Messe für Behinderte Papst klagt über Körperkult

In einer Messe auf dem Petersplatz in Rom hat der Papst die Diskriminierung von Behinderten kritisiert. Dass nur zähle, wer einen perfekten Körper habe, mache die Welt nicht besser.

Papst Franziskus
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Papst Franziskus


Papst Franziskus hat das verbreitete Streben nach einem perfekten Körper angeprangert. "Die Welt wird nicht besser, nur weil augenscheinlich perfekte Menschen in ihr leben", sagte Franziskus in einer Messe für Behinderte auf dem Petersplatz in Rom.

Das Kirchenoberhaupt beklagte, die Pflege des eigenen Körpers sei "eine Obsession" geworden und ein "großes Geschäft". Diese Entwicklung führe dazu, dass "alles Unperfekte" versteckt werde, weil der Anblick die Zufriedenheit der Gesunden beeinträchtige.

Die Gesellschaft diskriminiere Behinderte, weil sie dem Ideal nicht entsprächen. Franziskus wandte sich gegen die Vorstellung, das Leben von Behinderten sei nicht lebenswert. Entscheidend für Glück sei Liebe, die Menschen empfangen würden.

sms/AP



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mira.aleksic 12.06.2016
1. Dieser Papst
Wird noch lange leben. Weil er so präzise in seinem Gerechtigkeitssinn ist, und ein ruhiges Gewissen dann haben kann! Schön!
telos 12.06.2016
2. So ganz abwägig ist dieser Gedanke nicht
Der Körperkult mit seinen vielen Facetten wie Schönheitsoperationen, Fitnesscenter, ausschließlich vegetarische oder gar vegane Ernährung und vieles andere zeigen mir die fortwährende Suche des Menschen nach seiner Bestimmung, nach seinem Selbst, wobei das Ich einen großen Stellenwert innehat. Ich tue meinem Körper etwas gutes, wenn ich Sport treibe, mich vegan etc. ernähre. Dabei wird aber oft vergessen, daß z.B. nicht alle Menschen Zugang zu gesunden Lebensmitteln haben, entweder weil sie es sich nicht leisten können oder überhaupt froh sind, etwas in den Magen zu bekommen. Nicht das Miteinander steht im Vordergrund (jeder Mensch sollte sich ausreichend und gesund ernähren können), sondern das Mir geht es gut. So wird eben mit äußeren Dingen (vergleichbar mit einer Häuserfassade) versucht, sich selbst eine Identität in der heutigen Massengesellschaft zu schaffen, und sei es nur durch einen gut gestylten und durchtrainierten Körper. Was wir Menschen in uns nicht finden, müssen wir zur Kompensation eben außen an unsere Fassade hängen. Alte, kranke, körperlich und geistig Eingeschränkte scheinen schon eine Provokation in einer sich ständig perfektionierenden Welt zu sein. Gehöre ich als knapp 60 jähriger mit kleinem Bauchansatz, notorischer Nichtsportler, noch sozialversicherungspflichtiger Einzahler auch schon zur Gruppe, die auf den Gruppenfotos gerne wegretuschiert werden sollten. Wenn ja, möchte ich guten Gewissens auch mit dabei sein. Ich will dann doch lieber bei den sein, bei denen sonst niemand sein will.
1smiler1 12.06.2016
3. Eine alte Klamotte
welcher hohe Würdenträger in der RKK entspricht nicht auch gewissen Idealen? Welche "Leistungssportler", ausgenommen Behindertensportler,? Welcher Manager? Welcher Politiker? Welcher... Zufall? Natürlich wird dieser Kult weiter getrieben, denn je mehr Zugang zu den gleichen Möglichkeiten haben steigt ja auch wieder die Konkurrenz. Ausnahmen sind i.d.R. schon vor Rausfall durch Unfall,Attentat etc. prominent oder in Amt und Würden gewesen.
al2510 12.06.2016
4. @telos
mal halblang! Vegane Ernährung ist billiger als Fleisch, weil man gleich das Viehfutter frisst und nicht noch eine Kuh quält. Milch aus Hafer und Wasser. Die hohen Preise für Veganes essen sind Markt bedingt. Wenn die Stückzahl gering ist, ist der Preis hoch. Denke die Wirtschaft könnte es erst gar nicht verkraften, wenn alle sofort vegan wären. Das würde den Arbeitsmarkt ruinieren. Molkereien, Schlachthöfe, ... Alle müsste neu beschäftigt werden. Das könnte eine große Unruhe hervor rufen. Deshalb wird der Preis künstlich hoch gehalten. Der Liter vegane Milch kostet über 1,80. Wer sie selber macht, und das ist einfach, hat sie auch für 30 Cent. Das Problem ist auch, dass man in meiner Familie sehr anspruchsvoll ist. Was der Bauer nicht kennt, ... Es muss alles wie Butter, Milch, Wurst schmecken. Und um genau den Milchgeschmack zu bekommen, muss man eben 1,80 zahlen. Dafür hat der Marktführer 30 Jahre experimentiert. Es schmeckt wie Joghurt nur noch viel besser, weil da auch mehr Obst drin ist. Denke der Papst prangert eine Marotte der Gesellschaft an. Man schaut nur noch auf sein Idealbild. Der Narr inszeniert sein Leben. Es ist ein Streben nach Vorzüglichkeit. Aber wer immer seine Inszenierung im Blick hat, beachtet seine Umwelt nicht. Wenn ich auf die Umwelt achten will, bin ich ein Veganer, weil ich wenig verbrauchen will. Achte ich nur auf mich, ist alles um mich herum meiner Veränderung unterworfen. Wobei das nicht gut ausgehen kann, wer die Welt ignoriert geht unter.
Chaosfee 12.06.2016
5.
Zitat von al2510mal halblang! Vegane Ernährung ist billiger als Fleisch, weil man gleich das Viehfutter frisst und nicht noch eine Kuh quält. Milch aus Hafer und Wasser. Die hohen Preise für Veganes essen sind Markt bedingt. Wenn die Stückzahl gering ist, ist der Preis hoch. Denke die Wirtschaft könnte es erst gar nicht verkraften, wenn alle sofort vegan wären. Das würde den Arbeitsmarkt ruinieren. Molkereien, Schlachthöfe, ... Alle müsste neu beschäftigt werden. Das könnte eine große Unruhe hervor rufen. Deshalb wird der Preis künstlich hoch gehalten. Der Liter vegane Milch kostet über 1,80. Wer sie selber macht, und das ist einfach, hat sie auch für 30 Cent. Das Problem ist auch, dass man in meiner Familie sehr anspruchsvoll ist. Was der Bauer nicht kennt, ... Es muss alles wie Butter, Milch, Wurst schmecken. Und um genau den Milchgeschmack zu bekommen, muss man eben 1,80 zahlen. Dafür hat der Marktführer 30 Jahre experimentiert. Es schmeckt wie Joghurt nur noch viel besser, weil da auch mehr Obst drin ist. Denke der Papst prangert eine Marotte der Gesellschaft an. Man schaut nur noch auf sein Idealbild. Der Narr inszeniert sein Leben. Es ist ein Streben nach Vorzüglichkeit. Aber wer immer seine Inszenierung im Blick hat, beachtet seine Umwelt nicht. Wenn ich auf die Umwelt achten will, bin ich ein Veganer, weil ich wenig verbrauchen will. Achte ich nur auf mich, ist alles um mich herum meiner Veränderung unterworfen. Wobei das nicht gut ausgehen kann, wer die Welt ignoriert geht unter.
Warum muss man es sich so komliziert machen? Je mehr ein Lebensmittel vorher verarbeitet ist, desto mehr schädliche oder ungewünschte Stoffe können mit drin sein und je mehr seine Qualität leiden. Also lieber ein echtes Schnitzel (vom Biobauern) als gepresste Sojapampe mit Geschmacksverstärkern (es sei denn man stellt es sich selbst her und kauft kein Fertiges). "Sojamilch" besteht auch aus Wasser und Zucker und ein bißchen Soja. Was ist dann besser? "Echte" Milch vom Tier oder solch ein "Ersatz"? Der Mensch darf die Welt nicht immer nur an seine Bedürfnisse anpassen. Wenn ich also abends im Laden kein Schnitzel mehr bekomme, gibt es halt Bratkartoffeln oder einen Gemüseauflauf o.ä. Man muss nicht ständig alles zur Verfügung haben. Wieviele Lebensmittel werden täglich weggeworfen, während anderswo die Menschen hungern, weil z.B. auf ihren Feldern nur noch Pflanzen für unseren "Biosprit" angebaut werden? Der Mensch hat verlernt, dass Äußerlichkeiten vergänglich sind. Alle wollen nur noch jung und schön sein und das für immer, aber das Leben ist ein steter Wandel und wer sich selbst nicht annimmt mit seinen kleinen Macken und Unvollkommenheiten, der wird auch nach der besten Schönheits-OP hässlich bleiben.
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