Orkantief über Europa Welche Schäden »Zeynep« hinterlässt

Mehrere Menschen sind in Deutschland und anderen Ländern durch das Orkantief »Zeynep« ums Leben gekommen. Eine Entwarnung ist nicht in Sicht – bis Montag soll es stürmisch bleiben.
Wellen schlagen in Bremerhaven über Kaimauern

Wellen schlagen in Bremerhaven über Kaimauern

Foto: Michael Bahlo / dpa

Das Orkantief »Zeynep« hat Europa noch immer im Griff: Mehrere Menschen sind seit Freitag ums Leben gekommen. Hunderttausende Haushalte hatten keinen Strom, an vielen Orten kam es zu Zerstörungen. Ein Autofahrer starb nach Angaben der Polizei am Freitagabend bei Altenberge in Nordrhein-Westfalen, als er mit dem Auto gegen einen quer auf der Fahrbahn liegenden Baum prallte. Der eingeklemmte 56-Jährige sei noch am Unfallort gestorben.

In Wurster Nordseeküste in Niedersachsen ist ein Mann durch das Dach eines Stalls eingebrochen und zehn Meter in den Tod gestürzt. Der 68-Jährige habe in der Nacht auf Samstag versucht, das beschädigte Dach zu reparieren, teilte die Polizei mit.

Etwa zur selben Zeit war ein Mann mit seinem Wagen im westfälischen Saerbeck unterwegs, als sich das Fahrzeug nach Polizeiangaben überschlug. Der 33-Jährige starb demnach ebenfalls noch am Unfallort. Die Ursache dieses Unfalls war zunächst unklar, vermutlich sei das Auto von einer Windböe erfasst worden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Abend. Wenn sich das bestätigt, wäre er das europaweit mindestens zehnte Todesopfer des Orkans.

Umstürzende Bäume beschädigten in Norden in Ostfriesland etwa Oberleitungen, ebenso Überland-Telefonleitungen. Dächer mussten gesichert werden, Teile von Garten- und Blockhäusern und mehrere Trampoline wurden von den Straßen geräumt.

Allein im Landkreis Aurich verzeichneten die Retter in der Nacht weit mehr als 500 Einsätze, die Feuerwehr beklagte »Einsatzstellentouristik« – trotz der Warnung, sich nicht unnötig im Freien aufzuhalten. In Hamburg rückten die Einsatzkräfte in der Nacht mehr als 650-mal aus

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»Zeynep« tobt über Deutschland

Foto: Axel Heimken / dpa

Der Sturm drückt die Nordsee kräftig die Elbe hoch. Am Pegel St. Pauli wurden Samstagfrüh 3,75 Meter über dem mittleren Hochwasser gemessen, wie es vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hieß. Ab einem Pegel von 3,50 Meter wird von einer sehr schweren Sturmflut gesprochen.

Menschen per Schlauchboot aus dem Auto in der Elbe gerettet

Zwei Menschen wurden in Hamburg von der Feuerwehr per Schlauchboot aus ihrem im Wasser treibenden Auto gerettet. Die Elbe hatte den Bereich überschwemmt. Beide wurden in ein Krankenhaus gebracht. Am Morgen trieben im Bereich der HafenCity noch mehrere Autos in dem über die Ufer getriebenen Elbwasser.

»Zeynep« richtete insgesamt aber wohl weniger Schaden an als befürchtet, in der Regel blieb es bei Sachschäden und umgestürzten Bäumen. Der Deutsche Wetterdienst hatte im Laufe des Abends in Kiel, Hamburg, auf Sylt und auf Helgoland Windstärken zwischen 9 und 11 gemessen, in Büsum wurde eine Orkanböe mit 143,3 Kilometer pro Stunde festgestellt.

In Bremen musste wegen eines erwarteten Hochwassers ein Parzellengebiet in der Pauliner Marsch evakuiert worden, sagte eine Polizeisprecherin am Freitagabend. »Das ist Jahre her, dass wir zu so einer Maßnahme greifen mussten.«

In der Stadt stürzte unterdessen ein 55 Meter großer Baukran um. Der Kran sei auf ein im Rohbau befindliches Bürogebäude gekracht, sagte ein Feuerwehrsprecher. »Es sieht verheerend aus.« Auch ein gerade vorbeifahrender Laster sei von dem Kran erwischt worden, der Fahrer blieb jedoch unverletzt. Die Trümmerteile blockierten die Straßen. Die Beseitigung werde noch bis zum Anfang der kommenden Woche dauern.

In Nordrhein-Westfalen ist die Rheinbrücke Emmerich bis auf Weiteres gesperrt. Grund dafür seien umgestürzte Gerüstteile, die in die Fahrbahn ragen, teilte die Polizei am frühen Samstagmorgen mit. Mindestens bis Montag soll es stürmisch bleiben, wie es vom DWD heißt. »Es kehrt einfach keine Ruhe ein«, sagte ein Meteorologe.

Auf der Fehmarnsundbrücke in Schleswig-Holstein kippten in der Nacht zwei Laster um. Ein Fahrer wurde dabei laut Polizei verletzt, die Brücke ist seitdem gesperrt.

»Zeynep« beziehungsweise »Eunice« ist das zweite starke Sturmtief über Deutschland und anderen europäischen Ländern binnen weniger Tage. Erst am Mittwoch und Donnerstag hatte das Tief »Ylenia« bei seinem Zug über Deutschland großflächige Ausfälle im Zugverkehr und tausende Feuerwehreinsätze ausgelöst. Auch »Ylenia« führte zu Toten und Verletzten in Deutschland und anderen Ländern.

In den Niederlanden kamen drei Menschen durch umstürzende Bäume ums Leben, darunter war auch ein Radfahrer. Großbritannien meldete ebenfalls drei Todesopfer. In London wurde erstmals die höchste Warnstufe Rot ausgerufen.

In Irland starb ein Mann infolge des Orkantiefs. In Frankreich wurden mindestens elf Menschen verletzt. Im Norden des Landes waren am Abend rund 130.000 Haushalte ohne Strom.

als/apr/dpa/AFP
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