Zehntausende ohne Strom, zerstörte Gebäude Sturmtief »Eunice« wütet in Großbritannien

Ein Sturm zieht über Europa auf – und hat in Großbritannien schon gewaltige Schäden angerichtet. Mindestens ein Mensch starb, Zehntausende haben keinen Strom, Rettungsdienste melden Engpässe.
Sturm vor der englischen Küste: »Eunice hat es wirklich in sich«

Sturm vor der englischen Küste: »Eunice hat es wirklich in sich«

Foto: Christopher Furlong / Getty Images

Das Orkantief »Eunice« hat in Irland bereits tödliche Folgen: Im County Wexford wurde ein Mann von einem Baum erschlagen, wie der Fernsehsender RTE berichtet. Er sei dabei gewesen, Trümmer wegzuräumen.

Das in Deutschland »Zeynep« genannte Orkantief trifft das Vereinigte Königreich und Irland mit voller Wucht. Auf der Isle of Wight im Ärmelkanal habe man Windgeschwindigkeiten von bis zu 196 km/h gemessen – Rekord, wie die britische Wetterbehörde Met Office mitteilte. Der Sturm legte das öffentliche Leben lahm, kappte mehr als 100.000 Gebäuden den Strom und behinderte den Flug- und Zugverkehr massiv.

In London sowie in Teilen von Südengland und Wales galt Alarmstufe Rot. »Der Sturm ›Eunice‹ hat es wirklich in sich«, sagte der Chefmeteorologe des Met Office, Frank Saunders. »Wir geben nur rote Wetterwarnungen heraus, wenn wir glauben, dass das Wetter eine Gefahr für das Leben darstellt.«

O2-Arena in London: Dach zerstört

O2-Arena in London: Dach zerstört

Foto: Stefan Rousseau / dpa

Die britische Hauptstadt wirkte am Freitag wie ausgestorben. Der Zugverkehr wurde während der morgendlichen Stoßzeit eingeschränkt, mehrere Brücken waren gesperrt. Starke Winde rissen die Bespannung des Millennium Dome im Londoner Stadtteil Greenwich fort. Unter der zur Jahrtausendwende errichteten zeltartigen Konstruktion befindet sich die O2-Arena, in der schon Stars wie die Rolling Stones oder Beyoncé aufgetreten sind.

Der zentrale Rettungsdienst für Südmittelengland rief einen »kritischen Zwischenfall« aus. Es gingen ungewöhnlich viele Notrufe ein. Man konzentriere sich auf Patienten mit schweren oder lebensbedrohlichen Verletzungen. Es könne bei der Versorgung von Patienten mit weniger dringenden Bedürfnissen zu Verzögerungen kommen, sagte ein Sprecher.

In Südwesten Englands fiel in mehr als 70.000 Haushalten der Strom aus, wie der Netzbetreiber mitteilte. Auf den Londoner Flughäfen wurden mehr als 400 Flüge gestrichen, der Fährverkehr über den Ärmelkanal steht still. In Wales fuhren weder Busse noch Züge.

Die britische Armee wurde wegen des Sturms in Bereitschaft versetzt. Für den Nachmittag wurde eine Krisensitzung des britischen Kabinetts angesetzt.

»Das Dümmste, was Sie tun können«

Der Staatsminister im Innenministerium, Damian Hinds, rief die Bevölkerung auf, sich in Sicherheit zu bringen. Ein Vertreter der britischen Umweltbehörde warnte davor, auf der Jagd nach dramatischen Aufnahmen an die Küsten zu gehen. Dies wäre »wahrscheinlich das Dümmste, was Sie tun können«, sagte er.

Auch Irlands Wetterbehörde gab eine Sturmwarnung heraus. Schulen in neun Grafschaften blieben geschlossen. In mehr als 80.000 Haushalten und Geschäften fiel der Strom aus.

Von England aus sollte »Eunice« nach Dänemark weiterziehen. Züge mussten dort mit verringerter Geschwindigkeit fahren, für die Nacht wurde mit der Sperrung der Brücke über den Großen Belt gerechnet.

In den Niederlanden rief die Meteorologiebehörde Warnstufe Rot aus. Medienberichten zufolge wurden Hunderte Flüge gestrichen, der Zugverkehr sollte am Nachmittag eingestellt werden.

Auch in Belgien war der Bahnverkehr beeinträchtigt, und die Behörden riefen die Bürger auf, nur in dringenden Fällen das Haus zu verlassen. In der nordfranzösischen Bretagne verursachte »Eunice« bis zu vier Meter hohe Wellen und beeinträchtigte den regionalen Bahnverkehr.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version hieß es, alle Schulen in Irland seien geschlossen. Richtig ist, dass Schulen in neun Grafschaften geschlossen bleiben sollten.

jpz/AFP/Reuters/dpa