Bericht Papst Franziskus soll deutschen Erzbischof Gänswein beurlaubt haben

Franziskus hat den Vertrauten seines Vorgängers Benedikt, den deutschen Erzbischof Georg Gänswein, laut einem Medienbericht freigestellt. Der Vatikan spricht von einer "Umverteilung von Funktionen".
Georg Gänswein und Papst Franziskus: Der deutsche Erzbischof wurde vom Kirchenoberhaupt beurlaubt, berichtet eine katholische Zeitung

Georg Gänswein und Papst Franziskus: Der deutsche Erzbischof wurde vom Kirchenoberhaupt beurlaubt, berichtet eine katholische Zeitung

Foto: Alessandra Tarantino/ picture alliance/ dpa

Papst Franziskus hat den Präfekten des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, offenbar auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Wie die konservative katholische Zeitung "Tagespost" unter Berufung auf Vatikankreise berichtet , soll der Privatsekretär des emeritierten Papstes aber weiterhin die Audienzen Joseph Ratzingers koordinieren dürfen.

Die Pressestelle des Vatikans wollte sich auf Anfrage des SPIEGEL nicht zu der mutmaßlichen Beurlaubung Gänsweins äußern. Sie erklärte lediglich das Fehlen des Erzbischofs bei bestimmten Audienzen der vergangenen Wochen mit "einer gewöhnlichen Umverteilung der Verpflichtungen und Funktionen des Präfekten des Päpstlichen Haushalts". Der Nachrichtenagentur dpa sagte ein Vatikansprecher zu dem Bericht über eine Beurlaubung: "Ich habe keine Informationen dieser Art."

Es wird spekuliert, dass der PR-Gau bei der Veröffentlichung eines Buchs von Kardinal Robert Sarah der Grund für die Entscheidung sein könnte. Mitte Januar hatte die Vorabveröffentlichung des Buchs "Des profondeurs de nos coeurs" ("Aus den Tiefen unserer Herzen") über die priesterliche Ehelosigkeit für Aufsehen gesorgt.

Der emeritierte Papst hatte einen Aufsatz beigesteuert, war aber offenbar ungewollt als Co-Autor des Gesamtwerks genannt worden. Dies hatte zu einer hitzigen Debatte über einen angeblichen Bruch zwischen dem emeritierten und dem amtierenden Papst geführt. Franziskus hatte bei der Amazonas-Synode angesichts des akuten Priestermangels eine Lockerung des Zölibats in der Amazonasregion in Aussicht gestellt.

Unterschiedliche Aussagen

Gänswein und Sarah hatten unterschiedliche Aussagen zur Entstehung des Buchs gemacht. Dem SPIEGEL sagte Gänswein , Benedikt habe seinen abgedruckten Text über das Priestertum im Juli begonnen und im Oktober an Kardinal Sarah übergeben. Von einem Buchprojekt sei zu diesem Zeitpunkt noch keine Rede gewesen.

"Das Cover, auf dem nun Benedikt und Sarah gemeinsam als Autoren aufgeführt und abgebildet sind, hat der emeritierte Papst nie gesehen; von einer Co-Autorenschaft war gleichfalls keine Rede", so Gänswein. Der Eindruck, die von Sarah verfasste Einleitung und das Schlusskapitel seien gemeinsam verfasst worden, sei irreführend. Auch habe der Verlag dem Papst emeritus keine Druckfahnen zukommen lassen.

Der 63-jährige Georg Gänswein war ab 2003 persönlicher Assistent von Kardinal Joseph Ratzinger, seit dessen Wahl zum Papst 2005 auch sein Privatsekretär. 2012 ernannte ihn Benedikt XVI. zum Titularerzbischof und Leiter der Präfektur des Päpstlichen Hauses.

Nach dem historischen Amtsverzicht Benedikts XVI. Ende Februar 2013 blieb Gänswein Präfekt des Päpstlichen Haushalts. In diesem Amt wurde er von Papst Franziskus am 31. August 2013 bestätigt.

Gänswein hatte Anlaufschwierigkeiten mit Ratzingers Nachfolger Franziskus eingeräumt. "Es war am Anfang sehr schwierig", sagte er im August der Nachrichtenagentur dpa. Die Unterschiede zwischen Benedikt und Franziskus seien gewaltig: "Die große Unterschiedlichkeit sowohl der Persönlichkeit als auch der Art und Weise des Handelns und des Regierens war eine große Herausforderung und nicht einfach." Inzwischen aber pflege man "einen sehr guten Kontakt".

ala/dpa