren Geschwindigkeiten sogar über denen des Monstersturms "Kyrill" von 2007 lagen. Als der Airbus A320 fast schon gelandet ist, wird die Maschine von einer heftigen Windböe erfasst. Ein Video auf der Plattform www.liveleak.com zeigt den Landeversuch, der beinahe als Katastrophe geendet hätte.

Die Maschine wurde auf der rechten Seite nach oben gerissen, der linke Flügel berührte kurz die Landebahn. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurde dabei das Winglet beschädigt - jener Stummel an Flügelende, der Luftwirbel verringern und so Kerosin sparen soll.

Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber sagte SPIEGEL ONLINE, es habe am Samstag mehrere Durchstarts in Hamburg geben. An Bord befanden sich 131 Passagiere. "Die Piloten haben superprofessionell reagiert und die Maschine hochgezogen", sagte Weber. Das beschädigte Winglet sei repariert worden, das Flugzeug wieder einsatzbereit.

Der wackelige Landeversuch ging nicht spurlos an den Passagieren vorüber: "Vielen ging es nicht so gut", sagte Weber, "einige waren den Tränen nahe." Ein Reisender, der in der Maschine saß, berichtete dem Nachrichtensender n-tv: "Das waren Sekunden, die man kaum beschreiben kann." Axel Raab, Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS), sagte SPIEGEL ONLINE: "Das ist extrem, so etwas habe ich auf einem deutschen Flughafen noch nicht gesehen."

Nach Raabs Angaben entscheiden die Piloten, ob sie bei extremen Wetterbedingungen auf einem Flughafen landen oder nicht. Die Flugsicherung informiere die Piloten lediglich über Sicht- und Windverhältnisse.

Insgesamt hat "Emma" am Wochenende weite Teile Mitteleuropas ins Chaos gestürzt, Schäden in Millionenhöhe verursacht. Mindestens 13 Menschen wurden getötet, zahlreiche verletzt.

jdl/hda/ddp/dpa

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.