Katastrophe in Pakistan "Der Pilot machte eine Ansage zur Landung, aber das Flugzeug stürzte ab"

Fast hundert Menschen starben, als in der pakistanischen Millionenstadt Karatschi eine Passagiermaschine abstürzte. Nun gibt es neue Details über den Unglückshergang - auch, weil es zwei Überlebende gibt.
Unglücksstelle in Karatschi: "Die Menschen gerieten in Panik"

Unglücksstelle in Karatschi: "Die Menschen gerieten in Panik"

Foto: AKHTAR SOOMRO/ REUTERS

Noch immer sind die Einsatzkräfte zwischen Flugzeugtrümmern und Gebäudeteilen im Einsatz, noch immer steht Pakistan unter Schock: Beim Absturz eines Passagierflugzeugs über einem Wohngebiet der Metropole Karachi sind wohl mindestens 97 Menschen ums Leben gekommen.

Unklar indes ist auch einen Tag nach der Katastrophe, wie genau es zu dem Unglück kam. Inzwischen haben die Behörden nach eigenen Angaben jedoch eine Blackbox gesichert, sodass es bald detaillierte Erkenntnisse über mögliche technische Pannen geben dürfte. Bislang deutet vieles darauf hin, dass beide Triebwerke beim Landeanflug ausgefallen sind.

Einer von insgesamt nur zwei überlebenden Flugzeuginsassen schilderte im Fernsehen, wie er das Unglück wahrgenommen hat. "Die Menschen gerieten in Panik und begannen laut zu beten", sagte Muhammad Zubair dem Sender Geo TV über die letzten Minuten vor dem Absturz.

"Der Pilot hielt das Flugzeug für die nächsten zehn bis fünfzehn Minuten in der Luft und machte eine zweite Ansage zur Landung, aber das Flugzeug stürzte ab", sagte Zubair. "Nach dem Aufprall der Maschine kam ich wieder zu Bewusstsein und sah überall nur Flammen."

"Als wir das letzte Mal von dem Piloten hörten, sagte er, er habe ein technisches Problem"

PIA-Chef Arshad Malik

"Überall waren Schreie von Kindern, Erwachsenen und älteren Menschen zu hören", so der 24-Jährige weiter. "Ich habe meinen Sicherheitsgurt gelöst, Licht gesehen und bin in dessen Richtung gegangen. Dann bin ich rausgesprungen."

Zubair erlitt demzufolge Verbrennungen, sei aber in einem stabilen Zustand, sagte ein Beamter des Gesundheitsministeriums. Von den 99 Insassen der Maschine starben 97. Am Freitag war zwischenzeitlich von drei Überlebenden die Rede, weil eine verletzte Anwohnerin des Absturzortes zu den Passagieren gezählt wurde.

In dem Wohngebiet sind bisherigen Angaben der Behörden zufolge keine Bewohner ums Leben gekommen. Allerdings sind die Einsatzkräfte noch mit der Identifizierung der Toten beschäftigt, zudem gestalten sich die Arbeiten an der Unglücksstelle schwierig.

Kurz vor dem Absturz habe der Pilot dem Tower technische Probleme der Maschine gemeldet, sagte der Chef von Pakistan International Airlines (PIA), Arshad Malik. Funksprüche deuteten auf ein Versagen eines Triebwerks der Maschine hin. Augenzeugen berichteten lokalen Fernsehsendern, sie hätten das Flugzeug um den Flughafen kreisen gesehen, bevor es in dem Wohngebiet abgestürzt sei.

Der Airbus mit der Flugnummer PK8303 war auf dem Weg von der östlichen Stadt Lahore nach Karatschi. Offiziellen Angaben zufolge befanden sich an Bord der Maschine 91 Passagiere und acht Crewmitglieder.

DER SPIEGEL

Pakistans Premierminister Imran Khan drückte den Opfern und Familien nach dem Absturz sein Beileid aus. Er sei schockiert und betrübt über den Absturz, schrieb Khan auf Twitter. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel schickte eine Beileidsbekundung an Premier Khan.

Luftverkehrsminister Ghulam Sarwar Khan versprach Entschädigungen für die Hinterbliebenen der Opfer. Eine Million pakistanische Rupien (umgerechnet etwa 5700 Euro) sollen Angehörige demzufolge neben Versicherungsbeträgen jeweils für Verstorbene erhalten. Die beiden Überlebenden bekämen die Hälfte des Betrags. Auch die Anwohner der Absturzstelle, deren Häuser verwüstet wurden, sollen Geld erhalten.

Zudem versprach Khan eine rasche Aufklärung der Absturzursache: "Ich kann Ihnen versichern, dass gegen die für den Unfall Verantwortlichen nach einer freien und fairen Untersuchung vorgegangen wird." Pakistans Regierung hatte bereits am Freitagabend eine umfassende Untersuchung des Unglücks versprochen. Eine vierköpfige Delegation unter Aufsicht der Luftwaffe soll den Unfallhergang rekonstruieren und erste Ergebnisse innerhalb eines Monats präsentieren.

Innenminister Ijaz Ahmad Shah hatte erklärt, dass die Maschine technische Probleme gehabt habe. Der Pilot habe nach dem Ausfall eines Triebwerks einen Notruf abgesetzt. "Als wir das letzte Mal von dem Piloten hörten, sagte er, er habe ein technisches Problem", sagte PIA-Chef Malik. "Ihm wurde gesagt, dass zwei Landebahnen frei seien, aber er entschied sich dafür, wieder zu beschleunigen."

"Wir drehen um, Sir, die Triebwerke sind ausgefallen"

Funkspruch des Piloten vor dem Absturz

Eine Aufzeichnung des Funkverkehrs zwischen Pilot und Tower wurde auf dem Portal Liveatc.net veröffentlicht. Demnach brach der Pilot einen ersten Landeversuch ab und versuchte in der Folge erneut, zur Landung anzusetzen. Ein Fluglotse sagt dem Piloten demnach, dass die Maschine offenbar nach links drehe und vom Kurs abkomme. Der Pilot antwortete: "Wir drehen um, Sir, die Triebwerke sind ausgefallen." Der Fluglotse gab zwei Landebahnen für die Maschine frei, ehe der Pilot zwölf Sekunden später einen Notruf absetzte. Erneut sagte der Lotse, dass zwei Landebahnen frei seien. Dann brach die Verbindung ab.

Ein Augenzeuge berichtete laut Reuters, das Flugzeug habe erst einen Mobilfunkmast gerammt und sei dann wenige Kilometer vor dem Flughafen abgestürzt. Fernsehbilder zeigten schwer beschädigte Häuser, Trümmerteile und schwarze Rauchwolken über der Absturzstelle. Rettungskräfte und Anwohner bargen Opfer aus den Trümmern, Feuerwehrleute löschten Wrackteile.

Die Maschine war nach Angaben des Flugzeugbauers Airbus 2004 in Betrieb genommen und ab 2014 für Flüge der pakistanischen Airline eingesetzt worden. Pakistan International Airlines gehörten bis in die Siebzigerjahre zu den international führenden Fluggesellschaften. Inzwischen leidet die Airline unter häufigen Flugstreichungen, Verspätungen und finanziellen Schwierigkeiten. 

Der Absturz erfolgte nur eine Woche nach der Entscheidung der pakistanischen Behörden, den Flugverkehr im Inland wieder aufzunehmen. Wegen der Corona-Pandemie sind internationale Flüge in das südasiatische Land noch bis Ende des Monats ausgesetzt.

mxw/dpa/AFP
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