Unglück in Pakistan Mindestens 74 Tote bei Feuer in Zug

Die Waggons brannten lichterloh: Bei einem Zugbrand in Pakistan sind mindestens 74 Menschen ums Leben gekommen. Helfer befürchten noch mehr Tote. Ein von Passagieren mitgebrachter Gaskocher soll explodiert sein.

Asghar Bhawalpur/ Reuters

Flammen schlugen aus den Waggons: Bei einem schweren Zugunglück im Osten Pakistans sind mindestens 74 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 30 weitere seien verletzt worden, teilte der Polizeichef der Stadt Rahim Yar Khan mit. Örtlichen Medienberichten zufolge ereignete sich das Unglück im Bezirk Rahim Yar Khan in der Provinz Punjab.

Bei den meisten Todesopfern handelte es sich laut Ali Nawaz von der pakistanischen Bahngesellschaft um Pilger, die zu einem muslimischen Fest in der Nähe der Stadt Lahore reisen wollten. Zu der dreitägigen religiösen Veranstaltung werden in diesem Jahr nach Angaben der Organisatoren bis zu 500.000 Teilnehmer aus ganz Pakistan erwartet.

Der Zug war unterwegs von Karachi nach Lahore, mehr als 200 Passagiere seien in den betroffenen Waggons gereist, sagte ein Vertreter der Eisenbahn. Auf Fernsehbildern waren lichterloh brennende Waggons zu sehen. Es waren weinende Menschen zu hören.

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Zugunglück in Pakistan: Feuer beim Frühstück

Auslöser des Feuers sei die Explosion eines Gaskochers gewesen, mit dem Passagiere ihr Frühstück zubereiten wollten, teilte die Polizei mit. Das dabei verwendete Bratöl habe das Feuer zusätzlich angefacht. Die Mitnahme von Gaskochern ist eigentlich verboten.

Hätte das Unglück verhindert werden können?

Bahnminister Shaikh Rashid Ahmed sagte, er erkenne "unseren Fehler an, die Pilger nicht am Mitnehmen von Kochern und Gasflaschen gehindert zu haben". Bislang sei diese Ausnahme bei der Pilgerfahrt gemacht worden, dies werde sich aber nicht wiederholen. Zuvor hatte Menschenrechtsministerin Shireen Mazari auf Twitter geschrieben: "Die Tragödie hätte verhindert werden können."

Mindestens drei Waggons waren laut dem Eisenbahnminister durch die Explosion in Brand geraten. Daraufhin seien Menschen von dem schnell fahrenden Zug gesprungen, um sich zu retten, sagte der Minister.

Eine Rettungskraft, Baqir Hussain, gab an, der Großteil der Opfer sei in den Waggons verbrannt. Weitere Menschen seien infolge des Absprungs vom Zug gestorben. DNA-Tests würden zur Identifizierung der Opfer durchgeführt, denn die Körper der allermeisten Opfer seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

"Schreckliche Tragödie"

Mittlerweile hätten Feuerwehrleute den Brand löschen können. Helfer Hussain sagte, er befürchte noch mehr Tote. "Es könnte sein, dass nur wenige überlebt haben." Die Armee teilte mit, auch Rettungsteams des Militärs würden Verletzte in Krankenhäuser bringen oder fliegen.

Der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan drückte seine Trauer über den Vorfall aus und wies die Behörden an, den Verletzten die bestmögliche medizinische Behandlung zukommen zu lassen, berichtete Radio Pakistan. Er spreche auch den Familien der Opfer sein Beileid aus. Khan erklärte, er sei "zutiefst traurig über die schreckliche Tragödie". Er habe eine "sofortige Untersuchung" der Unglücksursache veranlasst, die schnell Ergebnisse liefern solle.

Zugunglücke sind in Pakistan keine Seltenheit. Das Schienennetz wird angesichts von Korruption, Misswirtschaft und fehlender Investitionen seit Jahrzehnten vernachlässigt. Erst Anfang Juli waren bei einem schweren Zugunglück in Ostpakistan mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen. Damals war ein Reisezug auf einen Güterwaggon geprallt, der an einem Bahnübergang stand. An den Übergängen fehlt es oft an Schranken und Signalsystemen.

jus/dpa/AFP



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