Pannenserie Von der Schwierigkeit, ein Kraftwerk zu sprengen

Zwei gewaltige Detonationen innerhalb einer Woche, die Anwohner des stillgelegten Heizkraftwerkes in Berlin-Rudow sind entsetzt. Auch nach dem zweiten Sprengversuch, steht das Stahlgerüst des Kesselhauses noch immer - aber die anliegenden Häuser wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Von Tom Wetzling


Berlin - Nur durch kleine Handzettel im Briefkasten wurden die Anwohner gewarnt. Mehr als 100 Kilogramm hochexplosives Hexogen sollten das Stahlgerüst vom Kesselhaus in die Knie zwingen. Doch daraus wurde nichts. Nur zwei Seitenflügel des Kraftwerkes lösten sich, kippten um und knallten dabei auf harten Beton.

Metall- und Betonstücke hagelten auf die Nachbarschaft. Fenster zerbarsten, Dachziegel gingen zu Bruch. Dass niemand verletzt wurde, ist für die Anwohner fast ein Wunder. Dietmar Jeske ist fassungslos: "Stellen Sie sich mal vor das hätte jemanden getroffen. Drüben ist ein Taubenzüchter. Der ist gerade im Taubenschlag gewesen und kurz danach raus. Und da fiel so ein Metallteil rein. Wenn er da gestanden hätte, wäre er weg gewesen."

Bei den Jeskes zieht sich seit den Sprengungen ein tiefer Riss durch die Fassade ihres Hauses. "Das ist wie so'n Tsunami, wie so eine Welle", sagt Gabriele Jeske. "Das Haus, das bebt richtig" Über dreißig Anwohner wollen jetzt gemeinsam Schadensersatz einklagen und eine weitere Sprengung verhindern.

Noch laufen Untersuchungen beim zuständigen Berliner Landesamt für Technische Sicherheit, ob der Sprengmeister versagte oder der eingesetze Sprengstoff. Doch schon jetzt steht fest: Ein neues Unternehmen muss noch einmal ran. Für einen Abriss ist es auf dem Gelände des Kraftwerkes ist es mittlerweile zu gefährlich.

"Diesmal wird alles gut", verspricht Robert Rath vom Landesamt für Technische Sicherheit. "Es wird Evakuierungen geben, es werden Schutzwälle aufgebaut. Es gibt Container und Gummireifen auf dem Dach als Splitterschutz. Damit ist sicher, dass bei der nächsten Sprengung das Gebäude runterkommt und keine Teile in der Gegend herumfliegen."

In der Woche nach Ostern soll soweit sein: Wenn dann am Heizkraftwerk - allen Protesten zum Trotz - tatsächlich neue Sprengladungen hochgehen, werden die Anwohner diesmal ganz sicher das Weite suchen.



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