Panik im Theater Schauspieler schießt mit echter Pistole

Ein solcher Effekt des Spektakels war nicht geplant: Während einer Theateraufführung im südrussischen Woronesch hat ein Schauspieler irrtümlich aus einer Gaspistole gefeuert. Im Publikum brach Panik aus.


Moskau - Gegen 20 Uhr kam es gestern Abend im Opern- und Ballett-Theater der südrussischen Stadt Woronesch zum Eklat: In Michail Gorewogos Inszenierung des Romans "Von Mäusen und Menschen" von John Steinbeck sollte ein Hund erschossen werden. Weil sein Theaterrevolver sich als defekt erwies, hatte Schauspieler Michail Jefremow beschlossen, die Attrappe durch eine Gaspistole zu ersetzten. Doch anstatt sie mit Platzpatronen zu laden, benutzte der Mime Reizgasmunition.

Als das Gas sich von der Bühne aus im Saal ausbreitete, kam Unruhe im Publikum auf. Zahlreiche Zuschauer stürzten in Todesangst aus dem Saal, weil sie sich an die blutige Geiselnahme durch Terroristen im Moskauer Theater an der Dubrowka erinnert fühlten. Am 23. Oktober 2002 waren hier 129 der etwa 900 Theaterbesucher bei der Erstürmung des Gebäudes durch russische Spezialtruppen ums Leben gekommen. Die meisten der Opfer starben durch Kampfgas, das die Einsatzkräfte benutzt hatten, um die Terroristen außer Gefecht zu setzen.

Wie ein Sprecher der örtlichen Behörden mitteilte, waren Polizei und Rettungshelfer in Kürze vor Ort und evakuierten einen Teil des Gebäudes. Keiner der Theaterbesucher sei bei dem Vorfall verletzt worden, hieß es. Nachdem der Saal gelüftet worden war, konnte die Aufführung fortgesetzt werden.

Der unfreiwillige Schütze Jefremow beteuerte nach dem unglücklichen Vorfall, er habe nur eine Platzpatrone in die Pistole gesteckt. Wie ein Sprecher der Behörden in Woronesch dem Radiosender "Echo Moskvy" sagte, wird es kein gerichtliches Nachspiel geben.

Annette Langer



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