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Reform des IOR: Die Machenschaften der Vatikanbank

Foto: Alessandra Tarantino/ AP/dpa

Kampf gegen Korruption Franziskus baut Vatikanbank um

Jahrzehntelang lieferte die Vatikanbank IOR Stoff für dunkle Geschichten. Es ging um Korruption, Geldwäsche, sogar Mord. Papst Franziskus wollte das Institut eigentlich schließen. Jetzt ist er wild entschlossen, aus dem IOR eine kleine, saubere Hausbank zu machen.

Auf Erzbischof Konrad Krajewski blickt der Papst besonders wohlwollend. Denn der praktiziert einen Umgang mit Geld, wie ihn Franziskus besonders schätzt. Krajewski ist der päpstliche Almosenier, der Beauftragte für soziale und karitative Fragen und eben, ganz konkret, auch der Verteiler von Almosen.

Abends ist er oft rund um den Vatikan unterwegs und versorgt Obdachlose und andere Bedürftige mit Essen. Franziskus würde ihn am liebsten begleiten, sagt Krajewski, aber das ginge natürlich aus Sicherheitsgründen nicht. Dafür frage ihn der Papst, wann immer er ihn treffe, ob er mehr Geld brauche. Und Krajewski gibt sich alle Mühe: Verteilte die vatikanische Almosenverwaltung im vorigen Jahr etwa eine Million Euro an rund 6.500 Menschen, wird es dieses Jahr doppelt so viel sein. Das ist die Art von Wachstum, die auch dem wirtschaftskritischen Chef der katholischen Weltkirche gefällt.

"Eine Rückkehr von Wirtschaft und Finanzleben zu einer Ethik zugunsten des Menschen", forderte Franziskus gerade in seinem Lehrschreiben "Gaudium Evangelii" von den Finanzexperten und Regierenden in allen Ländern. Genau das will er auch im eigenen Land, dem Zwergstaat Vatikanstadt, durchsetzen und dort ganz besonders in der vatikaneigenen Bank, dem IOR - Istituto per le Opere di Religione (Institut für die religiösen Werke).

20 Millionen Euro in bar

Mit der Ethik hatte die Bank es in der Vergangenheit nicht so genau genommen. Kaum ein Geldinstitut war so in Skandale verwickelt wie die Kirchenbank. Geldwäsche und Korruption schienen alltäglich. Das, was davon gelegentlich an die Öffentlichkeit drang, glich einem Krimi. So die Geschichte des Roberto Calvi: Der "Bankier Gottes", wie er wegen seiner engen Beziehungen zur Vatikanbank genannt wurde, wusch Drogengelder der Mafia und endete 1982 erhängt unter der Londoner Blackfriars Bridge.

Die Skandale hörten nicht auf. Anfang dieses Jahres stoppte die italienische Bankaufsicht den Kredit- und EC-Kartenverkehr der Vatikanbank, weil diese sich partout nicht den EU-Regeln gegen die Geldwäsche unterwerfen wollte. Und an diesem Dienstag begann in Rom der Prozess gegen Prälat Nunzio Scarano, den langjährigen Rechnungsprüfer der vatikanischen Güterverwaltung.

Der soll einem Ex-Agenten des italienischen Geheimdiensts einen Scheck über 400.000 Euro gegeben haben, so heißt es in der Anklage. Dafür sollte der Ex-Agent in einem Privatjet 20 Millionen Euro in bar in die Schweiz schmuggeln. Schwarzgeld vermutlich. Die Sache ging schief, alle Beteiligten landeten im Gefängnis.

Er habe nur Freunden einen Gefallen tun wollen, behauptete der gefallene Geistliche Scarano. Doch bei den Vernehmungen soll er viel über Korruption und Schwarzgeldgeschäfte im Umfeld der Vatikanbank erzählt haben. Bei der wird seither erstmals gründlich aufgeräumt.

Wozu braucht die Kirche eine Bank?

Schon Franziskus' Vorgänger, Papst Benedikt XVI., hatte sich daran versucht. Doch gegen die Seilschaften der Kurie, die gemeinsam mit der Vatikanbank viele Jahre lang Macht ausübte, kam er nicht an. Auch das, so heißt es, habe zu seinem Amtsverzicht beigetragen.

Sein Nachfolger ging ganz anders vor. Zuerst wollte Franziskus die IOR-Bank einfach abschaffen. "Wozu braucht die Kirche eine Bank?", fragte er. Die Orden, Klöster und Landeskirchen in aller Welt nehmen Spenden ein, zahlen Gehälter, finanzieren Krankenhäuser und Schulen, dafür seien Konten nötig, sagten seine Ratgeber. Und seien die Konten in eigener Hand nicht besser zu kontrollieren als etwa bei einer global operierenden Großbank? Außerdem bringe die Bank Geld ein, knapp 55 Millionen Euro hat sie für das Geschäftsjahr 2012 an den Heiligen Stuhl überwiesen. Damit ließe sich doch viel Gutes tun. Gut, lenkte der Papst ein, aber dann müsse es auch eine Bank der Kirche sein, moralisch sauber, ethisch einwandfrei, transparent und kontrolliert.

Die Bank bekam einen neuen Chef und eine eigene Aufsichtsbehörde, mit einem Schweizer Fachmann an der Spitze. Das international tätige Beratungsunternehmen Promontory Financial Group soll alle Bankunterlagen nach geldwäscheverdächtigen Altfällen untersuchen und der vatikanischen Staatsanwaltschaft zuleiten.

Die neue Vatikanbank

Eine "Päpstliche Kommission" unter Leitung von Kardinal Raffaele Farina soll grundlegende IOR-Reformen ausarbeiten. Sie will in diesen Tagen ihren Bericht vorlegen. Aber vieles hat der umtriebige Katholikenchef längst selbst auf den Weg gebracht und die Kontrolle der Umsetzung seinem zum Oberaufpasser ernannten persönlichen Sekretär Alfred Xuereb übertragen:

  • Tausende Konten wurden geschlossen, nur wer im globalen Katholikenverbund verortet ist, kann künftig noch IOR-Kunde sein.
  • Anonyme Nummernkonten, lange eine Spezialität des Hauses, gibt es nicht mehr.
  • Kredite vergibt die Bank nicht, allenfalls in wenigen "außerordentlichen Fällen".
  • Bei der Anlage ihrer Kundengelder sind spekulative oder riskante Geschäfte verboten.

In einem Handbuch für die Mitarbeiter ist das alles im Detail aufgeschrieben, auch der Umgang mit Bargeld. Dessen Anteil ist beim IOR etwa dreimal so hoch wie in weltlichen Geldinstituten. Denn Spenden, ob sie im Klingelbeutel in Manila oder im Mauerschlitz der Heiligen Treppe in Rom landen, werden meist bar erbracht. Und damit unter dem Deckmantel der Barmherzigkeit nicht kriminelles Geld versteckt wird, muss jede Bareinzahlung eine Risikoprüfung durchlaufen: Aus welchem Land kommt das Geld, ist die Summe auffallend groß, welches Kundenprofil hat der Kontoinhaber? Bei erhöhter Risikopunktzahl wird Alarm ausgelöst.

Der Widerstand aus der Kurie ist längst gebrochen. "Sein Wille geschehe", heißt es neuerdings im Kirchenstaat. Und nicht alle sagen das mit ironischem Schmunzeln.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Mary Ann Glendon leite die Päpstliche Kommission. Sie ist zwar Mitglied der Kommission, geleitet wird diese aber von Kardinal Raffaele Farina. Wir haben dies korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.