Papst bei Flüchtlingen auf Lesbos "Sind wir bald frei?"

Mit dem Besuch in einem Lager auf Lesbos wollte Papst Franziskus ein Zeichen setzen. Nach seiner Abreise sind die Bewohner der griechischen Insel euphorisch - doch die Flüchtlinge bleiben ratlos zurück.

AP

Aus Lesbos berichtet


Auf den ersten Blick hat sich die Situation im Auffanglager Moria auf Lesbos nach dem Besuch von Papst Franziskus verbessert: Blumenschmuck steht zwischen den Containern, die Wände dahinter sind sauber. Eigens für den Pontifex war das triste Lager aufgehübscht worden. Doch jetzt ist er wieder abgereist. Bei den Hilfesuchenden auf der griechischen Insel hat sich bereits wieder die Realität eingestellt.

Eine Gruppe junger Männer sitzt vor einem Zaun, sie haben die gleichen Sorgen wie vor dem Papstbesuch: "Sind wir bald frei?" Eine ehrliche Antwort auf ihre Frage würde sie wahrscheinlich enttäuschen.

Mit dem Besuch des Heiligen Vaters in Griechenland waren große Erwartungen verbunden. Im Lager Moria befinden sich derzeit rund 3000 Flüchtlinge. Mehr als eine halbe Million Menschen reiste vergangenes Jahr über Lesbos nach Griechenland ein. Der Besuch von Franziskus habe großen Symbolcharakter, sagte Spyros Galinos, der Bürgermeister von Lesbos, SPIEGEL ONLINE: "Für meine Insel und ganz Griechenland ergeben sich neue Möglichkeiten." Er verspricht sich nun eine erhöhte Bereitschaft in den EU-Staaten, Flüchtlinge aufzunehmen.

Der Papst hatte auf der Insel zusammen mit dem griechisch-orthodoxen Erzbischof Hieronymus II. und Patriarch Bartholomaios I. eine Nachricht an die Weltöffentlichkeit: "Wir sind hergekommen, um die Aufmerksamkeit der Welt auf diese schwere humanitäre Krise zu richten", sagt er. "Wir hoffen, dass die Welt die Bilder dieser tragischen und verzweifelten Not sieht und auf eine Weise reagiert, die unserer gemeinsamen Menschlichkeit angemessen ist."

"Ihr seid nicht allein", sagte Franziskus zu den Hilfesuchenden auf Lesbos. Doch dass sich die abschottende Haltung vieler EU-Länder gegenüber den Flüchtlingen jetzt ändern wird, ist kaum zu erwarten.

Bei einigen Menschen vor Ort wird der Besuch trotzdem als starkes Zeichen gewertet: "Der Papst hat die Leute auf Lesbos in ihrem Willen bestärkt, die Hilfesuchenden zu unterstützen", sagt Christos Leondis aus Sigriou, einem Ort im touristischen Westen der Insel. "Die Familien der meisten Inselbewohner sind ja selbst vor zwei oder drei Generationen als Flüchtlinge aus Asien hier her gekommen."

"Ich hatte mir etwas mehr Nähe erhofft"

Allerdings waren nur wenige Bewohner von Lesbos dem Aufruf nachgekommen, sich an den Gebeten der drei prominenten Kirchenmänner am Hafen von Mytilini zu beteiligen. Das mag aber auch daran gelegen haben, dass der Ort aus Sicherheitsgründen streng abgeriegelt war. "Ich hatte mir etwas mehr Nähe erhofft", sagt der Besitzer eines kleinen Geschäfts in Hafennähe. Wie viele andere Interessierte hatte er gerade mal die Gelegenheit, einen Blick auf die Autokolonne des Papstes zu werfen.

Als symbolische Geste nahm Papst Franziskus zwölf syrische Flüchtlinge mit auf seinen Rückflug in den Vatikan. Es handle sich um drei Familien aus Syrien, darunter sechs Kinder. Sie werden vorerst von der Gemeinde Sant'Egidio in Rom betreut. Die griechische Regierung teilte unterdessen am Samstag mit, innerhalb von 24 Stunden seien 125 weitere Hilfesuchende eingetroffen.

insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hello0707 16.04.2016
1. Die Welt schaut...
...auf die Flüchtlingslager. Für den Papst eine großartige Gelegenheit sich in Szene zu setzen.... Euphorie die nie erfüllt wird...tja auch nicht im Himmel oder im Paradies. Die Wirklichkeit bleibt eben ratlos zurück...!
Dio_genes 16.04.2016
2. griechisch Orthodoxe
Vorhin bei der Tagesschau lief mir bald wieder die Galle über. Das erhoben die Pfaffen, die sich vom griechischen Staat jährlich mit zig Milliarden päppeln lassen, die in unermesslichem Reichtum schwimmen und die stets den Menschen mit Hass übergießen wenn sie eigene (z. B. sexuelle) Freiheitsrechte wahrnehmen möchten, den moralischen Zeigefinger und tönten, Europa tut viel zu wenig für die Flüchtlinge. Die Orthodoxen und die Bonzen sind doch Schuld daran, dass die Staaten hoch verschuldet sind (auch Deutschland), dass es dort viele eigene Probleme gibt (Arbeitslosigkeit, Armut, Pflegenotstände...), weil die klerikalen und weltlichen Bonzen die Staaten ausplündern. Aber die ausgeplünderte Bevölkerung soll dann mal schön helfen, oder wie? Während die Kirchen reicher und reicher werden und nur hier und dort mal ein paar lächerliche symbolische Almosen geben.
wahrsager47 16.04.2016
3. Pabst im Lager auf Lesbos
Alles schöne Bilder und Worte für die lieben Katholiken. Nur helfen wird es keinem der armen Flüchtlinge in dem Lager auf Lesbos. Habe nichts gehört, dass der Pabst ein paar Millionen Euros für die Versorgung oder auch die Befreiung aus diesem Lager in ein menschenwürdiges Leben in Zukunft, locker gemacht hätte. Und weiter hortet die katholische Kirche ihre Milliarden in vielen weit verzweigten Geschäften, Grundbesitz und Beteiligungen. Alles Heuchelei, einfach armselig!!
f36md2 16.04.2016
4. Der gütige Stellvertreter
Drei Flüchtlingsfamilien hat der Papst mitgenommen in den Vatikan, ist ja gigantisch?! Vermutlich werden sie aber nicht den Luxusgemächern des "Stellvertreters Gottes" untergebracht. Drei Familien? Da ist die EG aber wirklich stark entlastet. Hauptsache, die Weltpresse hat ihren "Aufmacher!"
Wolfgang Maier 16.04.2016
5. Vielleicht sollte die Kirche
mal ihren Reichtum mit den Flüchtlingen teilen. Ein paar Hände schütteln bringt denen nicht viel. Die haben bestimmt noch nicht mal gewusst wer dieser komische Mensch im Karnevalsanzug überhaupt ist. Was hört man von den Kirchen bezüglich der Flüchtlingssituation? Man bietet ein paar Wohnungen an. Wow. Sehr christlich. Die Kirchen könnten Unterkünfte bauen ohne das die überhaupt merken das dafür ein paar Millionen bezahlt werden müssten. Das Geld sprudelt ja dank der deutschen Gesetzgebung immer weiter. Aus welchen Gründen auch immer. Dieses Gesetz sollte schnellstens geändert werden. Die Kirche ist eine Sekte und sollte Steuern zahlen wie alle Sekten. Aber wie heißt der beste Bibelspruch. Nehmen ist seliger denn geben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.