Sturm in Norddeutschland "Xaver" dringt nach Süden vor

Im Norden stürmt es, weiter südlich kommt das Schlimmste noch: Orkantief "Xaver" sorgt an der Nordsee für extreme Böen, Inseln sind vom Festland abgeschnitten, die Flut erobert die Halligen. Für die Nacht rechnen Meteorologen mit Schnee und warnen vor Glätte.


Hamburg - Orkantief "Xaver" greift immer weiter nach Westdeutschland und nach Süden über; am Abend erreicht Starkwind aktuellen Prognosen zufolge auch Franken, Hessen und Bayern. Nur das südwestliche Rheintal und Niederungen südlich der Donau bleiben wohl von heftigen Böen verschont. Nachts verlagert sich der Sturm zudem ostwärts, so dass Brandenburg, Berlin und Sachsen mit extremen Böen rechnen müssen. Im Nordosten, besonders in Ostseenähe, könnte der Sturm morgens erneut auffrischen.

Ausläufer des Sturms erreichten am Donnerstagnachmittag Nordrhein-Westfalen. Zuvor waren an der Nordsee bereits mehrfach Böen von mehr als 130 Stundenkilometern gemessen worden. Ähnliche Windgeschwindigkeiten könnten auch an der Ostsee auftreten.

Mit dem Wind gelangt kalte arktische Luft nach Deutschland. Im Norden geht der Regen im Laufe des Abends voraussichtlich in Schnee über; Meteorologen warnen vor Straßenglätte. Im Laufe der Nacht ziehen die Schauer bis nach Süddeutschland, vielerorts könnte es schneien. An der Nordsee und in Hamburg droht eine schwere Sturmflut. Deiche werden aktuellen Prognosen zufolge aber nicht überflutet.

Verkehr bricht vielerorts zusammen

Millionen Menschen waren aufgefordert, während des Orkans im Haus zu bleiben. Wälder sollen auch nach dem Sturm zunächst gemieden werden. Am Hamburger Flughafen fielen mehr als hundert Verbindungen aus, vor allem inländische. Auch an den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf wurden Flüge gestrichen.

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Orkantief: "Xaver" legt Norden lahm
Im Bahnverkehr gab es ebenfalls massive Behinderungen. Die Bahn stoppte nicht nur den kompletten Fernverkehr mit IC und ICE in Schleswig-Holstein, sondern sperrte auch die Trasse Hannover-Bremen. Zudem stellte sie Regionalverbindungen in Schleswig-Holstein ein: Fahrten auf die Insel Sylt wurden komplett aufgegeben, eine Reihe von Regionalzügen fiel aus oder die Geschwindigkeiten wurden reduziert, was zu Verspätungen führte. Die Bahn brachte zudem Dieselloks in die Region, um bei vereisten oder beschädigten Oberleitungen noch einsatzbereit zu sein.

Auch die Schifffahrt war betroffen: Die Inseln und Halligen vor Schleswig-Holsteins Küste waren vom Festland abgeschnitten. Die Fähren im Wattenmeer stellten den Betrieb ein. In Richtung Helgoland ging am Donnerstag ebenfalls nichts mehr: Die Schiffe der Reederei Cassen Eils stellten den Fährbetrieb zwischen Cuxhaven und der Hochseeinsel ein. Die Fährreederei Scandlines stoppte bis Freitagvormittag den Dienst auf der Route von Rostock ins dänische Gedser. Auch Stena Line kündigte Fahrplanänderungen an.

An der Westküste Schleswig-Holsteins fiel am Donnerstag an etlichen Schulen der Unterricht aus. Am Freitag soll es im gesamten Bundesland keinen Unterricht geben, ebenso an den staatlichen Schulen von Mecklenburg-Vorpommern. Auch in Hamburg durften Schüler bis zur Jahrgangsstufe 10 wegen des Sturms nach Hause gehen, Grundschüler konnten jederzeit abgeholt werden.

Weihnachtsmärkte blieben vielerorts geschlossen oder machten vorzeitig dicht. Das Hamburger Volksfest Dom öffnete gar nicht erst. Die Schausteller hatten bereits zuvor ihre Fahrgeschäfte gesichert.

Flut erobert die Halligen

Am frühen Donnerstagnachmittag begann an der Westküste Schleswig-Holsteins die erste Sturmflut. Die nordfriesischen Halligen wurden zunehmend vom Wasser erobert. Die Nordsee überspülte auf der größten Hallig Langeneß zunächst die Nordwestspitze. Auch die benachbarte Hallig Hooge melde teils "Land unter", sagte Erco Jacobsen, Leiter des Touristikbüros Hooge.

Noch ungefährdet sind die Warften, künstliche Erdhügel, auf denen alle Häuser auf den Halligen gebaut sind. In der Nacht soll das Hochwasser aber mit 3,50 Meter über dem mittleren Hochwasser noch höher ausfallen.

"Sollte das Hochwasser in der Nacht wie angekündigt 3,50 Meter steigen, könnte sogar auf einigen Warften die Nordsee gegen die Häuser schwappen", sagte Langeneß' Bürgermeisterin Heike Hinrichsen. Die gleiche Sorge gibt es auch auf Hooge. Fiede Nissen, der auf Langeneß lebt und seit 36 Jahren Postschiffer für vier Halligen ist, meinte: "Kaum einer auf den Halligen wird heute Nacht eine Auge zumachen. Es herrscht schon Anspannung."

In Hamburg könnte es eine Serie von drei oder sogar vier Sturmfluten geben. Die höchsten Wasserstände werden Freitagmorgen gegen 6 Uhr erwartet: Hamburgs Innenbehörde rechnete in der Speicherstadt, im Hafen und am Fischmarkt mit überfluteten Straßen.

In Großbritannien hat "Xaver" bereits gewütet. Etwa 100.000 Haushalte in Schottland waren nach heftigem Wind ohne Strom. Straßen und Brücken waren gesperrt, der komplette Zugverkehr in Schottland wurde eingestellt. Ein Lastwagenfahrer starb, nachdem ein Windstoß sein Fahrzeug erfasst hatte und es umkippte. In einem Park in der Grafschaft Nottinghamshire in der Mitte Englands starb ein Mann, nachdem ein Baum auf ihn gefallen war.

Die Küstenwachen in Schottland, England und Wales warnten vor Überflutungen. Auch in Dänemark wurde der Zugverkehr ab dem frühen Nachmittag schrittweise eingestellt.

Ausführliche Prognosen zu "Xaver" lesen Sie hier.

Hier finden Sie aktuelle Informationen zur Verkehrslage:

Zugverkehr:

Updates zum Orkan "Xaver" erhalten Kunden auf der Webseite der Deutschen Bahn oder unter 0180-6996633.

In Hamburg informiert die Hochbahn im Internet über Auswirkungen auf den U-Bahn- und Busverkehr.

Reedereien:

Frisia (fährt nach Norderney und Juist): 04931-9870

Syltfähre: 0461-864601

Fluglinien:

Flughäfen:

Aktuelle Neuigkeiten über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

Autoverkehr:

Der ADAC informiert auf seiner Webseite über die Lage auf Deutschlands Straßen.

Leseraufruf
  • DPA
    Orkanböen von über 150 Kilometern in der Stunde, Schneefall, Sturmflut: Norddeutschland wappnet sich für Orkantief "Xaver". Die Feuerwehr warnt vor umherfliegenden Gegenständen und umstürzenden Bäumen. Hat es auch bei Ihnen kräftig gestürmt?
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bim/boj/dpa

insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
somasemapsyches 05.12.2013
1. Alte Regel
Je größer das Geschrei vorher, desto weniger ist zu erwarten. Aber wehe, der Wetterdienst meldet sich mal nicht....
spon-facebook-694210307 05.12.2013
2. optional
Hier in fl empfand ich christian bisher deutlich stärker. Der hat hier auch das uni dach zerschossen. Ich war eben draußen und nicht sonderlich verängstigt oder so. Bei christian gabs dachziegel und kaputte türen in in der innenstadt..davon ist hier bisher nix zu sehen. Uni und schulen sind ausgefallen..warum verstehe ich nicht.
Humboldt 05.12.2013
3. Landunter
Zitat von sysopDPAIm Norden stürmt es, weiter südlich kommt das schlimmste noch: Orkantief "Xaver" sorgt an der Nordsee für extreme Böen, Inseln sind vom Festland abgeschnitten, die Flut erobert die Halligen. Für die Nacht rechnen Meteorologen mit Schnee und warnen vor Glätte. http://www.spiegel.de/panorama/orkantief-xaver-extreme-boeen-an-den-kuesten-a-937441.html
Melden denn die Halligen schon "Landunter"? Das ist immerhin eine offizielle Wettermeldung des Deutschen Wetterdienstes, wenn das eingetreten ist!
bildungsarbeiter 05.12.2013
4. Stilblüten im Sturm
Zitat von sysopDPAIm Norden stürmt es, weiter südlich kommt das schlimmste noch: Orkantief "Xaver" sorgt an der Nordsee für extreme Böen, Inseln sind vom Festland abgeschnitten, die Flut erobert die Halligen. Für die Nacht rechnen Meteorologen mit Schnee und warnen vor Glätte. http://www.spiegel.de/panorama/orkantief-xaver-extreme-boeen-an-den-kuesten-a-937441.html
Dass es so schlimm kommt, hat keiner für möglich gehalten.
Nilgärtner 05.12.2013
5. Wo isser denn?
Also in Hamburg ist nur etwas Wind - wäre nicht die mediale Hysterie, hätten wir einen ganz normalen hanseatischen Herbst-/Wintertag...
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