Papst Franziskus als Stillbotschafter "Ihr Mütter, gebt Euren Kindern Milch"

33 kleine Italiener hat Papst Franziskus in der Sixtinischen Kapelle getauft. Der Anlass war feierlich, doch der Pontifex setzte auf eine entspannte Atmosphäre. Er forderte die Mütter auf, ihre Kinder zu stillen. Tranquillo!
Papst Franziskus mit Baby: "Danken wir dem Herrn für das Geschenk der Milch"

Papst Franziskus mit Baby: "Danken wir dem Herrn für das Geschenk der Milch"

Foto: Osservatore Romano/ dpa

Rom - Anlässlich der Taufe von 33 kleinen Katholiken in der Sixtinischen Kapelle hat Papst Franziskus wieder einmal gezeigt, dass Konventionen seine Sache nicht sind. Gefeiert werden sollte das Fest der Taufe Jesu, gekommen waren die Eltern, allesamt Angestellte des Vatikans, sowie Noemi, Angelica Maria, Pietro und 30 andere Winzlinge in weißen Kleidchen. Der Papst schmunzelte, segnete die Babys und nahm ihre kleinen Händchen in seine.

20 Mädchen und 13 Jungen - die Zahl der Täuflinge war nicht zufällig gewählt, sie entspricht im christlichen Glauben den Lebensjahren Jesu und steht für Vollendung. Weil die Zeremonie lang und Säuglinge naturgemäß ungeduldig waren, fingen einige an zu schreien. "Ihr Mütter, gebt Euren Kindern Milch, jetzt gleich, wenn sie Hunger haben, gebt ihnen Milch", empfahl der Pontifex. "Tranquillo", fügte er noch hinzu, was in diesem Fall so viel heißt wie: "Kein Stress".

Damit machte sich Franziskus nicht nur sympathisch, sondern auch zum wohl prominentesten Breastfeeding-Unterstützer der Welt. Seit 1991 findet jährlich eine Weltstillwoche  statt, die unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation WHO und Unicef gefördert wird.

"Danken wir dem Herrn für das Geschenk der Milch", so Franziskus weiter, "und beten wir für jene Mütter - und es sind leider viele - die nicht in der Lage sind, ihren Kindern etwas zu essen zu geben." Damit war er sogleich bei seinem bevorzugten Thema gelandet: dem Kampf gegen die weltweite Armut und für mehr soziale Gerechtigkeit.

In einem Interview , das zwei Journalisten für ihr demnächst erscheinendes Buch "Papst Franziskus. Diese Wirtschaft tötet" mit dem Pontifex geführt haben, formulierte er erneut seine Kapitalismus-Kritik: "Das Neue Testament verurteilt nicht die Reichen, sondern den Götzendienst am Reichtum. Unser System hält sich durch die Wegwerfkultur, wodurch Ungleichheit und Armut wachsen. Heute zählen die Märkte mehr als die Menschen: Es ist eine kranke Wirtschaft."

Dann zitiert Franziskus den Erzbischof von Konstantinopel, Johannes Chrysostomos. Der soll schon im vierten Jahrhundert Revolutionäres gesagt haben: "Den eigenen Besitz nicht mit den Armen zu teilen bedeutet, sie zu bestehlen und ihres Lebens zu berauben. Die Reichtümer, die wir besitzen, sind nicht unsere, sondern ihre."

ala