Ostfriesland Leiche lag zwei Tage in Kliniktoilette

Zwei Tage dauerte es, dann wurde die Leiche eines Mannes gefunden. Er war an einer Überdosis Drogen gestorben - auf der Toilette eines Krankenhauses.


Leer - Wohl nirgendwo hätte der Mann bessere Chancen gehabt, zu überleben: Schließlich war er direkt in einem Krankenhaus, als er sich die Drogen spritzte. Doch im Kreiskrankenhaus Leer scherte sich offenbar niemand um eine tagelang verschlossene Tür einer Besuchertoilette. Auch die Putztruppe, die für die Reinigung verantwortlich ist, schritt nicht ein. Erst nach zwei Tagen entdeckte ein Klinikmitarbeiter schließlich die Leiche des Mannes, berichtet die "Ostfriesen-Zeitung" am Freitag. Der Vorfall liege etwa zwei Monate zurück.

Auf die Frage, wie es zu erklären sei, dass ein Drogentoter in der Klinik tagelang nicht gefunden wird, antwortete Landrat Bernhard Bramlage dem Blatt, das Kreiskrankenhaus Leer sei "ein offenes und besucherfreundliches Haus und will dies auch bleiben". Dabei könne es passieren, "dass auch ein Drogenabhängiger sich auf der Besucher-Toilette einschließt". Personelle Konsequenzen schloss Bramlage aus: Die Kontrolle der Toiletten sei Aufgabe der Reinigungsfirma. "Insofern stellt sich die Frage nach personellen Konsequenzen allenfalls bei der Reinigungsfirma."

Auch in der Klinik wurde die Verantwortung auf die Reinigungsfirma geschoben. Der Betriebsdirektor des Krankenhauses, Holger Glienke, sagte: "Wenn eine Toilettenkabine abgeschlossen ist, kann leider nicht festgestellt werden, wie lange das schon der Fall ist." Um ungebetene Besucher abzuhalten, müssten Räume wie Toiletten stärker kontrolliert werden. Das sei Aufgabe der Reinigungsfirma. Generelle Besucherkontrollen seien weder möglich noch gewollt.

Die Klinik in Leer war bereits mehrmals in den Schlagzeilen: Im Februar, so berichtete damals die "Hannoversche Allgemeine Zeitung", saugten Ärzte einer Patientin Fett ab - statt ihren Leistenbruch zu operieren. Sie hatten den Namen der Frau verwechselt. Anfang 2002 sollen Mitarbeiter des Krankenhauses ein OP-Tuch im Bauchraum eines 67-jährigen Mannes vergessen haben. Das Tuch war bei einer späteren Operation in einem anderen Krankenhaus entdeckt worden. Der Patient starb zehn Monate nach dem Eingriff.

Im Frühjahr berichtete die "Hannoversche Allgemeine" über einen Mann, der nach einem geplanten winzigen Eingriff zum Schwerbehinderten wurde: Bei dem Versuch mit millimeterkleinen Instrumenten Verwachsungen zwischen Darm und Bauchdecke zu lösen, hätte ein Arzt den Dünndarm so verletzt, dass dieser bei einer Folgeoperation fast völlig entfernt werden musste. Wochenlang habe der Patient an Krämpfen, Fieber und Blähungen gelitten. Die Klinik habe auf seine Beschwerden nicht reagiert. Als sich der Zustand des Mannes rapide verschlechterte, habe seine Familie eine Verlegung in eine Fachklinik veranlasst - wo ihm die Ärzte in einer Notoperation das Leben gerettet hätten. Dass über die Chirurgie-Abteilung schon mehrmals Negatives bekannt wurde, sei Zufall, wurde der Kreissprecher in dem Bericht vom 10. April zitiert. Personelle Konsequenzen habe es auch damals nicht gegeben.



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