Sturmtief "Axel" Hunderte Verkehrsunfälle - Wetterdienst warnt vor Wintergewittern

Im Süden Bayerns hat sich die Zahl der Verkehrsunfälle vervielfacht, Meteorologen gehen weiterhin von heftigem Schneefall aus: Tief "Axel" hat Deutschland im Griff - und im Norden große Schäden angerichtet.


In Süddeutschland ist es wegen glatter Straßen und heftiger Schneefälle zu Dutzenden Verkehrsunfällen gekommen. Im Süden von Oberbayern habe es bis zum Morgen etwa 160 Verkehrsunfälle binnen einem Tag gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Das seien etwa dreimal so viele wie sonst. Im Norden der Region gab es nach Polizeiangaben weitere 170 Unglücke auf den Straßen.

Auf der Flughafentangente zum Münchener Flughafen geriet bei Moosinning eine Autofahrerin auf die Gegenfahrbahn und stieß am Mittwoch mit einem Lastwagen zusammen, die Frau wurde schwer verletzt. Auf der Autobahn 8 bei Siegsdorf prallte ein Auto bei Blitzeis auf einen Wagen, der in einer Pannenbucht stand. Dabei wurde ein 29 Jahre alter Mann schwer verletzt, drei weitere Menschen erlitten leichte bis mittelschwere Verletzungen. In der Oberpfalz registrierte die Polizei 35 wetterbedingte Unfälle mit mehreren Verletzte.

Ein Schaden von 500.000 Euro ist beim Zusammenstoß zweier Lastwagen auf der Autobahn 9 in Oberfranken entstanden. Ein Fahrer hatte bei schneebedeckter Fahrbahn die Kontrolle über seinen Lkw verloren, der gegen die Mittelleitplanke raste und sich querstellte. Ein weiterer Lkw-Fahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr mit seinem Lastwagen auf. Die beiden Männer wurden in ihren Fahrerkabinen eingeklemmt und leicht verletzt.

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Sturmtief "Axel": Schnee, Glätte, Wassermassen

In Bayern warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) weiterhin vor starkem Schneefall mit Schneeverwehungen, eine Unwetterwarnung für Baden-Württemberg ist inzwischen wieder aufgehoben. Vor allem im Alpenraum sei aufgrund von starkem Schneefall und Schneeverwehungen Vorsicht geboten, sagte ein DWD-Sprecher.

Vor allem im Osten und Süden Deutschlands kann es laut DWD heute auch tagsüber bei kräftigen Schnee- und Graupelschauern zu Wintergewittern kommen. An den Nordrändern der Mittelgebirge sowie an den Alpen könne es lang anhaltende Schneefälle geben. Im Bergland könnten die Temperaturen über frisch gefallenem Schnee sogar auf minus 20 Grad sinken. Am Freitag sei in ganz Deutschland tagsüber "gemäßigter Frost" bis minus sieben Grad zu erwarten.

In Norddeutschland führte die stärkste Sturmflut an den deutschen Ostseeküsten seit 2006 zu zahlreichen Überschwemmungen und Schäden. Betroffen waren am Mittwochabend unter anderem Kiel, Lübeck, Rostock, Warnemünde, Flensburg, Eckernförde, Wismar und Usedom. Menschen wurden nach Angaben der Polizei durch die Wassermassen nicht verletzt. Die Höhe der Sachschäden könne noch nicht beziffert werden, sagte eine Polizeisprecherin.

Vielerorts lagen die Pegelstände der Ostsee zwischen 1,50 und 1,70 Meter höher als üblich. Am frühen Donnerstagmorgen war ein Teil des Wassers wieder abgelaufen. "Es war die stärkste Sturmflut seit 2006", sagte Jürgen Holfert, Leiter des Wasserstanddienstes Ostsee des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie. "Es dürfte am Donnerstagmorgen der Wasserstand oft noch einen Meter höher als sonst sein", sagte der Ozeanograf. "Die Gefahren der Sturmflut sind aber gebannt."

In Lübeck und Flensburg wurden zahlreiche Autos aus überfluteten Flächen gezogen. Zugänge zur Lübecker Altstadt waren für Fußgänger nicht mehr passierbar. Der Einsatzstab sei kurzfristig personell verstärkt worden wegen zunehmender Notrufe, sagte Matthias Schäfer von der Feuerwehr Lübeck. "Viele Leute hatten ihre Häuser nicht genügend gesichert, wir mussten mit Sandsäcken die Objekte schützen."

Auf Usedom verursachte die Sturmflut größere Schäden, dort wurde die Alarmstufe 3 ausgerufen. Zwischen Koserow und Zempin gab es Steiluferabbrüche. Treppenaufgänge, Imbissbuden und Teile von Strandpromenaden seien weggerissen worden, sagte ein Sprecher des Kreises Vorpommern-Greifswald: "Das ist kein Kindergeburtstag. Das ist schlimmer als erwartet."

Auf Rügen überspülte das Hochwasser im Bereich Mönchgut-Granitz eine Straße und schnitt einen Ortsteil von der Hauptgemeinde Gager ab. Das Wasser stehe rund 40 Zentimeter hoch auf der Zufahrtsstraße, sagte der Kreisfeuerwehrchef von Vorpommern-Rügen, Gerd Scharmberg. Zudem sei auf Mönchgut-Granitz ein Deich auf etwa 100 Meter Länge überflutet worden. Menschen seien nicht gefährdet, hinter dem Deich lägen Wiesen. Rund 120 Feuerwehrleute seien dort alarmiert worden.

In Wismar liefen am Abend im Hafenbereich der Altstadt einige Keller voll, sagte Stadtsprecher Marco Trunk. Das Wasser sei auf einen Pegelstand von knapp 1,70 Meter über Normal gestiegen, was einer schweren Sturmflut entspricht. Genaue Schäden könnten noch nicht beziffert werden. Teile des Alten Hafens waren überflutet.

Da in Stralsund die Hafeninsel teilweise überflutet wurde, wurde das Ozeaneum - Mecklenburg-Vorpommerns besucherstärkstes Museum - mit Spundwänden gesichert. In Kiel wurde die Uferstraße an der Förde zwischen dem Institut für Weltwirtschaft und dem Marinehafen überschwemmt. Sturm und Schnee sorgten auch für zahlreiche Unfälle in Mecklenburg-Vorpommern, allein zwischen 18 und 22 Uhr wurden der Polizei 22 glättebedingte Unfälle gemeldet

Tief "Axel" zieht von Skandinavien quer über die Ostsee und soll sich dann in Richtung Weißrussland bewegen.

max/mxw/dpa/AFP



insgesamt 59 Beiträge
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guentherzaruba 05.01.2017
1. Möglicherweise
werden Überschwemmungen bzw. Hohe Wasserstände bald durch Strömungen und den Anstieg des Meeres die Regel. Man könnte also dann schon mal mit Evakuierung Plänen und Flüchtlingsunterkünften auf höher gelegenen Orten beginnen. ( Holland, Schleswig Holstein, ..........)
masterrobin93 05.01.2017
2. Hier in NRW ist sehr wenig Schnee
Über NRW berichtet ihr komischerweise nicht. Hier hat es auch viel Hagel und Schnee gegeben, heute soll die Sonne scheinen.
BeatDaddy 05.01.2017
3. Toi, toi, toi,
die Gegend um Frankfurt/Main wurde bisher von diesen Wetterextremen verschont...
bronck 05.01.2017
4. Was bin ich froh
im Rheinland zu leben, wo es solches Unbilden nicht gibt. Heute morgen nur ein wenig Reif auf der Straße und sonst nix.
112211 05.01.2017
5. Minus 7 Grad!!!
Minus 7° und das im Januar. Unglaublich! Bei solchen Meldungen kommt der Gedanke, dass es neben dem Sommer- auch ein Winterloch gibt. Den Kfz Fahrern kann man hingegen nur empfehlen, die Geschwindigkeit anzupassen. Aber nein, das geht ja nicht, Termine, Termine, Termine. Und dann landet das geliebte Fahrzeug im Graben, oder, wie hier, die Lkws in der Mittelplanke bzw ineinander.
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