Affäre um Kindesmissbrauch durch einen Priester Papst akzeptiert Rücktritt von Kardinal Barbarin

Vor Kurzem war Kardinal Barbarin von dem Vorwurf freigesprochen worden, jahrelang den sexuellen Missbrauch eines Priesters gedeckt zu haben. Nun hat er überraschend seinen Rücktritt eingereicht.
Philippe Barbarin, bisher höchster katholischer Würdenträger Frankreichs

Philippe Barbarin, bisher höchster katholischer Würdenträger Frankreichs

Foto: ROBERT PRATTA/ REUTERS

In der Affäre um sexuellen Missbrauch durch einen Priester hat Papst Franziskus den Rücktritt von Kardinal Philippe Barbarin angenommen, dem höchsten katholischen Würdenträger Frankreichs. Der Papst habe das Rücktrittsgesuch des Lyoner Erzbischofs am Freitag akzeptiert, teilten die Erzdiözese Lyon und der Vatikan mit.

Die letzten vier Jahre seien sehr schmerzhaft gewesen und es sei gut, nun eine neue Seite aufzuschlagen, sagte der 69-jährige Barbarin in einer von der Diözese veröffentlichten Videobotschaft.

Der Schritt kommt überraschend: Ende Januar hatte das Berufungsgericht von Lyon Barbarin von dem Vorwurf freigesprochen, jahrelang den sexuellen Missbrauch von Jungen durch einen Priester seiner Diözese gedeckt zu haben. "Ich habe niemals versucht, diese schrecklichen Taten zu verheimlichen, und noch weniger, sie zu decken", sagte Barbarin vor Gericht.

Papst lehnte erstes Rücktrittsgesuch ab

In erster Instanz war der Kardinal noch zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Nach dem Schuldspruch hatte der Papst ein erstes Rücktrittsgesuch Barbarins unter Verweis auf das laufende Berufungsverfahren abgelehnt. Barbarin hatte sich dann entschieden, sich eine Zeit lang zurückzuziehen, und den Generalvikar mit der Leitung der Diözese beauftragt.

Kardinal Barbarin und anderen Geistlichen wurde vorgeworfen, Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Priester Bernard Preynat nicht weiter verfolgt zu haben. Dieser soll in den Achtzigerjahren Dutzende Kinder sexuell missbraucht haben. Während eines aufsehenerregenden Verfahrens im Januar gestand Preynat zahlreiche Übergriffe. Im März will ein Gericht sein Urteil in diesem Fall verkünden.

lmd/dpa/AFP