Warum wir Ostereier verstecken O du eierlikörselige!

Wer war zuerst da: Hase oder Ei? Was haben Eier überhaupt mit der Auferstehung zu tun? Und wieso zündet man eigentlich riesige Osterfeuer an? Alles, was Sie über Bräuche zum Osterfest wissen müssen.
Friede, Freude, Karies: Osterhasen – hier im brandenburgischen Hornow (2010)

Friede, Freude, Karies: Osterhasen – hier im brandenburgischen Hornow (2010)

Foto: Patrick Pleul / DPA

Wer hat uns das nur eingebrockt, Himmelherrgott Sakrament? Jeder, der am Ostersonntagmorgen schon mal todmüde durch den Garten gewankt ist und in Rekordtempo bunt eingewickelte Süßigkeiten unter Büsche, Tische, Bänke, in Blumentöpfe, Schuhe und Gießkannen gestopft hat, wird sich diese Frage wohl gestellt haben.

Der Allmächtige war's nicht, so viel ist klar. Aber wer ist dann schuld daran, dass wir alle Jahre wieder im Morgengrauen nach draußen hasten, in stetiger Panik, vom aufgeregten Nachwuchs entdeckt zu werden, stets darum bemüht, etwas origineller als im Vorjahr zu sein? Wen können wir dafür zur Verantwortung ziehen, dass wir beim Versuch, Eier unfallfrei auszupusten, entweder eine Ohnmacht oder einen Wutanfall erleiden – je nach Temperament und Ergebnis der Bemühungen?

Fest steht, dass das Ei schon in der Antike als Symbol des Lebens galt. Im Christentum entwickelte es sich zum Zeichen der Auferstehung Jesu: Es hält Leben in sich verschlossen – so wie das Grab Christus in sich hält, der dann daraus aufersteht.

Den Brauch, an Ostern Eier zu verschenken, gibt es etwa seit dem 16. Jahrhundert. Damals waren Eier während der christlichen Fastenzeit tabu – die Hühner legten aber selbstverständlich weiterhin welche. Um sie haltbar zu machen, wurden sie gekocht und traditionell rot gefärbt.

Rot gilt als Farbe des Lebens, aber auch als Zeichen für das Blut Christi. Heute schillern gekochte Ostereier in allen Farben – auch weil vielen Menschen die christliche Dimension dieses Festes nicht mehr allzu geläufig ist.

Eier und Hasen als Pachtzins

Bleibt die Frage nach dem Osterhasi: Warum muss ausgerechnet er die Protein- oder wahlweise Schokobömbchen verstecken? Warum übernimmt das nicht der Fuchs, die Elster, die eierlegende Wollmilchsau?

Bereits die Römer sahen im Hasen ein Zeichen der Fruchtbarkeit, weil er sich so rasant fortpflanzt. Im Mittelalter zahlten die Bauern die Abgaben für das von ihnen bestellte Land dann üblicherweise in Naturalien. Einer der Termine fiel regelmäßig in die Osterzeit, etwa auf den Gründonnerstag. Dann dienten hart gekochte Eier als Pachtzins – aber auch Hasen. Gut möglich also, dass diese zeitliche Koinzidenz und die vergleichbare Symbolik dazu geführt haben, dass der eierbringende Osterhase als Figur entstand.

Wissenschaftlich erwähnt wurde er bereits Ende des 17. Jahrhunderts. Im 1682 erschienenen Werk »Von Ostereiern« (»De ovis paschalibus«) wird ausgeführt, dass in Südwestdeutschland, der Pfalz, im Elsass und in Westfalen solche Ostereier Haseneier hießen. Demnach erzählte man einfältigen Leuten und kleinen Kindern, der Osterhase brüte sie aus und verstecke sie im Gras.

Eine infame Lüge. Aber eine, die bis zum heutigen Tag bis weit ins Grundschulalter geglaubt wird. Auch weil sie geglaubt werden will: Der Brauch ist einfach zu herrlich, um durch rationale Argumente gefährdet oder gar beendet zu werden.

Ein Feuer gegen die Dunkelheit

Ein weiteres Ritual, das an Ostern gern Umweltschützer und Pyromanen gegeneinander aufbringt, ist das Osterfeuer. Was hat es damit auf sich? Warum errichten Menschen anlässlich der Auferstehung Christi bitteschön einen Scheiterhaufen?

Schon bei den Germanen wurde der Frühling mit einem Feuer begrüßt – es sollte die dunkle Jahreszeit sowie Hexen und Geister vertreiben. Die ersten christlichen Osterfeuer gab es wohl um 750 in Frankreich, im deutschsprachigen Raum sind sie seit dem 11. Jahrhundert bekannt.

Über den Winter werden Holz und Zweige gesammelt und aufgeschichtet. In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag wird das Feuer dann als Teil der christlichen Osternachtsfeier vor der Kirche entfacht, die Osterkerze daran entzündet und ins dunkle Gotteshaus getragen.

In vielen Orten Deutschlands schert man sich inzwischen jedoch wenig um diesen religiösen Zusammenhang. Das Osterfeuer, das auch gern an einem anderen Ostertag entfacht wird, ist zum sozialen Event mutiert. Man plaudert, isst, trinkt – und überlegt schon einmal, wo man dieses Jahr die Eier versteckt.

Mit Material von dpa